Haldensleben l Sie gehe mit einem lachenden und einem weinenden Auge, versichert Paulina Fischer, die von allen nur kurz Paula gerufen wird. Doch das lachende Auge fällt kaum auf. Von der Terrasse der „Hafenklause“ im Haldensleber Sportboothafen wirft sie einen traurigen Blick auf die Anleger. „Das wird mir fehlen“, meint sie.

Seit sieben Jahren betreibt Paula Fischer die „Hafenklause“. Genauso lange kümmert sie sich als Hafenmeisterin um die Besucher, die den Sportboothafen am Mittellandkanal ansteuern. Egal, ob die mit dem Boot oder mittlerweile mit dem Wohnmobil kommen. Viele der Freizeitkapitäne sind „Wiederholungstäter“, was ihren Besuch in Haldensleben angeht. Sie lieben und schätzen den Service, den sie im Sportboothafen vorfinden.

Genau dieser Service hat den Sportboothafen zu dem gemacht, was er heute ist: ein Aushängeschild für Haldensleben. Der gute Ruf sorgt in der Saison für ein volles Haus. „2015 war unser bestes Jahr“, resümiert Paula Fischer. Über 1700 Gastlieger mit Booten und Wohnmobilen gingen in diesem Jahr im Sportboothafen vor Anker – ein neuer Rekord. Und auch ein Verdienst der Hafenmeisterin, die ihren Gästen fast jeden Wunsch von den Augen abliest, die immer zur Stelle ist, wenn Rat oder Hilfe benötigt werden.

Für die Hafenmeisterin ist nun allerdings die Zeit des Abschiednehmens gekommen. „Ich höre zum Jahresende auf“, sagt sie. Es seien wirtschaftliche Gründe, die sie zu diesem Schritt bewegen, erklärt sie. „Als ich damals die ,Hafenklause‘ gepachtet habe, war die Bedingung, dass ich mich nebenbei als Hafenmeisterin auch um den Hafen kümmere.“ Doch mittlerweile ist aus dem Neben- ein Vollzeitjob geworden, den sie aber immer noch „nebenbei“ erledigt. „Die Gaststätte, die ja meine Existenz ist, kam dabei zu kurz“, meint Paula Fischer. Schließlich sei sie in erster Linie Wirtin. Deshalb habe sie sich entschlossen, von Bord zu gehen und Haldensleben zu verlassen.

Neu anheuern wird sie in Calvörde, dort die Ausflugsgaststätte „Grieps“ übernehmen. „Dort kann ich mich voll und ganz auf die Gastronomie konzentrieren“, freut sich Paula Fischer auf die neue Herausforderung.

Auf ihre maritime Leidenschaft muss sie dort auch nicht unbedingt verzichten. Nicht allzu weit vom „Grieps“ entfernt ist der Calvörder Sportboothafen zu finden. Von Paulas Ruf könnte auch er profitieren, wenn bisherige Haldensleber Stammgäste künftig dort anlegen und nicht mehr in die Kreisstadt schippern.

Doch daran mag Paula Fischer im Augenblick noch nicht denken. „Erst einmal will ich den ,Grieps‘ wieder zum Laufen bringen“, versichert sie. Dafür gibt es noch viel zu tun, immerhin steckt sie mitten im Umzugsstress. Zu Ostern will sie in der Traditions-Gaststätte die ersten Gäste empfangen.

Wer ihr Nachfolger im Haldensleber Sportboothafen wird, ist derzeit noch offen. Die Haldensleber Wassersportfreunde als Betreiber des Hafens sind zumindest auf der Suche danach. „Ich möchte mich bei den Wassersportfreunden für die gute Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren bedanken. Und auch bei meinen Helfern, die mich immer unterstützt haben“, sagt Paula Fischer zum Abschied und schaut noch einmal auf das Hafenbecken: „Das hier sind sieben Jahre meines Lebens, sieben Jahre harte und schöne Aufbauarbeit...“