Alleringersleben l Wenn einer eine Reise unternimmt, dann kann er was erzählen. Wenn aber gleich 33 Vereinsmitglieder der SG Blau-Gelb Alleringersleben auf Reisen gehen, dann gibt es Gesprächsstoff für Wochen.

Nach einer langen Vorbereitungszeit von mehr als zehn Monaten starteten die Allertaler mit einer recht großen Reisegruppe zum Gegenbesuch bei ihren Partnern im schottischen Mauchline.

Campingbetten im Mehrzweckgebäude

Vom Flughafen Berlin-Schönefeld ging es per Direktflug nach Glasgow, wo die Gastgeber bereits mit mehreren Fahrzeugen auf die deutschen Gäste warteten, um sie ins nahe gelegene Mauchline zu bringen.

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Für die Gruppe der Fußballer hatten fleißige Helfer bereits Campingbetten mit Schlafsäcken in einem Mehrzweckgebäude aufgestellt. Ihr standen Getränke und Verpflegung für das komplette Wochenende zur Verfügung.

Die mitgereisten Helfer des „Schottischen Wochenendes“ in Alleringersleben aus 2014 sowie einige Familienmitglieder der Fußballer waren in Gastgeberfamilien untergebracht, so ergaben sich interessante Einblicke in das tägliche Leben in schottischen Haushalten.

Viele Ausflüge unternommen

Nach einem Abendessen mit den Gastgebern und dem Austausch von Begrüßungen wurden schnell Kontakte geknüpft und die bei vielen anfängliche Befangenheit, sich der englischen Sprache zu bedienen, wich zusehends. Der erste Abend fand wie auch die folgenden seinen Ausklang im Lieblingspub der Fußballer des Fußballvereins Mauchline United, im „Black Bull“.

Das Programm, das die schottischen Gastgeber auf die Beine gestellt hatten, war gespickt mit sehens- und erlebenswerten Ausflügen und Besichtigungen.

So hatten die Alleringersleber die einmalige Gelegenheit, in Mauchline die einzige Manufaktur der Welt zu besichtigen, die die 18 Kilogramm schweren Steine für das Curling-Spiel aus Granit produziert. Normalerweise steht dieses kleine Unternehmen nur sehr selten für Besucher zur Verfügung.

Einblicke in die Curling-Manufaktur

In Mauchline entdeckten die Besucher aus Alleringersleben an fast jeder Ecke Hinweise auf das Leben und Wirken des schottischen Dichters Robert Burns, der zwar nur vier Jahre seines Lebens dort verbrachte, aber wegen seiner Stellung in der schottischen Literatur und Kultur hoch verehrt wird, ähnlich wie Goethe und Schiller in Deutschland.

Der Sonnabendnachmittag stand ganz im Zeichen des Fußballs. Zum Spiel Mauchline United gegen Blau-Gelb Alleringersleben waren nicht nur viele Zuschauer gekommen. Auch der Bürgermeister, die Landrätin, der Vorsitzende des Fußballverbandes der Region und andere Verantwortliche waren vor Ort und würdigten diese gewachsene Freundschaft zwischen beiden Vereinen als einen wichtigen Meilenstein für die internationalen Beziehungen in Europa.

Erst nach offiziellen Ansprachen von schottischer und deutscher Seite und dem Austausch von Präsenten wurde das Match eröffnet. Das Spiel konnte das schottische Team gegen eine gemischte Alleringersleber Elf bei tiefem, sehr nassen Boden wegen vorausgegangener starker Regenfälle am Ende klar für sich entscheiden. Es geriet bei all dem Programm ringsum beinahe zur Nebensache.

Schottischen Whiskey gekostet

Danach ging es für alle Beteiligten wieder ins „Black Bull“, dort wurden aus den vorherigen Konkurrenten vom Spielfeld wieder Kumpel und Freunde, die gemeinsam feierten.

