Haldensleben l Auf dem Ameos-Gelände ist ein Fahrstuhl kaputt. So etwas komme zwar vor, aber in dem speziellen Fall würden mehrere Faktoren zusammenfallen und eine negative Situation ergeben, erläutert eine Hinweisgeberin, die anonym bleiben möchte, der Volksstimme. Denn das Gebäude 111 auf dem Gelände des Klinikums gehört zur Ameos Pflege- und Eingliederungsgesellschaft – es ist ein Pflegehaus. Dort leben momentan 31 pflegebedürftige Bewohner, die zusätzlich psychische und geistige Behinderungen haben, wie die Heimleiterin Sara Seiffert auf Volksstimme-Anfrage erläutert.

Die Männer und Frauen sind auf drei Etagen untergebracht, sechs von ihnen sind in ihrer Bewegungsfähigkeit äußerst eingeschränkt und sitzen in speziellen Pflegerollstühlen. Und genau da beginnt das Problem mit dem defekten Fahrstuhl. „Er ist nun schon sechs Wochen kaputt“, sagt die Hinweisgeberin. Die eingeschränkten Patienten hätten das Haus seither nicht mehr verlassen können. „Und das bei den derzeitigen Temperaturen, das bricht einem doch das Herz“, sagt die Frau.

In der Tat, so bestätigt Sara Seiffert, sei der Fahrstuhl schon länger defekt. „Auch uns gefällt die Situation nicht“, sagt sie. Im Haus 111, das wie die übrigen Ameos-Gebäude an der Kiefholzstraße aus den späten 1920er Jahren stammt, ist ein Fahrstuhl aus den 1990er Jahren eingebaut.

„Er ist also schon sehr alt und leider nicht mehr so schnell zu reparieren“, erklärt Sara Seiffert. So habe die Heimleitung eine Fachfirma mit der Reparatur des Fahrstuhls beauftragt, kurz nachdem dieser kaputt gegangen war. „Da wurde festgestellt, dass ein ganz bestimmtes Teil benötigt wird“, sagt die Heimleiterin. Doch ein so alter Fahrstuhl sei wie ein altes Auto: Ersatzteile werden nicht mehr produziert und müssten erst einmal gefunden werden.

Ersatzteil bestellt

Das nötige Ersatzteil für den Fahrstuhl sei Sara Seiffert zufolge längst bestellt, aber es dauere, bis es ankommt. Ein Lieferdatum sei laut Fachfirma noch nicht abzusehen. Sara Seiffert habe bereits etliche Telefonate mit allen Beteiligten geführt. „Ich denke, die Dringlichkeit der Reparatur ist jetzt allen wichtigen Stellen bewusst“, sagt sie.

Wann der Fahrstuhl endlich repariert werde, sei unterdessen nicht abzusehen. Die Mitarbeiter des Pflegehauses könnten jetzt nur abwarten. Genau, wie die Bewohner. Für sie werde wegen der Hitze Ventilatoren aufgestellt, ihnen würden Abkühlungen verschafft werden, genau wie in anderen Pflegeheimen.

Die Frage, wie sehr die Bewohner, die das Haus schon mehrere Wochen nicht verlassen können, darunter leiden, beantwortet Sara Seiffert vorsichtig. „Die Bewohner sind so stark eingeschränkt, dass sie ohnehin nicht oft herauskommen. Es hört sich vielleicht makaber an, aber viele von ihnen kriegen das kaum bis überhaupt nicht mit“, erläutert sie.

An Tagen, an denen das Thermometer über 30 Grad Celsius klettere, würden die Mitarbeiter die Bewohner in den Pflegerollstühlen sowieso nicht herausschieben. Für diese sei das Wetter eine zu starke körperliche Belastung. Alle anderen Bewohner könnten sich ohnehin frei bewegen und die Treppen im Haus nutzen.

Sara Seiffert betont, dass die Pflege in ihrer Einrichtung nicht unter dem defekten Fahrstuhl leide. Der Wäschetransport, die Essensversorgung, die Lieferung von Medikamenten und mehr seien weiterhin normal gewährleistet. Falls es derzeit einen Notfall mit einem der bewegungseingeschränkten Bewohner geben sollte, würden die Mitarbeiter laut Sara Seiffert spezielle Krankentransporte mit entsprechender Technik zu Hilfe rufen.