Ostingersleben l Was haben Sissi, die Kaiserin von Österreich, ihr Mann Franz, Angela Merkel und Mesut Özil, Pofalla, Claudia Roth, Professor Brinkmann, Verona Pooth, Heiko und Guido sowie Boris Becker gemeinsam? Richtig, sie alle sind auf der Suche - nach Irgendetwas. Die eine sucht Ruhe und Erholung, die andere Ruhm und Anerkennung, der eine sucht Rettung für die Schwarzwaldklinik, andere die Frau fürs Leben oder einfach nur eine Geisel, um das Löse oder Kopfgeld zu kassieren.

Dieses scheinbare Durcheinander bekannte und weniger bekannter Persönlichkeiten der Gegenwart hat Regisseurin Katrin Kaiser, Chefin der Theatergruppe Aller-Laien, in einen riesigen Topf geworfen und daraus jede Menge Steilvorlagen für das neue Stück „Sissi - Wechseljahre einer Kaiserin oder Skandale in der Schwarzwaldklinik“ entworfen.

Unterhaltsam, witzig, charmant, mitunter mit deftigen Ecken und Kanten - so wie das Leben es schreibt - kommen die Hobbyschauspieler mit Herz und Schnauze auf der Bühne in Willis Saal, Domizil des Westernclubs Ostingersleben, daher. „In diesem Jahr gibt es kein echtes Märchen, aber die Politik liefert derzeit nur Steilvorlagen. Da muss man quasi zuschlagen“, erzählt Katrin Kaiser, die erst im Mai das Drehbuch in Angriff nahm und dabei ganz viele Anregungen aus der Gegenwart geliefert bekam.

Bilder

Der ersten Premiere am vergangenen Sonntagnachmittg folgte am Sonnabend die zweite Vorstellung am Abend.

Mit einfachen Mitteln und Equipment zaubern Doreen Träger (Maske, Kostüme, Bühnenbild) und Marcus Basilius (Technik, Musik) maximale Effekte auf die Bühne, um die Szenenwechsel zu signalisieren.

Schloss

Zuerst geht es in Schloss des österreichischen Kaisers. Sissi (Steffi Homann) kränkelt missgelaunt, ihr besorgter Mann, Kaiser Franz (Anne Müller) und Dr. Frank (Gerd Homann), der Arzt, dem die Frauen normalerweise vertrauen, suchen nach einer Möglichkeit, ihr zu helfen. Die Lösung: Sissi soll sich in der Schwarzwaldklinik von Prof. Brinkmann (Manfred Brandt) erholen.

Ihn und Oberschwester Hildegard (Dörthe Kraus) mit dem riesigen Erste-Hilfe-Koffer plagen aber ganz andere Sorgen finanzieller Art, die Klinik steht vor der Pleite. Da hilft auch kein hochrangiger Patient wie Verona Pooth (Stefanie Intrau) bei der Botox-Behandlung. Doch so eine Kaiserin, die könnte wieder einiges an Kohle ins Budget der Klinik spülen.

Doch Helene (Kerstin Otto), Sissis Schwester und Vertraute, schmiedet einen fiesen Plan, selbst an Geld zu kommen: Sie will Sissi entführen lassen. Kammerzofe Aishebrödel (Manuela Basilius) ahnt etwas, doch sie und Diener Leopold (Regina Krause) können die Entführung nicht verhindern.

Das gelingt zwar auch, aber dann geht doch alles schief. Die Lösegeldforderung kommt in falsche Hände, das Kopfgeldfieber bricht aus, auch bei Angela Merkel (Patrizia Frank) und Pofalla (Winfried Otto) sowie bei Boris Becker (Marcus Basilius), die sich angesichts eigener klammer Kassen über einen so unerwarteten Geldsegen freuen würden. Mesut Özil (Sabrina Masuhr)unterdessen ist in eigener sportlicher Mission unterwegs, ebenso wie Guido (Annette Kniep) und Heiko (Annika Paulin), die auf der Suche nach der einen großen Liebe sind. Fündig werden sie bei Claudia Roth (Maren Kruse), umtriebig und jederzeit gut gelaunt und engagiert.

Was schließlich auch noch JR Ewing (Winfried Otto) in den Schwarzwald treibt und wie auch er dort sein unverhofftes Glück findet, nun das hätte eigentlich jeder Theaterfreunde der Aller-Laien selbst herausfinden können.

Allerdings gibt es anzumerken, dass Willis Saal längst nicht mehr ausreicht, um allen interessierten Besuchern in nur zwei Vorstellungen einen Platz zu bieten.

Eines kann man feststellen: Die Rollen des Stückes wurden den Intensionen und Ambitionen der Hobbylaien wieder einmal geradezu auf den Leib geschneidert. Es gibt keine bessere Kaiserin als Steffi Homann oder keine bessere Helene als Kerstin Otto. Auch und gerade Ottmar Zittlau (Annika Kaiser) und Ricky vom Popsofa (Katrin Kaiser), die die Verbindungen zwischen den Szenen schaffen stecken geradezu in Paraderollen. Schauspielern ist nicht der Aller-Laien Hauptberuf, aber eine große Leidenschaft voller Herz und Engagement.