Haldensleben l Es klingt nach einem Schildbürgerstreich und scheint sich doch eher zu einem Härtefall zu entwickeln. Axel Bollfraß hat an der Masche ein Haus neben dem Gelände der Schützengilde von 1485. Die hatte das Areal von der Stadt Haldensleben gepachtet, doch mittlerweile ist es ihr zu groß geworden. Sie hat einen Teil davon – den Teil zu Axel Bollfraß hin – an die Stadt zurückgegeben.

Und nach dem Bebauungsplan der Stadt, der im Jahr 2002 für diesen Bereich aufgestellt wurde, soll dort nun eine Wohnbebauung erfolgen. Um allerdings das Baufeld zu erschließen, muss eine Straße gebaut werden. Doch mit der bekommt Axel Bollfraß nun plötzlich ein Eckgrundstück, was bedeutet: Er muss sich laut Satzung an den Kosten für den Straßenbau beteiligen.

Stichstraße für Bauland geplant

Ende Juni hatte er per Zufall davon erfahren. „Als Anrainer habe ich mich für die Rückgabe des Teilgrundstücks der Schützengilde an die Stadt interessiert und fragte daher im Bauamt nach, auch wegen des Bebauungsplans. Da bin ich wohl gleich mit der Tür ins Haus gefallen“, erinnert sich der Haldensleber. Denn ihm wurde eröffnet, dass er sich an dem laut Bebauungsplan vorgesehen Straßenneubau „mit nicht unerheblichen Kosten“ beteiligen müsse. „Da war von mindestens 18.500 Euro die Rede“, meint Bollfraß.

Eine neue Wohnbebauung in diesem Bereich an der Masche findet er grundsätzlich nicht schlecht, aber „nicht auf meine Kosten. Das ist mir einfach zu viel Geld, das ich für eine Straße zahlen soll“, meint er. Zumal er von dieser Straße gar keinen Nutzen habe, weil sie einfach nur an seinem 55 Meter langen Grundstück vorbeiführen wird. „Um davon etwas zu haben, müsste ich mein Grundstück komplett neu gestalten“, verweist er auf Garten, Terrasse, Garage und Gartenhäuschen.

Kein Einwand gegen Bebauung

Ein daraufhin anberaumtes Gespräch mit Bauamtsleiter Holger Waldmann sei geplatzt, erzählt Axel Bollfraß weiter. Allerdings habe die stellvertretende Bürgermeisterin Sabine Wendler mit ihm gesprochen. Der Tenor: „Die Stadt will sich bemühen, dass ich keine Kosten tragen muss“, sieht Bollfraß zwar einen Hoffnungsschimmer, zeigt sich aber auch realistisch: „Die Gesetzeslage sieht jedoch eine Kostenbeteiligung vor.“

Das bestätigt Stadtpressesprecher Lutz Zimmermann. Im Jahr 2002 sei der Bebauungsplan Masche aufgestellt worden, um das Quartier aus Häusern und Gärten zu verdichten, blickt er zurück. Aber jahrelang liegt der Plan auf Eis – bis er mit der Rückgabe des Teilgeländes am Schützenhaus wieder aktuell wird. „Auch die Stichstraße ist von Anfang an im Plan drin gewesen“, versichert Zimmermann.

Stadt möchte an Bauträger verkaufen

90 Prozent der Baukosten der Straße können laut Straßenausbaubeitragssatzung auf die Eigentümer der anliegenden Grundstücke umgelegt werden, da es sich um eine reine Anliegerstraße handeln würde. Im Fall Bollfraß bezeichnet der Pressesprecher die Situation jedoch als unbefriedigend – auch deshalb, weil Axel Bollfraß gar keinen direkten wirtschaftlichen Vorteil von der Straße habe.

Die Stadt bemüht sich allerdings, die Lage zu entschärfen. „Wir standen mit einem Investor in Verhandlung, der sich für das gesamte Areal interessierte. Doch leider hat er die Frist ohne Rückmeldung verstreichen lassen“, bedauert Zimmermann.

Deshalb wird das knapp 5000 Quadratmeter große Grundstück im nächsten Stadtanzeiger erneut zum Verkauf ausgeschrieben, um so doch noch einen Investor zu finden. Der könnte dann das gesamte Gelände, das Platz für vier bis fünf Einfamilienhäuser bietet, erschließen und vermarkten – und somit auch die Straße bauen.

Suche nach Investor

„Die Kosten dafür kann der Bauträger wieder auf die einzelnen Grundstücke umlegen, und Herr Bollfraß wäre aus der ganzen Sache raus“, macht Zimmermann deutlich, dass dies auch die von der Stadtverwaltung bevorzugte Lösung wäre.

Findet sich jedoch kein Investor, will die Stadt das Gelände selbst erschließen und die Baugrundstücke auch selbst vermarkten. In diesem Fall müsse Axel Bollfraß sich finanziell am Bau der Straße beteiligen – „eine harte Situation“, urteilt Zimmermann.