Haldensleben l Seit Ausbruch der Pandemie im März 2020 sind die Krankenhäuser im permanenten Ausnahmezustand. Um die Behandlung von Covid-19-Infizierten vor Ort zu stemmen, wurden Operationen und Untersuchungen vorerst verschoben. Doch was ist derzeit im Klinikum Haldensleben noch möglich und was nicht?

Seit März werden lebensnotwendige Operationen vorgenommen, alle anderen verschoben. Lebensnotwendig ist beispielsweise das Entfernen von Tumoren oder das Legen von Sofortkathetern. „Die Frage, die wir uns stellen, ist: Verschlimmert eine fehlende Operation den Zustand des Patienten?“, erklärt Freddy Eppacher, Regionalgeschäftsführer von Ameos Ost. Jede Diagnose, die auf einen verschlechterten Zustand hinweist, werde durchgeführt. „Das wäre sonst unterlassene Hilfeleistung“, betont Eppacher.

Erstversorgung findet grundsätzlich statt

Klar ist dabei auch: Egal wie knapp die Kapazitäten vor Ort sein sollten, jeder Notfallpatient wird grundsätzlich erstversorgt. „Es wird nicht passieren, dass wir Notfallpatienten jemals wegschicken“, betont Eppacher.

Operationen sind nicht grundsätzlich gestrichen, sondern dies werde individuell entschieden. Täglich werde in der Planung besprochen, was möglich ist und was nicht. Nahezu ausgeschlossen sind jedoch Operationen, die eine intensivmedizinische Nachbetreuung benötigen. Hintergrund ist, dass die Intensivbetten für Covid-19-Patienten benötigt und vorgehalten werden. Doch auch spezielle Behandlungen, die nur im Krankenhaus möglich sind, werden in die tägliche Planung einbezogen.

Auch nicht lebensnotwendige Operationen könnten im Laufe der Zeit lebensnotwendig werden. Der Patienten-Stau, der sich ergibt, sei immens. „In ganz Deutschland ist unklar, wie dieser Rückstand an Operationen aufgeholt werden kann“, erklärt Freddy Eppacher. Flacht die Pandemie ab, müsse es eine schonende Rückkehr zum Operationsgeschehen geben, um nicht direkt wieder an die Limits zu gehen.

Befürchtet wird ebenfalls, dass viele Patienten nach der Zeit in einem schlechteren Zustand zurückkehren. So sei beispielsweise bei Leukämie-Patienten eine Verschlechterung über einen so langen Zeitraum denkbar. „Wir appellieren an die Patienten, ihre Termine bei Hausärzten und Kliniken weiterhin regelmäßig wahrzunehmen, um Schlimmeres abzuwenden“, so Eppacher.

Das Ameos Klinikum in Haldensleben hält eine Isolationsstation für Covid-19-Patienten bereit. Dort wird die Zahl der Betten täglich an den Bedarf angepasst. Am gestrigen Montag standen 21 Betten auf der Isolationsstation zur Verfügung, wie Yvonne Eichelmann, Pressesprecherin des Ameos-Klinikums Haldensleben, mitteilt.

Materiell sind die zehn Kliniken der Gruppe Ameos Ost laut Freddy Eppacher gut aufgestellt. „Wenn es an anderer Stelle im Klinikum mehr Kapazitäten braucht, können wir das steuern“, erklärt er. So kann medizinisches Personal beispielsweise von einem Bereich werden, um an anderer Stelle auszuhelfen.

Gleichzeitig bestätigt Eppacher, dass die finanziellen Rahmenbedingungen nicht ausreichen. „Es gibt verschiedene Maßnahmenpakete für Krankenhäuser, aber das reicht nicht aus, um weniger Patienten und gleichzeitig höhere Anforderungen zu kompensieren“, so Freddy Eppacher. Man hoffe hier auf die Politik, die die Bedingungen nachschärfen könne.