Der Sonntag hielt mehrere Überraschungen bereit. Zuerst ging es nach dem Frühstück zur Whiskeydestillerie nach Auchentoshan, wo sogar eine Führung in deutscher Sprache angeboten wurde. Einige der schottischen Gastgeber hatten sich den Alleringerslebern angeschlossen und erfuhren Wissenswertes über das Brennen eines guten Whiskeys, was alle bei einer anschließenden Verkostung auf die Probe stellten.

Nach einem Zwischenstopp im Braehead Center, einer riesigen Shopping Mall mit angrenzendem Eishockeystadion, Indoorgolfplatz und einem Snow-Dome, um die Gelegenheit zu einem Mittagessen zu nutzen, ging es für die Männer weiter zum Hampden-Park, dem Nationalstadion Schottlands, das vielleicht nicht ganz so berühmt und populär ist wie das Ibrooks Stadium der Glasgow Rangers oder der Celtic Park vom Glasgower Club Celtic.

Frauen besuchen romantisches Schloss

Allerdings bekommt man als Besucher des Hampden-Park neben dem normalen Stadionrundgang noch einen Torschusswettbewerb und ein sehr sehenswertes Museum geboten, in denen viele Utensilien, Bilder und Erinnerungsstücke der schottischen Fußballgeschichte präsentiert werden.

Die meisten Frauen der Reisegruppe besuchten mit ihren Gastgeberinnen parallel die Glasgower Kelvingrove Art Gallery und danach das „Sorn Castle“ in der Nähe von Mauchline. Das kleine romantische Schloss ist noch bewohnt, trotzdem war es uns gestattet, von einem Reiseführer durch die Räumlichkeiten geleitet zu werden.

Der Sonntagabend bildete einen besonderen Höhepunkt für alle Beteiligten – unsere Gastgeber hatten einen original schottischen Abend vorbereitet. Neben schottischen Tänzen, die die Mädchen der „Highland Dancers“ eindrucksvoll vorstellten, trat ein in traditionell mit Kilt gekleideter Dudelsackspieler auf, Alleinunterhalter wechselten sich im Rezitieren von Gedichten von Robert Burns und mit von der Gitarre begleiteten schottischen Liedern ab und - es gab Delikatessen aus der schottischen Küche. Natürlich kam das berühmte „Haggis“ auf den Tisch, das einigen deutschen Gaumen ein wenig gewöhnungsbedürftig vorkam.

Karaoke, Highland-Dance und Dudelsackmusik

Karaoke-Einlagen von schottischer und deutscher Seite heizten die Stimmung an, ehe es am Ende des schottischen Abends für die Gäste aus dem Allertal hieß, mit jeweils einem schottischen Tanzpartner schottische Volkstänze zur Live-Dudelsackmusik zu zelebrieren, so dass sich das Gefühl ausbreitete, dass alle in diesem Moment eine große, harmonische Familie waren.

Als es am anderen Tag nach einem ausgiebigen schottischen Frühstück im „Black Bull“ galt, Abschied zu nehmen, waren es für fast alle sehr emotionale Augenblicke, in denen auch schon mal die Tränen flossen.

Während des Rückfluges nach Berlin zollten viele der Müdigkeit aus den erlebnisreichen Tagen Tribut und schliefen, andere hingen ihren Gedanken nach und ließen die Bilder des Wochenendes noch einmal Revue passieren.

Vor Antritt der Reise hatte uns Roselind Hall, eine der Hauptorganisatorinnen des Besuches mitgeteilt: „Ich denke, ihr werdet nach diesem Programm sehr müde sein – aber sicher auch sehr glücklich!“ Damit hatte sie uneingeschränkt Recht! Dank der schier endlosen Herzlichkeit, Großzügigkeit und Gastfreundschaft der schottischen Freunde blicken alle mitgereisten Alleringersleber dankbar und zufrieden auf ein paar wundervolle Tage zurück, an die alle noch lange denken werden.