Weferlingen l Todesstreifen, um deutsche Nachbarn voneinander zu trennen. Über 40 Jahre lebten die Menschen in den grenznahen Gebieten mit dieser doch erheblichen Einschränkung ihres Lebens. Und plötzlich – quasi über Nacht – wurde es lebendig an der deutsch-deutschen Grenze.

Die neue Ausstellung im Weferlinger Heimat-und Apothekenmuseum beschäftigt sich anlässlich des 30-jährigen Grenzöffnungsjubiläums in diesem Jahr mit der Geschichte der Grenze, die Jahrzehnte mitten durch Deutschland ging. Und alle Besucher der Vernissage waren sich einig, dass es an ein Wunder grenzte, dass es friedlicher Protest und eine öffentlich verkündigte Information zu neuem Reiserecht ins nichtsozialistische Ausland von Günter Schabowski war, die die Grenze zum Fallen brachte.

Bürgerverein hat recherchiert

Für die Ausstellung ist der Bürgerverein Weferlingen tief eingetaucht in die historischen Dokumente, hat Dekrete und Verordnungen wieder ausgegraben, die sich mit der Teilung beschäftigten, mit sogenannten Säuberungsaktionen vor der Grenzziehung, bei denen Bürger von Jetzt auf Sofort ihre Häuser verlassen mussten und zwangsumgesiedelt wurden, weil sie im Grenzstreifen als Risiko angesehen wurden.

Bilder

Auf alten Fotos sind Einwohner von Weferlingen und Umgebung zu sehen und der Ort, der sich im Laufe der Jahrzehnte bis in die Gegenwart mit veränderte. Alte Filme über die große Freude bei der Grenzöffnung am 18. November 1989 vom Filmstudio Weferlingen und eines Niedersachsen, der kurz nach der Wende in Weferlingen den Ist-Zustand dokumentierte liefen an diesem Nachmittag immer wieder von vorn.

Nur vier Wochen wurden gebraucht, um den unbefestigten Teilabschnitt der Straße zwischen Weferlingen und Grasleben so auszubauen, dass Fahrzeuge darauf rollen konnten. Undenkbar für die die heutige Zeit, doch Anfang der 1990er Jahr war das möglich, quasi in einer Nacht- und Nebelaktion. Der damalige Straßenbaumeister Rudolf Hnyk aus Vorsfelde dokumentierte den Bau von der Planung und Vermessung im November bis hin zu Fertigstellung im Dezember. Zwei Fotoalben voller Erinnerungen konnte dem Bürgerverein dank Ulrich Pettke vom Heimatverein Oebisfelde für die Ausstellung zur Verfügung gestellt werden. Dank und Anerkennung der Bürgermeister der Gemeinden Grasleben und Weferlingen wurden dem Bauamtmann mit einem persönlichen Schreiben vom 21. Dezember 1989 ausgesprochen.

Ein lokales Zeitdokument schufen Ingrid und Horst-Dieter Betz, die die Ereignisse rund um den Mauerfall im November 1989 sehr bewegt haben. „Das vorliegende Buch entstand aus unserem Anliegen, für die nachfolgenden Generationen die Ereignisse vom November 1989 zu dokumentieren. Die Textbeiträge und vor allem die Fotos sollen die ereignisreichen Tage und Wochen in der Erinnerung lebendig halten“, heißt es im Vorwort ihres selbst kreierten Buches, das während der Ausstellungseröffnung großes Interesse bei den Besuchern fand. Die Öffnung der innerdeutschen Grenzen zwischen Weferlingen und Grasleben markierte für das Ehepaar den Beginn des Zusammenwachsens eines geteilten Volkes. Beide Gemeinden rückten von einem Tag auf den nächsten vom Rand ihrer jeweiligen Gesellschaften in den Mittelpunkt von Deutschland und Europa.