Weferlingen l „Wenn wir auch Flüchtlingskinder bei uns in der Schule haben, müssen wir sie aber gut bei uns aufnehmen“, sagt Pia zu Lea und Jonas..Pia aus der Grundschule Flechtingen ist gerade mal zehn Jahre alt und hat ein großes Herz.

Als ihre Lehrerin Diana Herrmanns im Ethikunterricht mit den Kindern über das Thema Flüchtlinge sprach, kam von Pia spontan die Idee zu helfen. Daraus entwickelte sich eine Schulaktion. Jedes Kind wollte sich daran beteiligen. So kamen Kisten voller Schulsachen, Rucksäcke, Spielzeuge und sogar einige Ranzen zusammen. Diana Herrmanns hatte den Kofferraum ihres Autos voll mit all den Sachen, die dabei zusammenkamen.

So beladen kamen Pia und die beiden Klassensprecher Lea und Jonas am gestrigen Freitag mit Schulleiterin Ines Warschewske und Diana Herrmanns in der Flüchtlingsunterkunft in Weferlingen an.

Mit großen, erwartungsvollen Augen wurden die Gäste von Divya (15) und Siphere (12) aus Indien sowie Sahara (15) und Sitra (6) aus Afghanistan erwartet. Noch schüchtern und etwas zögerlich stellten sich die Kinder in englischer Sprache untereinander vor. Dabei war Divya eine große Hilfe, denn das junge Mädchen spricht sehr gut englisch und hat sich sogar selbst sogar schon erste Kenntnisse der deutschen Sprache angeeignet.

Nicht an deutschen Alltag gewöhnt

Nur mit dem regelmäßigen Schulbesuch hat es noch nicht geklappt, obwohl Divya gern die Schule besuchen würde, wie sie erzählt.

Die Gründe, warum das noch nicht klappt, sind vielfältig. Zum einen gibt es zuviel Bürokratie. Sämtliche Ämter und Behörden sind einfach überlastet mit all dem, was zu bearbeiten ist, weiß das Heimpersonal zu berichten.

Zum anderen seien die Flüchtlinge nicht an den deutschen Alltag gewöhnt. Die deutsche Pünktlichkeit kennen viele aus ihren Heimatländern nicht. Dass die Schulbusse frühmorgens nach Fahrplan vor der Tür stehen und dann weg sind, ist vielen Familien nicht bewusst. Ihr täglicher Rhythmus war bislang ein ganz anderer.

Dabei wäre gerade hinsichtlich des Erlernen der Sprache ein regelmäßiger Kontakt wie in der Schule mit deutschen Kindern so wichtig. Da lernt es sich am schnellsten, und Berührungsängste sind ruckzuck abgebaut. Gerade bei Kinder funktioniert das reibungslos, wie gestern früh schon nach kurzer Zeit zu sehen war.

Der Besuch der jungen Flechtinger Grundschüler zu früher Morgenstunde sorgt in jedem Fall für Freude. Schon haben die ersten Schulhefte, Rucksäcke und Plüschtiere den Besitzer gewechselt. Und angesichts der Menge, die sich dank der Hilfsbereitschaft ganzer Familien angesammelt hat, wird sicher jedes der rund 35 Kinder zwischen 6 Wochen und 18 Jahren im Weferlinger Flüchtlingsheim etwas abbekommen können.

Pia überreicht der sechsjährigen Sitra eine kleine Tasche mit einem Plüschtier darin. „Bitte schön“, sagt sie einfach, und das junge Mädchen aus Indien bedankt sich ganz leise und schüchtern in ihrer persischen Muttersprache. Doch ihre Augen strahlen Pia an.