Weferlingen l Die Schule ist zu Ende, doch auf dem Hof des Freiherr-vom-Stein-Gymna- siums ist noch viel los. In einer Ecke des Schulhofs sind Mädchen und Jungen eifrig dabei, Büchsentürme umzuwerfen, an einer anderen fliegen Seifenblasen in die Luft. An einem Tisch können sich die Kinder bunt bemalen lassen, an einem anderen gibt es vieles für kleine und große Hungrige.

Die Gymnasiasten haben Flüchtlingsfamilien zu sich eingeladen. Noch im alten Schuljahr hatten die Schüler einen Spendenlauf organisiert und mit viel Mühe Sponsoren gesucht, die bereit waren, die sportlichen Leistungen mit kleinen oder größeren Beträgen zu würdigen. Der Aufwand hatte sich gelohnt, rund 1700 Euro sind zusammen gekommen. Im neuen Schuljahr sollte das Geld nun einem guten Zweck zugeführt werden, es sollte Flüchtlingen zugute kommen. Die Gymnasiasten fragten in der Gemeinschaftsunterkunft für Asylbewerber in Weferlingen nach, was dort für die Kinder und Jugendlichen gebraucht wird. Dann wurden zwei komplette Sätze Bälle für verschiedene Ballspiele gekauft. Richtig gute, so betonen die Schüler. Auch die Erwachsenen nutzen die Sportanlagen am Heim.

„Aber eine stille Übergabe ist ja langweilig“, sagt Julien Esch. Der 16-jährige Ribbensdorfer ist der neue Schülersprecher. Er hat das Amt von Yanik Alex übernommen, der sich jetzt auf das Abitur vorbereitet. „Es war uns wichtig, was mit den Flüchtlingen zusammen zu machen“, ergänzt Lotta Nicolas. So wurde ein Organisationsteam gebildet, das ein Fest vorbereitet hat. „Wir haben uns verschiedene Stationen überlegt“, erzählt Maxi Möbbeck. „Wir freuen uns mit, wenn die Kinder sich freuen, wenn sie hier umherspringen“, meint Imke Kruse. Imke, Maxi, Lotta und Julien aus der 11. Klasse haben gemeinsam mit Yanik und Jan-Henrik Wolter aus der 12. Klasse das Fest vorbereitet und dabei Hilfe in verschiedenen Klassen bekommen. Schließlich trägt das Gymnasium den Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“. Es sei ein hartes Stück Arbeit gewesen, den Spendenlauf zu organisieren, hatte Yanik festgestellt, als er die Gäste zum Fest begrüßte, aber es sei sehr gut angenommen worden. Gleichzeitig dankte er allen Sponsoren. Der Schulchor stimmte zum Fest international an - „The lion sleeps tonight“. Neben Flüchtlingsfamilien begrüßten die Gymnasiasten auch Ute Herre von der Leitung der Gemeinschaftsunterkunft sowie Sandra Simon und Sebastian Schmidt vom Fachdienst Soziales aus der Kreisverwaltung.

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Während die Volleybälle aus den Ballsammlungen gleich mit gemischten Mannschaften auf der Kleinsportanlage ausprobiert werden, nutzen die Familien mit kleineren Kindern die Spielangebote auf dem Schulhof. Malchisch Alimursajewa hatte ihre Töchter Hava und Lemda für das Fest extra hübsch angezogen. Die achtjährige Hava besucht die 3. Klasse in der Weferlinger Grundschule und kommt mit der deutschen Sprache schon besser zurecht als ihre Mutter. Malchisch Alimursajewa hofft, dass sie für die fünfjährige Lemda bald einen Platz in der Kindertagesstätte erhält, damit sie mit deutschen Kindern spielen und lernen kann. Die kleine Familie ist vor einem Jahr aus Dagestan nach Deutschland gekommen. Die Mädchen versuchen beim Fest eifrig, Seifenblasen zu machen.

Shahab zielt unterdessen konzentriert auf den Büchsenturm. Der Achtjährige geht auch in die 3. Klasse. Mit seinen Eltern Wasya und Ahmad zia Feizi und den Zwillingsschwestern Zeinab und Zanra lebt er seit neun Monaten in Deutschland. Die Familie ist aus Afghanistan geflohen.

Über den noch offenen Teil ihres „Verdienstes“ vom Spendenlauf wollen die Gymnasiasten noch beraten. An der Schule wird diese Aktion jetzt erstmal ausgewertet. Dann wird auch beraten, was die Schüler noch angreifen wollen.

Der Titel „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“ verpflichtet. Einige Achtklässler waren gerade in der vergangenen Woche zu einem großen Treffen von Schülern aus Schulen Sachsen-Anhalts, die sich zu diesem Engagement bekennen, in Magdeburg. Die Achtklässler des Stein-Gymnasiums werden extra dazu eine Aktion planen.