Calvörde l Das Vorhaben sei nicht neu, sagte Calvördes Bürgermeister Volkmar Schliephake (CDU) bei der jüngsten Sitzung des Wirtschafts-und Umweltausschusses. Bereits bei den Neujahrsempfängen im Goldenen Löwen habe er schon oft das Interesse bekundet, dort ein Kultur- und Freizeitzentrum zu schaffen. „Es ist uns nicht gelungen, das Gebäude zu erwerben. Der Erwerb war immer wieder im Gespräch, aber wegen der Haushaltskonsolidierung konnten wir das Haus nicht kaufen“, so Schliephake.

Rückblick: Der Goldene Löwe an der Geschwister-Scholl-Straße 17 in Calvörde war ursprünglich und bis in die 1990er Jahre eine Gaststätte. Dann wurde es zu einem Geschäftshaus umgerüstet. Eine Bank und ein Einkaufsmarkt waren im Erdgeschoss. In die erste Etage hatte sich die Gemeinde eingemietet, um den Saal als Vereinsdomizil und als Sitzungsort zu nutzen. Im oberen Bereich des Hauses sind kleine Wohnungen.

Inzwischen gibt es einen neuen Eigentümer. „Der Besitzer geht mit unseren Ideen konform. Er plant, eine Gaststätte oder ein Café entstehen zu lassen. Der hintere Bereich – also der einstige Einkaufsmarkt – wird uns angeboten. Dort könnte ein Kulturbereich mit Saal und den entsprechenden Wirtschaftsräumen entstehen“, sagte Schliephake und zeigte auf einen Entwurfsplan. Sogar der Bau einer Bowlingbahn wäre zusätzlich noch möglich. So ein Sportangebot würde – nach Ansicht des Gemeindechefs – das Gebäude attraktiver machen. Schliephake beschrieb das Vorhaben: „Es ist eine Chance, im ortsinneren Bereich ein öffentliches Gebäude für die Kultur- und Freizeitgestaltung zu entwickeln.“

Um Fristen einzuhalten, wurde bereits ein Antrag auf Fördermittel über das Programm zur Umsetzung der Lokalen Entwicklungsstrategie der Lokalen Arbeitsgruppe „Rund um den Drömling“ gestellt.

Förderung von 75 Prozent

„Die Kostenschätzung eines Bauplanungs- und Ingenieurbüros liegt bereits in Höhe von 395.000 Euro vor. Eine Förderung von 75 Prozent – jedoch maximal 350.000 Euro ist möglich“, ergänzte Gerhard Reinecke (CDU) aus Wegenstedt, Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses.

„Wir würden also in ein Gebäude investieren, das uns nicht gehört. Das halte ich persönlich für sehr bedenklich“, sagte Florian Gödicke (FDP). Der junge Calvörder wies darauf hin, dass die Gemeinde mit der Waldgaststätte im Grieps ein eigenes Gebäude besitzt. „Warum investiert man nicht im Grieps?“ fragte Gödicke. „Das Naherholungsgebiet Grieps ist uns viel wert. Wir haben auch extra ein Konzept mit Ideen entwickelt, um den Grieps attraktiver zu gestalten. Im Grieps können wir aber nicht neu bauen“, erklärte Schliephake.

Ein Neubau im Grieps würde – nach Schliephakes Schätzung – etwa eineinhalb Millionen Euro kosten. „Wer unseren Haushalt kennt, kommt zum Ergebnis, dass uns ein Neubau nicht gelingen wird“, ergänzte der Bürgermeister.

„Alle Orte haben ein Dorfgemeinschaftshaus. Die Calvörder haben nichts dergleichen. Die Variante Grieps scheitert am Geld. Der Goldene Löwe ist eine Chance, die wir so nicht wieder bekommen“, ergänzte Reinecke.

„Calvörde wird langfristig über öffentliche Mittel nichts neu gebaut kriegen. Für den Grieps bekommen wir keine Fördermittel. Entscheidend sind die Verträge über die Folgekosten, die jedes Jahr anfallen. Das Vorhaben ist nicht ideal, aber das Beste, was wir in den nächsten zehn Jahren in Aussicht haben“, erklärte Hubertus Nitzschke (FUWG) aus Berenbrock, Calvördes stellvertretender Bürgermeister.

Anlaufstelle für Jugendliche

Kathleen Materne, sachkundige Einwohnerin, erklärte, dass sie einerseits das Vorhaben als Anlaufstelle für die Jugend befürwortet. „Auf der anderen Seite finde ich es auch nicht gut, dass das Objekt nicht in unserer Hand liegt. Werden dann die Einnahmen an den Inhaber weiter gegeben?“, fragte die Dorsterin. Dies verneinte Schliephake: „Wir bezahlen Miete an den Eigentümer. Und alles, was wir einnehmen, gehört uns.“

Der Zobbenitzer Ulrich Grothe (FUWG) wies darauf hin, dass es nicht einfach sei, mit so einem Objekt schwarze Zahlen zu schreiben. „Wenn das Bewirtschaftskonzept nicht aufgeht, lautet die Frage, ob wir uns damit wirklich einen Gefallen tun“, blickte Grothe voraus. Er findet, dass die Gemeinde im Grundbuch als langfristiger Nutzer festgeschrieben werden sollte. „Ja, ein Konzept muss entwickelt werden, aber das ist erst der zweite Teil. Jetzt geht es erst mal um den Grundsatzbeschluss. Wollen wir das Vorhaben oder nicht?“, fragte der Bürgermeister in die Runde.

Mehrheitlich mit zwei Enthaltungen empfahl der Wirtschaftsausschuss der Gemeinde, sich grundsätzlich für das Vorhaben zu entscheiden und den Antrag auf Fördermittel für das Freizeit- und Begegnungszentrum aufrecht zuhalten.

Der Gemeinderat tagt am heutigen Donnerstag um 18.30 Uhr im Goldenen Löwen in Calvörde.