Haldensleben l Zehn Jahre ist es her, dass sich einige Haldensleber Bürger, die von der Geschichte des Mittelalters begeistert waren, zusammenfanden, um die fast vergessenen Niederlassungen des Tempelritterordens in und um Haldensleben aufzuspüren und ihre Bedeutung zu erfassen. Sie gründeten im Jahr 2005 einen Verein (Förderverein Wichmannsburg und Umgebung), dessen Aufgabe u.a. darin bestehen sollte, die Geschichte der Templer um ihren Komtur Friedrich von Alvensleben zu erforschen. Mitglieder des Vereins nahmen Kontakt zu den Nachfahren des Friedrich von Alvensleben auf, um positive Resonanz und Unterstützung zu erfahren.

Der ehemalige Templerhof in der Magdeburger Straße war zunächst der Sitz des Vereins, später bauten sie den Turm des Stendaler Tores als „Stützpunkt“ aus. Die heutigen Templer begriffen sich als einen wichtigen Teil der Stadtgeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Durch ihre Bewaffnung und Gewandung (quasi Uniform) bestimmt, waren sie bald vertraut mit der städtischen und Ordensgeschichte, sie waren als Gesprächspartner gefragt.

Im Laufe der Zeit hat sich eine enge Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung entwickelt. „Das Rathaus“ erkannte schnell das Potenzial der neuen Tempelritter für die städtische Präsentation auf Messen, Märkten und anderen Veranstaltungen. Daraus ergab sich eine Vielzahl von Kontakten und partnerschaftlichen Beziehungen zu anderen „Mittelaltervereinen“ in Magdeburg, Walbeck, Helmstedt u.a.

In letzter Zeit standen zahlreiche Veranstaltungen im „Arbeitsplan“ des Vereins. Das wird sich auch in den nächsten Jahren so fortsetzen, vor allem im Jahr der 1050-Jahrfeier der Ersterwähnung Haldenslebens in einer Urkunde des frühen Mittelalters.

Oftmals wurde bei den Aufmärschen der Templer die Frage gestellt, ob sie sich wirklich von den mittelalterlichen Traditionen und Gegebenheiten leiten lassen, dazu ein Blick zurück ins 12./13. Jahrhundert.

Die Geschichte der Templerburg Wichmannsdorf kann kaum korrekt ermittelt werden, weil die historischen Quellen sehr spärlich sind. Aber der Erwerb von Land und Grundstücken und ganzer Dörfer in der Umgebung der Burg berechtigt schon zu der Feststellung, dass es eine Erfolgsgeschichte war. Sie endete mit der Aufhebung und Zerschlagung des Ordens nach 1307 durch den Papst Clemens V. und dem König von Frankreich (Philipp IV.) Die verlassene Burg erhielt keine Folgenutzung, sie verfiel und wurde abgebrochen. Der letzte Komtur hatte in Eile die Besitztümer verkauft. Das Dorf Wichmannsdorf wurde später ebenfalls wüst. Die Ackerflächen u.a. wurden dem Kloster Althaldensleben zugeordnet. Da die historischen Quellen für diese Zeit sehr lückenhaft sind, gab es viel Raum für die „Erfindung“ von Märchen und Sagen zum Schicksal der Tempelritter.

Die Templer hatten intensive Beziehungen zur festen Burg Hundisburg. Hier hielt sich der Komtur Friedrich von Alvensleben oftmals auf. Einer seiner Nachfahren (Ludolf X.) richtete im Turm der Burg ein besonderes Zimmer ein mit Erinnerungsstücken an den Komtur des Ordens.

Allmählich setzte sich die Bezeichnung „Templerturm“ durch, obwohl der Turm (Bergfried) nicht zu dem Ordensniederlassungen gehörte, denn als das Bauwerk errichtet wurde, waren die Ritter noch in der Wichmannsburg ansässig. Die Quellen über die Baugeschichte des Templerhauses in der Stadt Haldensleben sind ebenfalls sehr spärlich. Es steht fest, dass um 1223/1224 ein Steinbau aus Bruchsteinen an der vorbeiführenden Magdeburger Handelsstraße errichtet wurde, dass die Templer dieses Geschäfts- und Lagerhaus für ihre Geschäfte genutzt haben. Nach 1307 wurde diese Niederlassung der Templer aufgelöst, das Haus verfiel. Erst im Jahre 1553 wurde direkt an der Magdeburger Straße ein Fackwerkbau errichtet, der noch heute existiert. Er ist das älteste Wohnhaus in der Stadt und wird „Templerhaus“ genannt.

In der Zeit von 1223/1224 bis 1307/1308 hat der Orden in der Stadt gewirkt. Die Stadt wurde in dieser Zeit nach über 40 Jahren „Trümmerdasein“ wieder aufgebaut. Das war sicher ein Grund, hier einen Handelshof einzurichten. Andere geistliche Orden waren mit ihren Höfen (oder Niederlassungen) ebenso präsent - die Dominikaner, Franziskaner, Augustiner - diese und andere Zusammenhänge und Begebenheiten erkunden die neuen Templer und ziehen daraus Schlussfolgerungen für ihre Arbeit. Sie haben sich im Stendaler Turm eine hervorragende Basis geschaffen, von dort aus vermitteln sie den interessierten Bürger in eindrucksvoller Weise Erkenntnisse über das Leben und Wirken der Tempelritter im Mittelalter.