Velsdorf/Calvörde l Von wegen Winterschlaf! „Bei uns gibt es immer etwas zu tun. Langeweile kennen wir nicht“, sagt Siegfried Dörheit, Vorarbeiter des Gemeindehofes der Kommune Calvörde. Er reicht mir den Schutzhelm samt Ohrenschützer und Visier. Dörheit und sein fünfköpfiges Team sorgen für ein möglichst blitzsauberes Aussehen in der Gemeinde Calvörde. Welches riesige Aufgabengebiet der Bauhof hat, wird mir beim Blick hinter den Kulissen bewusst.

In Gruppen aufgeteilt geht es los. Jeder weiß, was zu tun ist. Außer ich – ich habe keine Ahnung, was mich erwartet.

Als ich Calvördes Bürgermeister Volkmar Schliephake (CDU) von meiner Idee erzählte, einige Stunden Seite an Seite mit den Gemeindearbeitern zu schuften, zögerte er nicht. Der Gemeindechef schlug mit einem Augenzwinkern vor, doch gleich zwei Wochen zu ackern. Genug Arbeit hätte er für mich. Neben den Sturmschäden, die beseitigt werden müssen, gibt es auch reichlich Baumschnitt, der in den Schredder muss.

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„Sicherheit und Arbeitsschutz haben oberste Priorität. Arbeiten direkt am Holzhäcksler darfst du deshalb nicht“, bremst Dörheit auf dem Spielplatzgelände in Velsdorf meinen Arbeitseifer.

René Jäger zeigt mir, wie ich die Zweige am besten anpacke und dem Kollegen Peter Schwarz reiche, damit der Velsdorfer sie im Schredder verschwinden lassen kann. Zweige peitschen an meine Hose und bohren sich in die orange Weste. Jetzt bloß nicht zimperlich sein! Schnell wird mir klar, warum mein Helm ein Visier hat. Ohne Schutz hätte ich sicher schon einige Schrammen im Gesicht. Und auch der Ohrenschutz macht Sinn. Der Schredder dröhnt. „Du musst die Äste so greifen, dass du dich nicht immerzu hin und her bewegen musst, sonst kommst du den Kollegen ins Gehege“, ruft mein Chef mir zu.

Nach dem holprigen Start funktioniert das Miteinander jetzt besser. Der riesige Haufen Geäst wird weniger und ich immer stolzer, dass das Hand-in-Hand-Arbeiten ganz flott geht. „Wir haben den Schredder nur für zwei Wochen gemietet. Jeder Tag kostet 200 Euro. Wenn wir früher fertig sind, wird es billiger. Also Zeit ist Geld“, erklärt René Jäger, der in Wegenstedt zuhause ist. Das heißt auch für mich, nicht so viel quatschen, sondern Handschuhe an und anpacken!

In den vergangenen Tagen wurde das marode Geäst aus den Baumkronen, das zum Beispiel auf dem Gelände der Grundschule in Wegenstedt anfiel, geschreddert. Im Besonderen kommen die Schnitte der Bäume und Hecken, die im trockenen Sommer gelitten hatten, in die Maschine. „Wir waren unter anderem mit dem Schredder auf den Friedhöfen, Spielplätzen, auf den Arealen der Kindertagesstätten und der Grundschule“, zählt Jäger auf.

„Hinweise bekommen wir vom Ordnungsamt. Meist sehen wir ja selbst, wo Arbeit ansteht, aber auch die Ortsteilbeauftragten melden sich, wenn Aufgaben anstehen“, sagt Dörheit. Die Großflächigkeit der Gemeinde mit den elf Ortsteilen sei ein Problem. „Wir haben zehn Friedhöfe und jeder Ort hat Dorfplätze. Wir können nicht immer überall sein“, sagt Dörheit.

Die Palette der Tätigkeiten ist breit. Angefangen von den Mäharbeiten im Sommer über Ausbesserungsarbeiten in den Gemeindewohnungen bis zum Winterdienst.

Aber auch spezielle Aufgaben, wo die Gemeindearbeiter wegen fehlender Technik improvisieren müssen, stehen an. „Was wir selbst reparieren und instandsetzen können, machen wir. Wenn zum Beispiel ein Abfluss in der Calvörder Sporthalle oder in einem Dorfgemeinschaftshaus verstopft ist, erledigen wir diese Arbeiten auch. „Sollte es intensiver sein, müssen Absprachen getroffen und eine Fremdfirma rangeholt werden“, sagt der Vorarbeiter.

Dörheit erklärt, dass Velsdorf die letzte Station für die Schreddertechnik sei. Dann wird die Maschine gesäubert und zurück geschickt.

Während meine Brigade – heißt das noch so? – es beim Schreddern richtig krachen lässt, sind Axel Räcke aus Klüden und Matthias Weber aus Calvörde dabei, mit der Kettensäge die trockenen Äste der Bäume an der Gemeindestraße abzusägen.

Ich frage mich: Wo ist Andrea Spitzner, die einzige Frau im Team? „Andrea ist heute für die Feinarbeiten zuständig. Sie bringt in der Werkstatt die aufgearbeiteten Sitzbänke wieder in Ordnung“, erklärt Dörheit. Eine Sonderposition habe die Frau im Team nicht. Auch sie arbeitet mit schwerer Technik. „Jeder hat so seine Fähigkeiten und auch besondere fachliche Ausbildungen, die wir nutzen. Bestimmte Arbeiten aussuchen, das gibt es nicht“, betont der Vorarbeiter.

Trotzdem seien die Männer froh, wenn ihre Kollegin die Rabatten pflegt oder auch mal in den Trauerhallen aufwischt oder die Fenster putzt, denn das machen die Männer nicht so gern. Natürlich würden die Herren das in der Not auch machen – keine Frage. Und übrigens gibt es wohl kaum eine Aufgabe, die die Gemeindearbeiter nicht hinbekommen.

Ich besuche auch Andrea Spitzner, die schraubende Powerfrau. „Allein unter den Herren, wie ist das so?“, will ich wissen. „Die Männer haben mich hier vor fünf Jahren gut aufgenommen. Das passt schon“, sagt die Dorsterin und zeigt mir ihr Tageswerk. „Das ist Winterarbeit. Die Latten der Holzbänke wurden komplett abgebaut, geschliffen und frisch gepinselt. Wenn die Bänke fertig sind, werden sie wieder in Calvörde verteilt“, erklärt sie mir. Geschickt setzt sie den Schraubendreher an. Zackzack und Latte für Latte wird die Sitzbank komplett. Bei mir klappt das nicht so gut. Erst nach einigen Versuchen habe ich so einigermaßen den Bogen raus.

Mein Fazit: „Es ist für mich ein neues Gefühl, an der frischen Luft oder in der Werkstatt zu arbeiten und zu sehen, wie man etwas wegschafft oder ein großes Ganzes schafft.“