Hochspannung

Bebertaler sammeln Unterschriften gegen neue Stromtrasse

In Bebertal läuft derzeit eine Unterschriftensammlung. Damit wollen die Einwohner ihren Unmut gegen eine zusätzliche Stromtrassen direkt vor der eigenen Haustür kundtun. Sie befürchten zusätzliche Belastungen.

Von Constanze Arendt-Nowak
Nahe des Hauses der Familie Berger tauschen sich Ortsbürgermeister Torsten Schmidt, Andreas Berger und Jens Ruhnke (v. l.)  zum derzeitigen Planungsstand der neuen Stromtrasse aus.
Nahe des Hauses der Familie Berger tauschen sich Ortsbürgermeister Torsten Schmidt, Andreas Berger und Jens Ruhnke (v. l.) zum derzeitigen Planungsstand der neuen Stromtrasse aus. Foto: Constanze Arendt-Nowak

Bebertal - „Grün ist die Hoffnung“ heißt es. Im Gegensatz dazu aber hat die Farbe Grün derzeit für die Bebertaler wenig mit Hoffnung zu tun. Grün ist die Stromtrasse zwischen Wolmirstedt und Helmstedt, wie sie sich ab etwa 2025 nur wenige 100 Meter vor der Ortsgrenze von Bebertal errichtet werden soll, auf Plänen gekennzeichnet. Es ist eine von drei Verlaufs-Varianten, die derzeit geprüft werden. Zudem gibt es eine vierte Variante, die die Gemeinde Hohe Börde ins Spiel gebracht hat.

„Die grüne Trasse soll parallel zu der bereits bestehenden Stromtrasse entstehen“, erklärt Ortsbürgermeister Torsten Schmidt. Die Krux bei der Sache ist, dass das Anwesen von der Familie Berger, in dem „Auf der Sorge“ vier Familien und damit drei Generationen leben, lediglich 100 Meter von der Bestandsleitung entfernt ist. Diese Leitung ist bereits erneuert und von einst 2520 auf 3600 Ampere hochgeschaltet. „Die neue Trasse soll dann 4000 Ampere haben“, so Schmidt.

Wenn es ringsherum regnet, ist es in Bebertal trocken

Was er befürchtet sind Auswirkungen auf die Umwelt – und nicht nur auf die Familie Berger. Bereits derzeit führt er die besonderen klimatischen Bedingungen, die in Bebertal herrschen, ebenso wie auf den Steinbruch im Norden auf die Stromleitung im Süden zurück. „Regen kommt hier oft nicht an, während es ringsherum regnet“, nennt er ein Beispiel.

Die neue Leitung – die dann, wie es derzeit heißt, parallel zur bestehenden Trasse 60 Meter in Richtung Bebertal errichtet werden soll – würde noch mehr Belastung bringen. Ein Beispiel dafür gibt ein schalltechnisches Gutachten, das den Lärmpegel der Bestandstrasse theoretisch ermittelt hat. Demnach liegt der Wert auf dem Anwesen von Bergers bei 39,5 Dezibel, was bedeutet, dass lediglich 5,5 Dezibel bis zum Grenzwert von 45 Dezibel fehlen. Die neue Leitung, die dann eine höhere Leistung hat und zudem noch näher heranrücken würde, würde dann, so denken die Bebertaler, vermutlich zum Überschreiten des Grenzwertes führen. „Das hat sicher auch Auswirkungen auf die Menschen“, befürchtet Jens Ruhnke, der im Gemeinderat der Hohen Börde sitzt.

Die zweite Problematik, die den Protest gegen die zusätzliche Stromtrasse antreibt, ist der Verlauf quer über ein sogenanntes FFH-Gebiet, das sich nahe der Ortsverbindung Richtung Uhrsleben befindet. „Einerseits ist es streng geschützt, dann kommt dort subpannonischer Steppentrockenrasen vor und es ist auch noch Natura 2000-Gebiet“, zählt Torsten Schmidt auf und weiß, dass Windräder aufgrund des Landschaftsschutzes bei Bebertal nicht errichtet werden dürfen.

Einfluss auf die Vegetation befürchtet

Ihm ist es suspekt, dass aber eine Stromtrasse zur Ableitung von Windstrom genehmigt werden könnte. Kaum vorstellbar sei, dass das keinen Einfluss auf die Vegetation dort hat – auch wenn es vielleicht keine wissenschaftlichen Belege dafür gibt. Zudem sorgen sich die Bebertaler auch um die Tierwelt, unter anderem fühlen sich hier Milane und Störche heimisch.

Der Bebertaler Ortschaftsrat hat alle Argumente zusammengetragen und nun beschlossen, die Willensbekundung mit Unterschriften der Bebertaler Bürger zu untermauern. Seit etwa zwei Wochen gehen im Ort Unterschriftenlisten herum. Vereine und Bürger haben sich engagiert. „Wir sind der nächsten Generation verpflichtet“, unterstreicht der Ortsbürgermeister.

Die Unterschriften sollen überreicht werden, wenn das Dialogmobil von 50Hertz am 15. Juli von 15 bis 17 Uhr am Rathaus der Gemeinde in Irxleben Station macht, um über den Planungsstand des Netzausbauprojektes SuedOstLink und Projekte wie die Stromtrasse von Wolmirstedt nach Helmstedt zu informieren.