Haldensleben l Schon von weitem lassen sich die Umrisse von Erdhügeln ausmachen. Je näher es aus Neuenhofe in Richtung Haldensleben geht, desto deutlicher kommen sie zum Vorschein. Sie nehmen Form an und bilden drei lange Hügel aus Erde. Auf den ersten Blick sieht es nach einer ganz normalen Baustelle aus, doch auf dem Feld in der Gänsebreite handelt es sich um archäologische Ausgrabungen.

Irgendwann sollen auf dem 24.000 Quadratmeter großen Areal einmal Einfamilienhäuser stehen. Die Stadt erschließt hier ein neues Wohngebiet. Aber bevor dies geschehen kann, haben ersteinmal die Archäologen den Vortritt. Derzeit wühlt sich ein sechsköpfiges Team von Archäologen durch das Gebiet. Grabungsleiter Marcel Röder leitet dieses Projekt seit Anfang September.

Und die Archäologen haben bereits erstaunliches Zu Tage geführt. Rund 130 Funde konnten bisher ausfindig gemacht werden. Zwar wurden Marcel Röder und sein Team nicht in allen Erdgruben, die sie dafür ausgehoben haben, fündig, was aber ans Licht kam, lässt einen staunen.

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Bisher wurde unter anderem eine Tontasse gefunden. Marcel Röder versucht derzeit, sie wieder zusammenzusetzen. Die einzelnen verzierten Tonscherben, die ebenfalls gefunden worden sind, seien eher eine Seltenheit, so der Grabungsleiter. Oft würde nur unverzierte Keramik gefunden. Die Tasse lässt sich zur späten Bronzezeit, also circa 100 bis 800 vor Christus einordnen. Die Scherben hingegen schätzt Marcel Röder noch älter. Sie kommen wohl aus der sogenannte Schönfelder Kultur und werden auf die Zeit zwischen 2800 und 2200 vor Christus datiert.

Unscheinbare Steine sind alte Werkzeuge

Ein weiterer Fund, der jedoch noch freigelegt werden muss, ist ein rundes und großes Gefäß. Worum es sich dabei handelt und aus welcher Zeit es stammt, kann Marcel Röder zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch nicht bestimmen. Ebenfalls wurden auch Steine gefunden. Für das ungeübte Auge eher unscheinbar, doch bei näherer Betrachtung wird deutlich, dass die Kanten sehr scharf sind und dies „nur durch Menschenhand geschaffen werden konnte“, erklärt der Grabungsleiter. „Da es zu dieser Zeit noch kein Metall gab, dienten diese Steine wahrscheinlich als eine Art Klinge“ und waren daher womöglich alltägliche Gebrauchsgegenstände der damaligen Siedler.

Bevor es zu den besagten Entdeckungen kommen konnte, musste einiges an Vorarbeit geleistet werden. Zunächst hat ein Bagger die erste Erdschicht, den Humusboden, abgetragen, um dann an den sogenannten „B-Horizont“ heranzukommen. „Besonders dort lassen sich Artefakte früherer Zivilisationen finden“, weiß Marcel Röder. Die Gräben, welche ausgehoben werden sind 15 Meter breit und reichen etwa einen halben bis einen Meter ins Erdreich hinein. Auf dem abgetragenen Boden lassen sich vereinzelt verfärbte dunkle Stellen ausmachen. Dass deutet darauf hin, „dass man da etwas findet“, sagt Marcel Röder.

An einigen Stellen konnte festgestellt werden, dass dort wahrscheinlich einmal Pfosten standen, die eventuell zum Hüttenbau verwendet wurden. Je nach Verortung, kann anschließend sogar ein Grundriss anhand der Pfostenstellungen rekonstruiert werden. „Ich hoffe noch auf einen großen Fund. Vielleicht finden wir ja sogar noch einen alten Ofen“, sagt Marcel Röder.

Bis ungefähr Mitte Februar hat das Team noch Zeit, um weitere archäologische Artefakte ans Tageslicht zu bringen, denn dann endet das Projekt und die Fläche wird für die Eigenheime, die dort entstehen sollen, freigegeben.