Halberstadt l Das Engagement zur Rettung des historischen Halberstadts nach 1989 hat lange Zeit einen großen Bogen um den Abtshof gemacht. Es fehlte an Visionen für die Wiederbelebung der Abrissfläche. Die Eigentümer der Fachwerkhäuser, die Verfall und Abriss überstanden hatten, waren die ersten, die ihr Eigentum liebevoll saniert haben. Doch für die mehr als 3000 Quadratmeter große Lücke im südlichen Teil des Abtshofes fand sich kein Investor. Bis Bauunternehmer Frank Behrens ein Zukunftskonzept dafür entwickelte. Mittlerweile baut der Halberstädter das fünfte Wohnhaus am Abtshof, bis 2017 soll das ehrgeizige Bauprojekt abgeschlossen sein, wie er im Volksstimme-Gespräch betont.

„Der Abtshof ist ein toller Wohnstandort. Zentral gelegen und dennoch ruhig“, sagt Frank Behrens. Mit dem Plan für die Wiederbebauung beschäftigt er sich schon lange. Ein erster Anlauf, das Areal in einem Zug zu bebauen, scheitert jedoch. Entmutigen lässt sich der Halberstädter davon nicht. Ab 2013 kann er seinen Traum vom Bauprojekt Abtshof Schritt für Schritt verwirklichen. Behrens setzt allerdings nicht auf die Wiedergeburt der dort einst reichen Fachwerkarchitektur. Mit dem Abriss ist das für ihn Geschichte. Moderne, dem historischen Umfeld angemessene Wohnhäuser entstehen. Der Unternehmer ist damit erfolgreich – trifft den Nerv des heiß umkämpften Wohnungsmarktes in Halberstadt. Die Wohnungen und Häuser sind meist schon lange vor der Fertigstellung vermietet beziehungsweise verkauft.

Mit dem mehrgeschossigen Gebäude Nr. 27, das vier Wohnungen bietet, beginnt Frank Behrens im östlichen Bereich eine Abrisslücke zu schließen. Schritt für Schritt folgen in direkter Nachbarschaft die mit jeweils 140 Quadratmetern Wohnfläche und integrierter Garage großzügig bemessenen Stadthäuser Nr. 25 und 26 (Einfamilienhäuser), die den Straßenraum schließen. Mitte 2015 ist das Haus Nr. 33 mit sechs Wohnungen bezugsfertig.

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Richtfest am Freitag

Umgehend folgt der nächste Schritt: Am Abtshof 31 bis 32 entsteht das mit insgesamt 21 Wohnungen bislang größte Gebäude, für das am Freitag dieser Woche Richtfest gefeiert wird. „Das voll unterkellerte Haus bekommt einen Aufzug, die Wohnungen sind barrierefrei“, informiert Frank Behrens. Im Spätsommer sollen die Mieter einziehen. „Die Mischung stimmt, junge Familien mit kleinen Kindern und Senioren“, sagt der Unternehmer. Gestrichen ist ein weiteres Gebäude. Stattdessen entsteht zwischen dem Haus 31 bis 32 und einem alten Industriegebäude ein Park mit Bäumen, Grünflächen und einem kleinen Spielplatz. „Damit wird die Wohnqualität erhöht“, so der Bauherr.

Abrunden soll das Projekt Abtshof ein kleines, zweigeschossiges Parkhaus, das außerdem Platz für zwei Wohnungen und eine luxuriöse Penthouse-Wohnung bietet, informiert Frank Behrens. Dafür nutzt er einen alten Industriebau, der an das AOK-Gebäude angrenzt. In dem Haus Bakenstraße 37, das verwaist ist, befand sich einst eine Brauerei, später, bis 1942, eine Färberei, berichtet Ortschronist Werner Hartmann auf Volksstimme-Nachfrage. Für 2017 ist die Fertigstellung geplant.

Unklar ist die Zukunft des nördlichen Abtshofes, der als unbefestigter Parkplatz genutzt wird. Frank Behrens und die Stadtverwaltung sprechen derzeit über Lösungsmöglichkeiten.