Hundisburg l Fünf Rechtecke sind auf einem Feld nahe des Hohen Stiegs in Hundisburg ausgehoben. Darin sitzen acht Studenten der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel. Für den Laien ist nicht leicht zu erkennen, was genau die Studenten des Instituts für Ur- und Frühgeschichte in ihren Grabungsabschnitten finden. Nur schwer ist zu unterscheiden, ob es sich um normale Steine oder archäologisch relevante Keramikscherben handelt, ob die Erde in einem Bereich ruhig grob umgegraben werden darf, weil dort auf keinen Fall Funde zu erwarten sind oder ob behutsam mit Pinseln gearbeitet werden muss.

Auch für die Studenten ist es mitunter nicht einfach, solche Entscheidungen zu treffen. Denn einige von ihnen waren zuvor noch nie bei einer archäologischen Grabung dabei. Diese Lehrgrabung wird deshalb von der wissenschaftlichen Mitarbeiterin Maria Wunderlich angeleitet. Sie ist bei der Grabung die Fachfrau und kann auch Auskunft darüber geben, wie die Arbeiten überhaupt zustanden kamen.

Siedlung aus der Bronzezeit

Bereits im Jahr 2009 waren Angehörige der Kieler Uni am Hohen Stieg in Hundisburg zugange. Aufgrund eines Projektes suchten sie nach Siedlungsspuren aus ganz bestimmten Zeitaltern, die sie nicht fanden. Dafür aber Spuren aus der Bronzezeit, denen nun die Studierenden nachgehen.

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Nun bearbeiten sie erst einmal eine für archäologische Untersuchungen recht klein gehaltene Fläche. „Die Funde und Befunde, die wir dadurch erhalten, dienen erst einmal dazu, sich einen Überblick zu verschaffen“, erläutert Maria Wunderlich. Bisher, so sagt die Grabungsleiterin, passe alles ins Bild, das die früheren Funde sowie vorherige geomagnetische Untersuchungen des Areals ergeben hätten: auf dem Feld nahe Hundisburg haben vor rund 1500 Jahren Menschen gesiedelt, also auch geschlafen, gegessen und ihr Tagwerk verrichtet. Gruben, in denen sie beispielsweise Speisen lagerten oder herrichteten, belegen das genauso wie Funde von Knochen, Scherben, Getreideresten und sogar winzigen Bronzeteilchen.

Guter Börde-Boden

Die Studenten, die in der Herberge auf Schloss Hundisburg übernachten, beginnen morgens um 8 Uhr mit ihrer Arbeit und arbeiten täglich etwa bis 17 Uhr. Auch danach seien sie hochmotiviert und würden bei der Datenauslese helfen, lobt Maria Wunderlich.Die so gewonnenen Funde und Erkenntnisse werden später an der Universität in Kiel ausgewertet. Laut der Grabungsleiterin dauere das erfahrungsgemäß etwas. Danach werde entschieden, ob weitere Grabungen auf dem Feld sinnvoll wären.

Maria Wunderlich schätzt vorab ein, dass sich das schon lohnen könnte. Denn mit ihrem geschulten Auge hat sie bereits Zeitzeugnisse auch anderer Epochen entdeckt. „Der Boden hier war offensichtlich schon immer gut, deshalb wurde das Gebiet gern besiedelt“, sagt sie.