Haldensleben l Andreas Pohl hat sich das Fotografieren selbst beigebracht. Im Museum Haldensleben erzählt der Rottmersleber, wie es dazu kam. Ein Bekannter von ihm, so sagt Andreas Pohl, sei Tierfilmer. Als dieser lieber auf die Tierfotografie umsatteln wollte, schaute Andreas Pohl ihm über die Schulter, ging bei Fototouren mit. „Da hab ich selbst noch mit einer kleinen Digitalkamera geknipst“, erinnert er sich. Der Bekannte kaufte sich nach und nach neue Technik und schenkte seine alte Fotokamera schließlich Andreas Pohl. Seitdem ist der Rottmersleber in seiner Freizeit in der Börde unterwegs und sucht nach Tiermotiven. „Dabei fotografiere ich auch oft die Umgebung, die Landschaft – besonders im Winter, wenn in der Tierwelt nicht so viel los ist“, sagt der Hobby-Fotograf, der ansonsten bei Euroglas in Haldensleben arbeitet. So enstand auch ein Foto der Ruine Nordhusen in Hundisburg: An einem Wintertag ging Andreas Pohl gegen Mittag mit seiner Familie dort spazieren und fing einen besonderen Blick ein. Die Sonne schien gerade durch ein Fenster der Ruine – Andreas Pohl gelang dadurch eine mystisch angehauchte Fotografie.

Das Bild wurde in der Volksstimme veröffentlicht, wo auch die Haldensleber Museumsleiterin Judith Vater es sah und sich mit Andreas Pohl in Verbindung setzte. Denn die Museums-Mitarbeiter waren gerade dabei, Fotografien der Ruine Nordhusen zu sammeln.

Erste Erwähnung vor 800 Jahren

Bereits im vergangenen Jahr hatte das Museum mit verschiedenen Partnern eine Sonderausstellung zur Ruine Nordhusen und zur regionalen Wüstungsforschung präsentiert. Anlass war die erste urkundliche Erwähnung Nordhusens vor 800 Jahren und das 25-jährige Bestehen der „Straße der Romanik“. Zu dem Anlass lobte der Aller-Ohre-Verein auch einen Fotowettbewerb aus. Er dauerte ein Jahr lang, auf den eingereichten Fotos sollte die Ruine Nordhusen – abgelichtet innerhalb des Zeitraums – zu sehen sein.

Bilder

„Die Ruine Nordhusen – Die schönste Wüstung Sachsen-Anhalts“ heißt die Sonderausstellung, die so entstanden ist und zum Internationalen Museumstag am Sonntag eröffnet wurde. Die Haldensleber Stadtwerke, die Wohnungsbaugesellschaft Haldensleben und das Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie Sachsen-Anhalt waren als Partner im Boot, denn die Gewinner des Fotowettbewerbs erhielten Preisgelder. Eine Jury, bestehend aus Museumsleiterin Judith Vater, dem ehemaligen Museumsleiter Ulrich Hauer, Nicole Heinrichs von der Wobau, Antje Streck von den Stadtwerken und Dr. Barbara Fritsch vom Landesamt für Denkmalpflege, bewertete die Fotografien nach Punkten und ermittelte so Andreas Pohl mit seinem mystischen Bild als Gewinner des Hauptpreises.

Publikum kann abstimmen

Da die Preisträger erst bei der Veranstaltung bekanntgegeben wurden, war die Überraschung dem Rottmersleber ins Gesicht geschrieben. Gemeinsam mit seiner Familie freute er sich sehr über die Ehrung und einen Scheck über 400 Euro. Zwei zweite Preise erhielten Heiko Günther und Gerd Nüse. Während Nüse die Ruine Nordhusen auf vier Fotos zu vier Jahreszeiten zeigte und für die Sichtbarmachung des Frühlings extra auch Frühblüher in die Landschaft gepflanzt hatte, hatte Günther die Ruine hinter einem mit Tau besetzten Spinnennetz fotografiert. Beide Männer erhielten für ihre Fotos jeweils 150 Euro Preisgeld.

Aber der Wettbewerb ist noch nicht beendet: Die Arbeiten hängen nun zunächst ohne Zeitbegrenzung im Museum Haldensleben. Bis zum 17. November 2019 können sich die Museumsbesucher beteiligen und auf Karten ihr Lieblingsbild aus der Sonderausstellung vermerken. Diese wurde übrigens noch durch Arbeiten des Berufsfotografen Thomas Lein sowie des Burgherren der Veltheimsburg Holger Schwarz ergänzt. Deren Fotografien laufen allerdings außer Wertung. Wer den Publikumspreis erhält, wird vom Museum Ende des Jahres bekanntgegeben.