Haldensleben/Magdeburg l Es sei schlimmer, einen Sack Flöhe zu hüten, als dieses Bauvorhaben zu koordinieren, gesteht Andreas Boehle. Und doch hat sich der Fachbereichsleiter Planung und Entwurf bei der Landesstraßenbaubehorde (LSBB) Sachsen-Anhalt, Regionalbereich Mitte, regelrecht in das Projekt Ortsumgehung B 71 n Wedringen verbissen. Denn alles, was mit diesem Bauvorhaben im Zusammenhang steht, läuft über seinen Tisch.

Insbesondere der weitere Bauablauf. „Den haben wir in den vergangenen 14 Tagen koordiniert“, nennt Boehle den neuesten Stand der Dinge in Sachen Umgehungsstraße. Regelmäßig – einmal im Monat – gibt es ein Arbeitsgruppentreffen. Neben den LSBB-Mitarbeitern sitzen dabei Vertreter der Landkreises Börde und seines Eigenbetriebes Straßenbau und -unterhaltung sowie der Stadt Haldensleben mit am Tisch.

Bauvorbereitungen laufen

Die ersten bauvorbereitenden Maßnahmen sind bereits abgeschlossen, entlang der B 71 in Haldensleben von der sogenannten Otto-Kreuzung in Richtung Wedringen beiderseits 900 Bäume und Sträucher gefällt und entfernt worden. „Solche Fällarbeiten müssen bis zum 1. März erledigt sein“, verweist LSBB-Regionalbereichsleiter Hartmut Pöhlert auf das Bundesnaturschutzgesetz. Da bereits in diesem Jahr mit den Bauarbeiten begonnen werden soll, musste die Behörde frühzeitig handeln.

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Schließlich werde an der B 71 im Stadtgebiet Haldensleben Baufreiheit benötigt, erklärt Boehle. Sie soll von der Otto-Kreuzung bis zur neuen Beberbrücke vor Wedringen vierspurig ausgebaut werden. Und zwar plangleich – die Brücke über die ehemalige Kanonenbahn verschwindet. Für deren Rückbau muss eine Baustraße eingerichtet werden, die den Verkehr über die angrenzenden Grundstücke der Autoverwertung, von Keramag und dem Lkw-Parkplatz von Hövelmann an der Baustelle vorbei führt. „Deshalb mussten die Bäume dort weichen“, sagt Andreas Böhle. Sein Vorgesetzter lobt zudem die gute Zusammenarbeit mit den Gewerbebetrieben vor Ort. „Es gab hier keine grundsätzlichen Probleme. Das ist schon bemerkenswert“, unterstreicht Hartmut Pöhlert.

Im September soll mit dem Bau der temporären Bauumfahrung begonnen werden. Nach ihrer Fertigstellung ist der Abbruch der Kanonenbahnbrücke vorgesehen. „Ab November“, rechnet Pöhlert damit. „und dann über den Winter. Der stört uns dabei nicht.“

Erst Nord- dann Südspuren

Der vierspurige Ausbau der B 71 im Stadtgebiet soll dann im Jahr 2018 realisiert werden. „Zunächst werden die zwei neuen Fahrspuren an der Nordseite gebaut, so dass der Verkehr auf der B 71 wie gewohnt weiter fließen kann“, erklärt Boehle dazu. Für den Bau der „Südspuren“ rollt der Verkehr dann über den neuen nördlichen Fahrbahnteil.

Der offizielle Startschuss für die Gesamtbaumaßnahme B 71 n Ortsumfahrung Wedringen soll im Sommer 2017 fallen – und zwar mit dem Neubau der Beberbrücke. Pöhlert rechnet mit dem obligatorischen ersten Spatenstich für Ende Juni/Anfang Juli. Auch dafür laufen die Vorbereitungen bereits. „Die Ausschreibung für dieses neue Bauwerk ist fertig. Uns fehlt lediglich die letzte Finanzierungszusicherung aus Bonn. Die ist uns aber bis zum 31. März in Aussicht gestellt worden“, gibt sich der Regionalbereichsleiter optimistisch.

Parallel zum Neubau der Brücke soll auch mit der Aufschüttung des Damms für die neue Trasse über die Westerwiese bei Wedringen begonnen werden. „Damit der Damm sich setzen kann, wollen wir ihn so früh wie möglich aufschütten“, so Pöhlert weiter. Geplant ist zudem, noch in diesem Jahr alle notwendigen Brückenausschreibungen – insgesamt sollen für die B 71 n sieben neue Brückenbauwerke errichtet werden – zu erledigen.

Strenge Terminvorgaben

Für Andreas Boehle besteht zur Zeit die größte Herausforderung darin, die Verlegung der Ver- und Entsorgungsleitungen im Baufeld zu koordinieren. „Die Umverlegung wird einen längeren Zeitraum einnehmen als ursprünglich vorgesehen. Deshalb wollen wir sie früh wie möglich beginnen, um Vorlauf zu haben“, macht der Fachbereichsleiter deutlich.

Insgesamt etwa 30 Leitungen müssen laut Boehle angefasst werden. Darunter auch Gasleitungen der Stadtwerke Haldensleben. „Da können wir nur außerhalb der Heizperiode ran“, zeigt Hartmut Pöhlert den Zeitrahmen für die notwendigen Arbeiten auf. Noch viel komplizierter ist die Umverlegung der Durchleitungstrassen. „Der Durchfluss von Gas und Öl darf nur zweimal im Jahr gestoppt werden. Und das auch nur zu ganz bestimmten Zeiten. Das muss in unserem Zeitplan mit berücksichtigt werden“, so Pöhlert.

Besondere Ortsumgehung

Es sei nicht die erste Ortsumgehung, die Andreas Boehle plant. Doch Haldensleben, so betont er, sei schon etwas besonderes, gerade auch im Hinblick auf die Vielzahl der Leitungen, die verlegt werden müssen. „Unser Plan, die Leitungen im Jahr 2018 komplett in einem Rutsch umzuverlegen, der geht so nicht auf“, meint Andreas Boehle. „Wir fangen daher schon in diesem Jahr damit an“, versichert er und hofft darauf, im August beginnen zu können. „Wenn bis dahin der Naturschutz und die Archäologen das Gelände freigegeben haben“, schränkt er ein. Bis Ende Juli, so ist es von der LSBB geplant, sollen die landschaftspflegerischen Arbeiten, die für den Neubau der Ortsumgehung vorgeschrieben sind, abgeschlossen sein.

Ebenfalls noch in diesem Jahr soll das sogenannte Bauwerk II, die Anschlussstelle B 71 n/Althaldensleben, ausgeschrieben werden. Zwar steht dessen bauliche Realisierung erst für das Jahr 2019 auf dem Zeitplan, doch auch hier wollen Andreas Boehle und Hartmut Pöhlert auf Nummer Sicher gehen und so früh wie möglich die notwendigen Dämme aufschütten lassen, damit die genügend Zeit haben, sich zu setzen. „Während dieser Bauzeit wird es dann aber eine provisorische Umfahrung des Abzweigs nach Althaldensleben geben müssen“, ist Pöhlert überzeugt.