Haldensleben l Proben von 155 Brunnen aus Haldensleben und Umgebung haben Harald Gülzow und sein Team seit Juli ausgewertet. Der Diplom-Physiker ist Pressesprecher der gemeinnützigen Organisation „VSR-Gewässerschutz“, die regelmäßig mit ihrem Labormobil und einem Expertenteam in Haldensleben zu Gast ist, um Brunnenbesitzern Aufschluss über die Qualität ihres Wassers zu geben. Der letzte dieser Termine fand im Juli statt. Die Ergebnisse der einzelnen Brunnen wurden nun ausgewertet.

Das Resultat: Fast jeder dritte Brunnenbesitzer musste erfahren, dass der Nitrat-Grenzwert der deutschen Trinkwasserverordnung von 50 Milligramm pro Liter in seinem Brunnen überschritten ist. Analysiert wurden Proben aus dem Raum Haldensleben-Calvörde–Hillersleben. „Ein Grund für die hohen Belastungen ist die intensive Landwirtschaft. Diese hat sich in den letzten Jahrzehnten immer weiter ausgebreitet. Die bisherigen Düngeverordnungen ermöglichten der Agrarindustrie zu wachsen und ihre landwirtschaftlichen Flächen auf Kosten der Umwelt zu überdüngen“, erläutert Susanne Bareiß-Gülzow, Vorsitzende des „VSR-Gewässerschutz“.

Die umweltverträgliche Form der Landwirtschaft, die viele bäuerliche Betriebe anwenden würden, verschwinde immer mehr. Die Gewässerschutzorganisation rate Bürgern, bei ihrem Einkauf bewusst darauf zu achten, dass die Produkte von Landwirten stammen, welche die Nitratbelastungen und die Sorgen der Menschen in der Region ernst nehmen.

Rottmersleber Brunnen am stärksten belastet

Als am stärksten mit Nitrat belastet stellte sich nach der Analyse ein privat genutzter Brunnen in Rottmersleben heraus. Dort fanden die Experten 319 Milligramm Nitrat pro Liter in der Probe. Weitere mit Nitraten stark verschmutzte Brunnen stellten die Umweltschützer in Hohenwarsleben mit 172, Hermsdorf mit 168, in Bebertal mit 155, in Erxleben mit 201, in Etingen mit 211 und in Mannhausen mit 146 Milligramm pro Liter fest.

Wie Harald Gülzow mitteilt, zeigten sich am Informationsstand und auch bei der telefonischen Beratung viele Brunnenbesitzer der Region wütend über die Situation. „Sie möchten es nicht mehr einfach hinnehmen, dass ihr Brunnenwasser nur eingeschränkt nutzbar ist. Ärgerlich ist insbesondere, dass das Wasser nicht zum Befüllen von Gartenteichen geeignet ist. Es besteht die Gefahr, dass es zur Massenvermehrung von Algen kommt. Abgestorbene Pflanzen können anschließend zu Fischsterben führen“, erklärt Gülzow. Auch beim Gießen des selbst angebauten Gemüses sollten Brunnenbesitzer ihm zufolge vorsichtig sein. „Der einzelne Brunnenbesitzer kann eine Anreicherung vermeiden, wenn er die Nitratbelastung des Brunnenwassers in die Düngeberechnung einbezieht“, sagt der Diplom-Physiker.

Laut Harald Gülzow und seinen Kollegen hätte die Nitratbelastung im Grundwasser längst gesenkt werden können. „Sie blieb aber aufgrund von zu laschen Düngeverordnungen unverändert hoch“, sagt der Projektleiter des „VSR-Gewässerschutz“.

Die Mitarbeiter des Labor-Mobils hätten das Wasser allerdings auch auf andere Stoffe untersucht. So sei vielen Brunnenbesitzern – gerade Eltern und Großeltern – auch wichtig gewesen, ob sie mit ihrem Wasser im Sommer Pools und Planschbecken befüllen können. „Erfreulicherweise haben wir festgestellt, dass fast zwei Drittel der Proben zum Befüllen eines Planschbeckens geeignet sind. Auf diese Weise können viele Brunnennutzer kostbares Leitungswasser sparen und mit den Trinkwasservorräten nachhaltig umgehen“, erläutert Susanne Bareiß-Gülzow. Das Ergebnis zeige aber auch, dass es wichtig sei, Gesundheitsrisiken auszuschließen. Der häufigste Ausschlussgrund für Wasser zum Baden seien hohe bakteriologische Belastungen mit coliformen Keimen und E.Coli. Dann könne man das Wasser auch bei der Verwendung von Desinfektionsmitteln nicht zum Befüllen eines Planschbeckens nutzen.