Haldensleben l Noch keine vier Monate alt ist das Projekt „Lernen durch Engagement“ an der Sekundarschule „Marie Gerike“, da hat es schon für Aufsehen gesorgt. So sehr, dass Sachsen-Anhalts Kultusminister Stephan Dorgerloh (SPD) es persönlich mit dem Landesintegrationspreis ausgezeichnet hat.

Als Sahnehäubchen gab es eine Prämie von 500 Euro obendrauf. Das Geld möchte Claudia Grünberg auch wieder direkt in das Schulprojekt stecken. Die Lehrerin für Deutsch und Englisch hat es zum Schuljahresbeginn aus der Taufe gehoben und 17 Mädchen und Jungen aus den 7. Klassen für das Vorhaben gewinnen können. Sie engagieren sich seitdem unentgeltlich in sozialen Bereichen der Stadt Haldensleben, bieten ihre Hilfe unter anderem in Kindertagesstätten, Grundschulen oder Altenheimen an, lesen dort vor oder helfen bei den Hausaufgaben. „Dazu müssen die Schüler im Vorfeld selbständig recherchieren, wo Bedarf an ihrer Unterstützung besteht. Mit ihren ,Diensten‘, die sie anbieten, wollen sie aber nicht einfach nur Arbeitskräfte sein. Vielmehr geht es darum, dass sie erfahren können, wie sie ihr Wissen, das sie in der Schule erwerben, auch praktisch anwenden können“, erzählt Claudia Grünberg.

Als ein „Prestigeobjekt“ hat sich dabei die Flüchtlingsunterkunft in der Haldensleber Hafenstraße herausgestellt. Hier helfen die Mädchen und Jungen den Asylbewerbern, sich in der neuen Heimat besser zurechtzufinden. In einer Kennenlernrunde wurden bei einem gemeinsamen Essen erste Kontakte geknüpft. „Wir wollten zunächst in Erfahrung bringen, wer wie gut deutsch spricht. Das ist die Grundlage für unsere weitere Arbeit“, erklärt die Lehrerin.

So haben die Schüler die Flüchtlinge mittlerweile mit der in Deutschland typischen Mülltrennung vertraut gemacht, ihnen mit Schildern gezeigt, welcher Müll in welche Tonne kommt. „Sie geben ihnen Hilfe zur Selbsthilfe, vermitteln ihnen typisch Deutsches und helfen ihnen, die Sprache zu lernen, damit die Flüchtlinge in Alltagssituationen, zum Beispiel beim Einkaufen oder eben auch beim Arztbesuch, besser zurechtkommen“, so Claudia Grünberg.

Einmal in der Woche treffen sich Schüler und Flüchtlinge. Ihre „Arbeitszeit“ können die Schüler dabei selbst wählen. „Sie haben für das Projekt selbst die Zeithoheit, können sich die Stunden frei einteilen. Auch das gehört mit zum Lernziel“, macht die Lehrerin deutlich.

Bei einer Fortbildung ist sie auf ein ähnliches Projekt aufmerksam geworden. „Es hat mir so gefallen, dass ich es auch an unserer Schule anbieten wollte“, erzählt die Lehrerin, die sich extra dafür in Integrationspädagogik weiterbilden ließ. Beim „Lernen durch Engagement“ bekommt sie auch Hilfe von der Freiwilligen-Agentur Halle. „Sie unterstützt Projekte, bei denen sich Ehrenamtliche sozial und gesellschaftlich engagieren. Da gibt es eine gute Zusammenarbeit“, lobt Claudia Grünberg.

Sie hat für das Schulprojekt, das als Wahlpflichtkurs über zwei Jahre ausgelegt ist, auch extra einen Lehrplan geschrieben, der vom Schulamt genehmigt werden musste. Und natürlich hofft die Lehrerin, dass „Lernen durch Engagement“ auch künftig einen festen Platz im Unterricht an der Gerikeschule bekommt. Die Unterstützung der Kollegen ist ihr dabei gewiss. „Unsere Schulleiterin Monika Gajda hat mir gleich nach der Auszeichnung versichert, dass ich die Siegprämie zu 100 Prozent in das Projekt stecken darf. Damit können wir unsere interkulturellen Kochtreffen weiter finanzieren“, freut sich Claudia Grünberg über den Rückhalt.