Gottesdienst

Arie zum 190. Geburtstag der Wieglitzer Kirche

Höhepunkt der Veranstaltungsreihe zum 190. Geburtstag der Wieglitzer Kirche ist der Gottesdienst mit dem Rossini-Quartett. Die Predigt zum Jubiläum hat Superintendent Uwe Jauch - trotz einiger akustischer Hürden - gehalten.

Von Anett Roisch
Ingo Fritz (Viola/Violine; vl.), Marco Reiß (Violine), Wolfram Wessel (Kontrabass) und Marcel Körner (Violoncello) begleiten Kammersängerin Undine Dreißig (Mezzosopran) beim Festgottesdienst zum 190. Kirchengeburtstag.
Ingo Fritz (Viola/Violine; vl.), Marco Reiß (Violine), Wolfram Wessel (Kontrabass) und Marcel Körner (Violoncello) begleiten Kammersängerin Undine Dreißig (Mezzosopran) beim Festgottesdienst zum 190. Kirchengeburtstag. Foto: Anett Roisch

Wieglitz - „Die Pandemie hat uns alle gefordert. Zurückhaltung, Angst und Einsamkeit haben uns traurig werden lassen“, schildert Astrid Leischwitz vom Gemeindekirchenrat. Es gab keine Live-Konzerte, sondern verhaltene Andachten in und vor unserer Kirche. Abstand, Desinfektion und Unterschriftenlisten waren allgegenwärtig. Auch nun bitten die Veranstalter darum, rücksichtsvoll zu sein und die Hygieneregeln einzuhalten. „Aber wir sind mutig, beginnen wieder nach Enthaltsamkeit, das Leben bunter werden zu lassen. Und wie kann das besser gelingen als Musik und mit Worten des Glaubens und der Zuversicht“, sagt Astrid Leischwitz bei der Begrüßung vor dem kleinen Gotteshaus.

Superintendent Uwe Jauch bedankt sich: „Ich freue mich, dass Sie an mich gedacht haben - nicht nur wenn es mal klemmt - zwischen Daumen und Zeigefinger - oder wenn Verwaltungsfragen zu lösen sind, sondern Sie haben mich zu diesem schönen Fest eingeladen.“ Der Superintendent fragt spitzbübisch, was 190 Jahre für ein Jubiläum sei und ob die Wieglitzer nicht noch zehn Jahre hätten warten können. „Ja, wer weiß, was bis dahin ist. Feste müssen gefeiert werden. Und wenn es der liebe Gott will, dann noch mal in zehn Jahren. Und zwischendurch noch mal zum 195.“, sagt Jauch mit einem Augenzwinkern. 190 oder auch 200 Jahre seien für eine Kirche in Sachsen-Anhalt nichts besonderes. Da hätten andere Gotteshäuser locker 800 Jahre oder mehr auf dem Buckel. Aber andererseits seien 190 Jahre auch nicht wenig. Es seien ungefähr sieben Generationen, die in der Kirche getauft und konfirmiert wurden, geheiratet und um ihre Verstorbenen getrauert haben.

Laster stört die Predigt

Mitten in der Predigt rangiert plötzlich ein Laster, der die Milch der Kühe abholt, hin und her, um in eine schmale Hofeinfahrt zu kommen. Motorengeräusche übertönen die Worte des Geistlichen. Er nimmt es locker und erinnert sich an die Zeiten, wo noch die Milchkannen vor den Türen standen. Die Kannen und auch viele andere Einrichtungen seien in den letzten Jahrzehnten aus den kleinen Orten verschwunden. „Kurioserweise viele, die mit dem Buchstaben K beginnen. Kein Kino mehr, keine Kita - oftmals auch keine Kneipe mehr – aber die alte Dorfkirche mit dem Turm zum Himmel ist geblieben. Das ist Heimat", beschreibt Jauch und dankt den Wieglitzern, dass sie ihre Kirche wie ein Schatzkästchen bewahren.  

„Langweilig wird es ja bei Ihnen nie“, sagt Undine Dreißig, Mezzosopranistin im Rossini-Quartett, während der Superintendent und Hans Heidenreich, Pfarrer im Ruhestand, mit den Umbauarbeiten für die freie Sicht auf die Musiker beschäftigt sind. Die Sängerin erinnert sich an vergangene Konzertauftritte in Wieglitz, wo sie schnell weiter mussten, aber ihr Schlüssel im verschlossenen Auto lag und der ADAC zur Hilfe gerufen werden musste. Ein anderes Mal hatten die Musiker aus Versehen die Schlüssel der Kirchentür in ihrem Geigenkoffer mitgenommen. „Heute haben wir gelernt, wie man ein riesengroßes Auto rückwärts einparkt“, schildert die Kammersängerin. Sie habe auch noch nie erlebt, dass für sie eine Kanzel und ein Altar weggeräumt werden.

Mit einem Stück von Georg Philipp Telemann eröffnen  Marco Reiß, Ingo Fritz, Wolfram Wessel und Marcel Körner vom Magdeburger Quartett den Musikgenuss. Undine Dreißig singt - passend zum Kirchengeburtstag - eine italienische Festarie. Die Schwalben zwitschern scheinbar mit der Mezzosopranistin um die Wette. Es folgen Stücke von Gioachino Antonio Rossini, dem italienischen Komponisten und Namensgeber des Quartetts. Auch mit Werken von Wolfgang Amadeus Mozart ziehen die Musiker ihr Publikum in ihren Bann. Ungeduldig und im Tempo immer schneller musizieren die vier Herren, als ihnen der Kaffeeduft in die Nasen steigt. Die Musiker gestehen, dass die Gier nach dem legendären selbst gebackenen Kuchen der Frauen des Dorfes groß ist. Nach dem Versprechen, dass es reichlich vom begehrten Naschwerk gibt, lassen sie sich zu einer Zugabe motivieren.