Morsleben l Eine lange Vorlaufzeit hat das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) benötigt, um die neue Dauerausstellung „Morsleben - Ein Bergwerk? Ein deutscher Ort.“ Im Info-Haus des ERA Morsleben zu etablieren. Bereits im Jahr 2013 wurde das Info-Haus umgebaut, um Platz für die Ausstellung zu schaffen, die das gegenwärtige Informationsangebot zum Endlager für radioaktive Abfälle (ERA) aus geschichtlicher Sicht ergänzt.

Nun ist es vollbracht. Am Montag konnte der Präsident des BfS, Wolfram König, die neue Ausstellung der Öffentlichkeit präsentieren. Gemeinsam mit dem Bundesbeauftragten für die Unterlagen der Staatssicherheit (Stasi), Roland Jahn, führte er erste Gruppen durch mehr als 100 Jahre Bergbaugeschichte in Morsleben und Umgebung. Der erste Abschnitt ab 1897 ist dem Abbau von Kali- und Steinsalzen im Schacht Marie und im Schacht Bartensleben gewidmet. Ein düsteres Kapitel der Geschichte mit der Periode der Rüstungsproduktion und der Zwangsarbeit von Häftlingen aus den Konzentrationslagern unter unmenschlichen Bedingungen unter Tage schließt sich an.

„Wir sind als Betreiber nicht originär zuständig, die Geschichte nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, aber wir sehen es es ein Stück Verantwortung, dass wir uns dieser Geschichte stellen“, sagte Wolfram König. Vieles, was ab Mitte der 1930er Jahr geschah, sei geheim gewesen, aber „wir brauchen heute die Offenheit und Transparenz“.

Originalzitate von Zeitzeugen damaliger Zeit, von Überlebenden der Zwangsarbeit und der Lager können in der Ausstellung per Knopfdruck gehört werden, Fotos geben einen kleinen Einblick in die unmenschlichen Bedingungen und das Leiden der Menschen, die in der Zeit des Nationalsozialismus unterirdisch schuften mussten.

Der Abschnitt über die Geschehnisse nach dem Zweiten Weltkrieg und in der Deutschen Demokratischen Republik konnte dank der Aufarbeitung zahlreicher Stasi-Unterlagen im dritten Abschnitt anschaulich dokumentiert werden. Viel wussten die Einwohner damals nicht über das, was unter Tage geschah, wie die Geflügelmast (1959 bis 1988) ablief und wo ab 1974 auch erste Giftmüllfässer eingelagert wurden. Schwach- und mittelradioaktive Stoffe wurden ins Bergwerk gebracht und in den Tiefen der Sohlen eingelagert.

„Hier haben sich Staat und Partei über die Menschen gestellt“, sagte Roland Jahn. Die offengelegten Stasi-Unterlagen, übrigens in dieser Form ein einmaliger Vorgang in der Geheimdienstgeschichte, würden heute viele Geheimnisse preisgeben. Die Menschen rings um den Schacht und in grenznaher Lage zur BRD waren ständig Erkundungen ausgesetzt, welche Fragen sie stellten, was sie sagten und wie sie sich verhielten. Mit Beginn der Umweltbewegung Mitte der 1980er Jahre in der DDR wurden die Fragen nach dem Was und Wie lauter und öffentlicher, doch die Diktatur versuchte weiter, im Verborgenen zu wirken.

Die Nähe des ERA zur deutsch-deutschen Grenze sei nicht zufällig, meinte Wolfram König, auch die Asse und Gorleben auf der anderen Seite seien nicht zufällig so grenznah gewählt. Das belege auch, dass die Lagerstätten nicht unbedingt nach geologischen Gesichtspunkten ausgewählt wurden. Aufgrund der zahlreichen Abbauhohlräume gebe es Wassereintragungern, Stabilisierungs- und Verfüllmaßnahmen mussten durchgeführt werden.

Seit 1992 läuft das atomrechtliche Planfeststellungsverfahren, parallel wurde ein Antrag auf Weiterbetrieb über das Jahr 2000 hinaus gestellt. 1997 folgte jedoch die Beschränkung auf die Stilllegung, 2001 der Verzicht seitens des BfS auf die weitere Einlagerung radioaktiver Abfälle. In der jetzigen Phase der Stilllegung geht es also noch um Baumaßnahmen zur Sicherung und Schließung der Anlage.