Kathendorf l „Unsere Kampfpanzer“ nennen die tollkühnen Männer ihre DDR-Roller KR 51 – besser bekannt als Simson Schwalbe. Wer eine Schwalbe besitzt, legt bei Reparaturen meistens selber Hand an. „Die Idee zu einer gemeinsamen Ausfahrt entstand auf dem Weihnachtsmarkt. Wir - die älteren Kathendorfer – schlugen damals vor, mal mit unseren Schwalben eine gemeinsame Tour zu machen. Um ein Haar wäre die Idee verpufft, aber dann kam der junge Michael Sprenger, der selbst einige Schwalben in seinem Stall hat, dazu“, erinnert sich Hermann Böttcher. Er gehört mit Lothar Sprenger, Henning Wentland und Michael Sprenger als „Zwei-Takt-Crew“ zu den Initiatoren des Höhenfluges. Zur Crew zählt auch Sebastian Erdmann (Erpel). Der Kathendorfer hatte in vielen Stunden den Wanderpokal, den Fritz Lindecke zuvor aus besonderen Fahrzeugteilen entworfen hatte, gebaut.

Während im vergangenen Jahr 17 Piloten ihre nostalgischen Gefährte bei der ersten Tour gesattelt hatten, sind es nun über 80 Männer – 72 Biker und acht Autofahrer, die ihre Liebhaberstücke bei der Ausfahrt präsentieren.

Vorweg fährt der himmelblaue Trabant der Familie Sprenger. Neben den vielen Schwalben, die auch Nonnenhocker oder Pferd in Ritterrüstung genannt werden, sind auch einige andere Motorräder und Armeefahrzeuge aus der DDR-Zeit dabei. Überall auf der 58 Kilometer langen Tour, die von Kathendorf über Oebisfelde, Bahrdorf, Gehrendorf, Lockstedt, Everingen, Eickendorf, Flechtingen, Böddensell und Etingen führte, stehen Passanten und winken der alten Garde zu. Auf dem Sportplatz präsentieren die „Schrauber“ ihre Schmuckstücke. Werner Hoffmann ist der erfahrenste Motorradfreak in der Runde. Der Etinger hat einen ganzen Stall voller alter Fahrzeuge, die nun zu bewundern sind. Auf den ersten Platz in der Kür der schönsten Gefährte fährt Gordon Arndt mit seiner elfenbeinfarbigen Schwalbe. „Die Schwalbe habe ich im November von einem Arbeitskollegen gekauft. Es hat einige Zeit gedauert, um aus der Rostlaube wieder eine Schwalbe im Originalzustand zu zaubern“, gesteht er und zeigt auf den Gepäckträger mit Sani-Kasten, in dem noch echtes DDR-Pflaster gebunkert ist. Michael Sprenger aus Kathendorf, Markus Klinnert und Hannes Heicke aus Rätzlingen sowie Karsten Schüssling aus Etingen kurven mit ihren glänzenden Lieblingen auf die Tribüne. Auf den dritten Platz kommt Benjamin Jürges aus Gehrendorf mit seiner „fliegenden“ Kiste. Beifall bekommen die Ordner, die alles unter Kontrolle hatten. „Es war ein voller Erfolg“, ist sich die „Zwei-Takt-Crew“ einig.

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