Haldensleben l Weiße Luftballons steigen vor dem Gelände der Ameos Fachklinik für Psychiatrie und Psychotherapie in die Luft. Auf ihnen stehen Botschaften geschrieben – zum Beispiel: „Für mehr Personal und höhere Löhne.“ Weiße Arztkittel hängen auf einer Wäscheleine an der Straße. Sie gehören ehemaligen Kollegen, die nicht mehr bei Ameos arbeiten – oder waren für Kollegen vorgesehen, die ihre Arbeit bei Ameos letztlich doch nicht angetreten haben. Auf den Kitteln sind die Gründe niedergeschrieben.

Beschäftigte der Ameos Fachklinik Haldensleben und Vertreter der Gewerkschaft Verdi haben gestern mit einer Aktion auf die Überlastung von Klinik-Personal hingewiesen. Sie fordern aus diesem Grund mehr Mitarbeiter und für diese höhere Löhne.

Der Kern dahinter: Laut Verdi besteht Grund zu der Sorge, dass der Gemeinsame Bundesausschuss unzureichende Personalstandards beschließen könnte. Dieser Ausschuss ist das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland.

Personalmangel und niedrige Löhne

Groß ist laut Verdi die Angst, dass die geltende Psychiatrie-Personalverordnung (Psych-PV) durch neue Personalmindeststandards ersetzt wird. Personalmangel und niedrige Löhne sind laut der Gewerkschaft Probleme bei der Ameos Fachklinik für Psychiatrie, aber auch bei anderen Kliniken. Eine Mitarbeiterin, die namentlich nicht genannt werden möchte, erinnert daran, dass wegen fehlender Mitarbeiter bereits die Kinderstation des Krankenhauses und der Kreißsaal geschlossen worden seien.

In der Psychiatrie könne Personalmangel laut Verdi besonders dramatische Folgen haben – sowohl für die Patienten als auch für die Beschäftigten. „Die in der Psychiatrie vor allem notwendige Beziehungsarbeit braucht genug Zeit. Nur dann können Patientinnen und Patienten optimal versorgt und behandelt werden“, erläuterte Gewerkschaftssekretärin Manuela Hase. Seien zu wenige Kollegen vor Ort, komme es auch häufiger zu Gewalt gegen Beschäftigte.

Verdi fordert, dass die Vorgaben für die Psychiatrien erfüllt werden: „Wir wollen genug Personal und auch eine gute Versorgung sowie bessere Arbeitsbedingungen“, betonte Manuela Hase.

Ameos: Anforderungen werden erfüllt

Mit Aktionen wie in Haldensleben will die Gewerkschaft nach eigener Darstellung den Druck auf Klinikbetreiber erhöhen, bessere Personalstandards festzulegen. Die bisherige Personalverordnung werde oft unterlaufen. Weiterhin kritisiert Verdi, dass die Verhandlungen um die neuen Personalstandards nicht öffentlich gemacht würden.

Die Überlastung von Mitarbeitern dürfe nicht weitergehen, erläutert Manuela Hase. Allerdings haben sich gestern nur wenige Mitarbeiter an der Aktion beteiligt. „Die Angst entlassen zu werden, ist sehr groß beim Personal. Außerdem fühlen sich die Mitarbeiter verantwortlich für die Patienten, wollen sie nicht im Stich lassen und protestieren deswegen nicht“, so Manuela Hase.

Die Vorwürfe der Gewerkschaft und einiger Mitarbeitern wies Krankenhausdirektor David Kayser auf Nachfrage ab: „Wir erfüllen nachweislich die Anforderungen der geltenden Psych-PV und somit die personellen Erfordernisse.“ Zur Bearbeitung der Psych-PV teilte er weiterhin mit: „Auf die Inhalte haben wir als Klinik keinen direkten Einfluss. Da sich die psychiatrische Versorgung weiterentwickelt hat, muss die Verordnung auch angepasst werden. Die richtlinienkonforme Umsetzung der geltenden Psych-PV ist für Kliniken verbindlich. Doch bisher wissen wir nicht, wie die neue Richtlinie für die Personalstandards aussehen werden könnte.“