Beendorf l Da, wo Deutschland bis zum 23. Dezember 1989, 10 Uhr, geteilt war, herrschte 30 Jahre später noch einmal die Erinnerung an die Ereignisse dieses bewegten Tages vor Heiligabend 1989. Zwischen Beendorf und Bad Helmstedt fiel dank des Bemühens des damaligen Beendorfer Bürgermeisters Karl-Heinz Friedrichs am 23. Dezember die Grenzbarriere, die zwei eng beieinanderliegende Orte im Brunnental 40 Jahre zu einer Sackgasse gemacht hatte.

Beendorfs Bürgermeister Hagen Friedrichs und Helmstedts Bürgermeister Wittich Schobert durchtrennten noch einmal symbolisch ein Absperrband. „Es waren bewegende Momente in einer bewegten Zeit“, sagte das Helmstedter Stadtoberhaupt, als die Grenze fiel gerade mal 19 Jahre alt.

An diese Zeit hat er seine ganz eigenen Erinnerungen, blickte Wittich Schobert zurück. Als Engagierter beim Deutschen Roten Kreuz erlebte er die Zeit mit der Schöpfkelle mit heißem Tee in der Hand und hatte dabei in den ersten Wochen nach der Grenzöffnung viele Begegnungen mit Menschen, die gen Westen pilgerten, um voller Freude und Neugier ihre neuen Nachbarn kennenzulernen.

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„Das ist ein riesengroßes Geschenk das uns gemacht worden ist“, sagte Wittich Schobert im Rahmen einer Festveranstaltung in der Begegnungsstätte Allertal in Beendorf vor vielen Gästen, die sich ebenfalls noch einmal erinnern wollten. Es gebe viele Berührungspunkte, für die man dankbar sein könne, würdigte er das Zusammenwachsen zwischen beiden Gemeinden.

Intensive Zeit

„1989 war eine kurzlebige, aber sehr intensive Zeit“, konnte Hagen Friedrichs nur bestätigen. Er hatte Pfarrer Andreas Göppel zu einer Andacht eingeladen, der von 1981 bis 2007 als Pfarrer in Beendorf seinen Dienst tat und heute in Tanna in Thüringen zu Hause ist. „Kerzen und Gebete, nicht Gewehre und Gewalt haben die Grenze überwunden“, blickte Andreas Göppel auf die damalige Zeit. Es gebe viel Grund zu danken, dass „ Gott uns dieses Geschenk gemacht hat“.

Er erinnerte an die Grenzwanderer, die zwischen dem 3. Oktober und dem 9. November dieses Jahres entlang der einstigen Grenze betend aus dem Norden und Süden unterwegs waren, um sich schließlich auf dem Brocken zu treffen: „Sie haben für unser immer noch zerrissenes Land gebetet, für zerrissene Herzen und neu aufgebaute Mauern.“

Dabei gebe es angesichts der aktuellen Lage, von Krieg und Angst in der Welt Grund, für 70 Jahre Frieden zu danken. Jeder einzelne sei gefragt, etwas dafür zu tun, dass der gesellschaftliche Riss geschlossen wird. Jeder könne seinen Beitrag leisten und jenen Schutz und Zuflucht bieten, die es brauchen, statt zu klagen und zu schimpfen.

„Angst war schon immer ein schlechter Berater, lasst uns vielmehr zuversichtlich nach vorn schauen“, so Andreas Göppel, der trotz des weiten Weges und seiner Verpflichtungen am Heiligen Abend gern den weiten Weg von Thüringen nach Beendorf gekommen war. Hagen Friedrichs erneuerte seine Einladung an den Pfarrer schon einmal für das kommende Jahr anlässlich von Einheitsfeierlichkeiten.

Im Anschluss an den Gottesdienst erlebten Beendorfer, Helmstedter und Gäste ein unterhaltsames Konzert mit dem Dannefelder Duo Hoahnenfoot alias Kerstin und Andreas Finger, die ihre ganz eigenen Erinnerungen an die Zeit der Grenzöffnung mitgebracht hatten und diese in Erzählungen, Liedern und Gedichten darboten.