Haldensleben l Vor über fünf Wochen, am 12. März, begann der Shutdown für die Kulturfabrik. Zuerst wurden Veranstaltungen bis Anfang April abgesagt, dann musste die städtische Einrichtung ganz die Türen für Besucher schließen. Nun ist es still in dem kulturellen Haus. Trotzdem arbeitet das fünfköpfige Team weiter und tüftelt an Ideen für die Zukunft.

„Für mich herrscht ein Loch von Mai bis August“, sagt Janina Otto, Leiterin der Kulturfabrik. Inzwischen sind auch alle Veranstaltungen im Mai abgesagt worden. Der Juni war ohnehin recht leer – das Sommerloch ist aber saisonbedingt. „Das Buchen hat sich nun auch für den Juni erledigt. Welcher Künstler unterschreibt jetzt schon Verträge?“, fragt sie. Normalerweise hat die Kulturfabrik von September bis März Hochzeit. Dafür seien auch schon viele Veranstaltungen gut gebucht.

Arbeit hinter den Kulissen

Doch nachdem die Türen geschlossen wurden, wurde hinter den Kulissen trotzdem weiter gearbeitet. „Einige von uns sind ins Homeoffice gegangen. Wir haben in dem Haus aber auch den Vorteil, dass wir uns aufgrund seiner Größe gar nicht begegnen müssen“, berichtet Janina Otto. Dabei werden bürokratische Angelegenheiten abgearbeitet, die auch im normalen Tagesgeschäft anfallen, aber auch Liegengebliebenes.

In regelmäßigem Turnus muss beispielsweise eine Grundreinigung in dem Haus vorgenommen werden. „Das konnten wir immer nur sukzessive machen. Dieses Jahr wird das Haus quasi rundum erneuert“, sagt Janina Otto. So steht die Instandhaltung der Kulturfabrik an, aber auch Malerarbeiten und Rabattenpflege konnten abgearbeitet werden.

Doch die eigentliche Aufgabe, Veranstaltungen zu suchen, buchen und vorzubereiten, das ist gerade in der Schwebe. „Wir können nur schwer nach vorn schauen, weil wir nicht wissen, wann wir wieder öffnen können“, so die Einrichtungsleiterin. Und selbst wenn die Kulturfabrik plötzlich öffnen kann – die Künstler kommen auch nicht von einem auf den anderen Tag zurück.

Virtuelle Werkstatt

Deshalb werden die Mitarbeiter nun selbst aktiv und überlegen sich kreative Lösungen. So könne die Philosophiewerkstatt, den Janina Otto selbst leitet, bei einer Öffnung beispielsweise zügig mit kleinen Gruppen wieder stattfinden. Oder kleine Gruppierungen und Vereine könnten Vorträge präsentieren. „Hier haben wir als kleines Haus tatsächlich einen Vorteil“, so Otto. Wenn die Bibliothek wieder öffnen könne, sei immerhin der Publikumsverkehr in den Räumlichkeiten wieder gewährleistet – denn eine neue Ausstellung wartet derzeit auf neugierige Blicke.

„Das frühere Streben nach riesigen Veranstaltungen brauchen wir jetzt nicht“, sagt Janina Otto. Es helfe schon, die Tür für zehn Personen zu öffnen. Sie ist sich sicher, dass die Kultur nicht stirbt – derzeit holen sich Interessierte die Kultur eher ins Wohnzimmer. Und auf diesen Zug möchte die Kulturfabrik gern mit aufspringen.

Vortrag im Internet

Deswegen hat Janina Otto einen Vortrag im Rahmen der Philosophiewerkstatt vorbereitet, der im Internet zu sehen sein soll und dem Interessierte virtuell lauschen können. Dabei soll es passend zur derzeitigen Lage um die Frage gehen, warum Kultur überhaupt wichtig ist und inwiefern sie auch zur Freizeit und Gesundheit der Menschen beiträgt. „Es mussten im Zuge der Corona-Pandemie zuerst Bereiche geschlossen werden, die ‚überflüssig‘ waren. Es hat uns schon nachdenklich gemacht, dass wir dazu gehören“, so Janina Otto. Deshalb wollen die Mitarbeiter dafür sorgen, dass sie in diesen Zeiten nicht entbehrlich werden.

Man könne sich an alles gewöhnen, sagen die Experten immer wieder – aber: „Ich möchte mich nicht daran gewöhnen, weil wir sonst schließen können. Diese Krise ist ein Rückschlag oder eine Chance – wir müssen nur sehen, was wir daraus machen.“ Seite 16