Bülstringen l Für eine nachhaltige und dauerhaft erfolgreiche Waldbewirtschaftung braucht es starke Partner. Nicht zuletzt aus diesem Grund ist vor rund zweieinhalb Jahren die Baumschule Seethen in der Baumschule Bülstringen aufgegangen und hat dabei die Zusammenarbeit mit dem Landkreis Börde gesucht – und gefunden.

Das 20-köpfige Mitarbeiterteam vor Ort bietet nicht nur Lohnanzuchten benötigter Baumarten an, sondern auch forstliche Dienstleistungen aller Art für den Kommunalwald.

Uwe Hübner, Geschäftsführer der Baumschule, berichtete im Rahmen eines Arbeitsbesuches von Hermann Onko Aeikens, Staatssekretär im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft, der beiden Bundestagsabgeordneten Manfred Behrens und Cajus Caesar und vom Flechtinger Betreuungsforstamtsleiter Thomas Roßbach, von den guten Erfahrungen im Zuge der Zusammenarbeit.

In diesem Herbst können die ersten Pflanzungen aus der Baumschule heraus umgesetzt werden. Das heißt, dass der geerntete Samen aus den Holzbeständen des Landkreises in der Baumschule soweit entwickelt ist, dass er ausgepflanzt werden kann.

Nicht ohne Stolz verweist Gerald Hering, zuständiger Mitarbeiter für den Kommunalwald im Landkreis Börde, auf den Baumbestand im Hohen Holz. Das rund 150 Hektar große Naturschutzgebiet gilt als „Perle der Börde“ und verfügt über einen alten Baumbestand. Vor allem die Eiche solle dort nun sukzessive verjüngt werden.

400 Kilo Saatgur erzielt

In einem ersten Versuch wurden in dem Waldgebiet 200 Kilogramm Saatgut geerntet, im zweiten bereits 400 Kilogramm. Uwe Hübner und Gesellschafter Bernd Schrader von der Schrader Pflanzenhandelsgesellschaft zeigten den Gästen eine ganze Plantage voller junger Eichenkulturen, die auf künstlichem Weg wieder ausgebracht werden können. Auch der wirtschaftliche Aspekt einer solchen Zusammenarbeit sei nicht zu unterschätzen, sagte Gerald Hering.

24.000 Eichenpflanzen sollen im Herbst umgesetzt werden. Der Kreismitarbeiter berichtete von vier Aufforstungsmaßnahmen, die bereits mit Hilfe einer Förderung durch das Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten umgesetzt werden konnten. Auch bei der Buche gebe es Verjüngungsbedarf und Überlegungen für eine forstliche Maßnahme.

Bernd Schrader verwies auf den großen Vorteil der Regionalität. Zugriff auf bestes Saatgut – geprüft und qualifiziert – aus dem eigenen Wald sei ein Garant für den Erfolg. Nur durch neuen Wald könnten die Naturgüter des Waldes dauerhaft geerntet werden. Und was sei dabei besser, als auf eigene Samen zurückgreifen zu können.

Große Bestände von Kiefer und Fichte als „Brotbäume der Waldbesitzer“ werden ebenso wie die Eiche auf den Standort passend verjüngt. Diesem Bedarf müsse auch die Förderung angepasst werden, sagte Forstexperte Cajus Caesar während des Rundganges. Alle Länder ringsum würden zu 90 Prozent auf Nadelwald setzen, nur Deutschland habe einen gegenteiligen Trend. Da müsse man sich doch fragen, warum.

Nach dem neuen Waldbericht, so Hermann Onko Aeikens, geht es dem Wald genauso gut wie Deutschland. Dank vieler forstlicher Maßnahmen sei das Waldsterben der 1980er Jahre heute kein Thema mehr. Man habe erkannt, was zu tun sei und gehandelt.

Vor drei Jahren gab es noch keine Kiefer in der Baumschule, verwies Uwe Hübner auf eine Anzuchtplantage. Was gern vergessen werde, sei, dass Forstleute eigentlich die ersten Naturschützer sind und entsprechend reagieren und handeln würden.