Haldensleben l Die wichtigste Einzelinvestition 2015 war die neue Photovoltaik-Anlage auf der Kläranlage Hillersleben. Sie soll dieser Tage in Betrieb gehen und hat etwa 350 000 Euro gekostet. Die genaue Summe steht noch nicht fest, denn laut Verbandsgeschäftsführer Achim Grossmann liegt die Schlussrechnung noch nicht vor.

Ziel der Solarmodule ist es, den Betrieb der Kläranlage ein Stück weit autark zu machen – und so auf lange Sicht die Gebühren zu stabilisieren. In Hillersleben sind bereits ein Wasserrad und ein Blockheizkraftwerk vorhanden. Letzteres wird aus Gas gespeist, das direkt vor Ort entsteht. Sobald die Photovoltaik-Anlage läuft, soll die Hillersleber Einrichtung des AVH etwa die Hälfte ihrer benötigten Energie selbst erzeugen. Dadurch werde der Verband unabhängiger vom schwankenden und steigenden Strompreis. „Kläranlagen sind große Energiefresser“, erklärt Achim Grossmann. So liege der Verbrauch in Hillersleben bei etwa 60 000 Kilowattstunden im Monat. Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher Zwei-Personen-Haushalt benötigt rund 3200 Kilowattstunden im Jahr.

In Rätzlingen hat der AVH ebenfalls investiert. „Wir arbeiten kontinuierlich an der Teilerneuerung der Kläranlage“, verrät Achim Grossmann. 2010 hat der AVH die Einrichtung vom ehemaligen Abwasserverband Spetze übernommen, der sich damals dem Abwasserverband „Untere Ohre“ anschloss. Allerdings war die Kläranlage ursprünglich nur für den temporären Betrieb gedacht. Das hat sich geändert, und daher muss umgerüstet werden.

„Die Rechenanlage ist im Winter regelmäßig eingefroren und es gab kein richtiges Sozialgebäude“, beschreibt Achim Grossmann. Diese Probleme hat der AVH 2015 behoben. Unter anderem ist ein neues Rechengebäude entstanden. Zusätzlich kam ein Gebäude mit Sozialbereich und Lagermöglichkeiten hinzu. Auf diese Weise sollten auch die Arbeitsbedingungen der Angestellten verbessert werden. Insgesamt fielen dafür 180 000 Euro an.

Im Zuge der Bauarbeiten an der Haldensleber Bahnhofstraße hat der Abwasserverband den Mischwasserkanal für 130 000 Euro ausgetauscht. Andere Maßnahmen musste der AVH verschieben.

Anlage Flechtingen wird erweitert

So hatte Achim Grossmann im Gespräch mit der Volksstimme bereits Anfang 2015 angekündigt, dass die Kläranlage Flechtingen um eine Klärschlammvererdungsanlage erweitert werden solle. Der Vorteil: Derzeit wird der Schlamm von Flechtingen nach Hillersleben gebracht. Das verursacht zum einen Kosten. Zum anderen bindet es Personal und Fahrzeuge. „Der Vorteil einer Vererdungsanlage ist, dass sie zwar viel Fläche benötigt, aber über sieben oder acht Jahre ohne viel Aufwand beschickt werden kann“, so Achim Grossmann. „Hinterher bekommt man Humus, der an Landwirte verkauft werden kann.“ Eigentlich hätte die Anlage bereits 2014 entstehen sollen. Doch zuerst mussten einige Schwierigkeiten ausgeräumt werden. Über die ursprünglich geplante Baufläche verläuft eine Hochspannungsleitung. „Ihre Umverlegung wäre teurer gewesen als der Kauf eines neuen Grundstücks“, führt der Verbandsgeschäftsführer aus. Aber auch bei der zweiten Fläche ergaben sich Komplikationen: Sie befand sich im Besitz einer Erbengemeinschaft. Die Verhandlungen beanspruchten viel Zeit. „Jetzt sind wir im Besitz des Grundstücks, die Planungen für die Klärschlammvererdungsanlage laufen, 2016 soll der Bau beginnen“, sagt Achim Grossmann.

Ersatzlos gestrichen wurde der Bau einer Abwasserdruckleitung von Groß Santersleben nach Vahldorf. Von dort sollte das Abwasser über bestehende Leitung nach Hillersleben gelangen. 700 000 Euro waren für dieses Unterfangen veranschlagt. Den Hintergrund bildeten Verhandlungen mit dem benachbarten Abwasserzweckverband Aller-Ohre. „Wir wollten das Abwasser gerne haben. Aber stattdessen hat sich der Verband Aller-Ohre für eine weitere Zusammenarbeit mit dem Wolmirstedter Wasser- und Abwasserzweckverband entschieden“, so Grossmann.

Schulden sollen um eine Million Euro sinken

Davon unabhängig sollen 2016 in der Straße Am Kamp in Haldensleben die Leitungen für Schmutz- und Niederschlagswasser erneuert werden. Die Erweiterung des Wohngebietes Werderstraße soll für 380 000 Euro ebenfalls Kanäle für Schmutz- und Niederschlagswasser erhalten. Darüber hinaus plant der AVH, in der Damaschkestraße und im Ostergraben die Leitungen für Schmutzwasser zu erneuern. Um Kosten zu sparen, sollen diese Vorhaben mit Straßenbauarbeiten der Stadt sowie mit Plänen der Stadtwerke gekoppelt werden. Auf diese Weise muss dieselbe Straße nicht mehrfach in Angriff genommen werden. „Das hat in den letzten Jahres sehr gut geklappt“, fasst Achim Grossmann zusammen.

Insgesamt rechnet der AVH für 2016 mit Einnahmen von 7,4 Millionen Euro. Dem stehen Ausgaben von 7,1 Millionen Euro gegenüber. Es wird also ein Gewinn erwartet. Wenn das tatsächlich eintrete, werde das Geld in der nächsten Kalkulationsperiode den Gebührenzahlern gutgeschrieben, so Grossmann. Denn im Unterschied zu privaten Unternehmen darf der AVH keinen Gewinn machen. Sein Ziel ist stets die schwarze Null. Allerdings umfasst jede Kalkulationsperiode drei Jahre. Die aktuelle hat am 1. Januar 2015 begonnen. Nicht zuletzt plant der AVH, seine Schulden weiter abzubauen. Derzeit liegen die Verbindlichkeiten bei rund 12 Millionen Euro. Ende 2016 sollen es eine Million weniger sein. „Im Schnitt tilgen wir immer etwa eine Million Euro im Jahr. Manchmal gibt es zusätzlich Sondertilgungen, um so schnell wie möglich von unseren Schulden herunter zu kommen“, schließt Achim Grossmann.