Niederndodeleben l Die stetige Trockenheit in diesem Sommer setzt den Landwirten auch in der Börde stark zu. Das war Ralf-Peter Weber, Staatssekretär im sachsen-anhaltischen Landwirtschaftsministerium, hinlänglich bekannt, als er das Niederndodeleber Landwirtschaftsunternehmen Agro Bördegrün besuchte. Im Gespräch mit Urban Jülich, seit Mai Geschäftsführer des Unternehmens und zugleich Vorsitzender des Bauernverbands Börde, ging es aber nicht nur um Lösungen, die mit der Dürre in Verbindung stehen.

Die Zahl von im Schnitt 30 Prozent Verlust bei der Getreideernte in diesem Jahr kann Urban Jülich auch für Agro Bördegrün unterschreiben. Und doch weiß er, dass ein derartiger Ausfall den Einen härter trifft als den Anderen. Darauf hat nach seiner Aussage auch der Bauernverband Börde reagiert, zum Beispiel in Form einer „Futtermittelbörse“, in der Futter für die Viehhalter umverteilt wird. Auch wurde in den Betrieben im Gegensatz zu den Vorjahren mehr Stroh gepresst anstatt es zu häckseln.

Probleme mit Futter für 2019

„Die Schwierigkeit kommt im nächsten Jahr, wenn kein Futter mehr vorrätig ist“, so Urban Jülich, der sich vorstellen kann, dass deshalb auch andere Pflanzen angebaut werden, um diese bereits im Frühjahr als Tierfutter zu ernten. Die Vermutung Ralf-Peter Webers, dass Milchviehbetriebe sicher am stärksten betroffen sind, konnte Jülich ebenfalls mit einem Beispiel belegen: Im zum Betrieb gehörenden Rinderstall in Biederitz muss jetzt, da die Wiesen braun sind, schon zugefüttert werden.

Auf längere Sicht sieht Urban Jülich auch Probleme, die Düngeplanung und die Wetterextreme in Einklang zu bringen. Aufgrund eines durch die Wetterextreme entstandenen Düngeüberhangs kann der Landwirt die Pflanzen im nächsten Jahr nicht mehr richtig versorgen. Auch die Bewässerung könnte zukünftig wieder ein größeres Thema werden.

Nach Ansicht von Urban Jülich könnte es in Zukunft aber auch eine Verschiebung in den Kulturen geben, hin zu Früchten, die besser mit den Witterungsbedingungen klarkommen. Denn auch wenn die Ertragsdepressionen da sind, so bleibe der Kostendruck bestehen. Die Rahmenbedingungen müssen stimmen - und hier ist nicht zuletzt die Politik gefordert. So denkt der Landwirt auch an die hohen Sozial- und Umweltstandards in Deutschland, die die Produktion verteuern. „Ich würde mir wünschen, dass wir mit der Gesellschaft einen Pakt schließen, dass sie auch unsere Produkte kaufen und diese Produkte nicht mit der Importware in einen Topf kommt“, so Jülich, der weiß, dass beispielsweise auch der Bedarf an der Gemüseproduktion in Deutschland vorhanden ist. Nur das Bewusstsein in anderen Ländern sei anders. Der vermehrte Gemüseanbau wäre aber vielleicht eine Lösung für manchen Landwirt hier.

Ralf-Peter Weber sah die Richtung vorgegeben. Ihn freute es aber, dass der Bauernverband Börde nicht nur Forderungen an die Gesellschaft und die Politik stellt, sondern auch selbst Lösungen findet, um den am meisten betroffenen Betrieben zu helfen.