Haldensleben l Die Kreisstadt braucht kurzfristig 30 zusätzliche Krippenplätze. Im Jahr 2016 sind etwa 40 Kinder mehr geboren worden als der Durchschnitt der vorangegangen Jahre dies erwarten ließ. Doch die Kapazitäten in den städtischen Kindertagesstätten sind derzeit ausgereizt.

Mit der Errichtung von Containern sollen Abhilfe und Platz für 30 Krippenkinder geschaffen werden. Als Standort für die mobile Erweiterung ist das Außengelände der Wedringer Kindertagesstätte „Sonnenblume“ vorgesehen.

30 Zusatzplätze benötigt

Für die Realisierung des Vorhabens hat der Stadtrat am Donnerstagabend einer außerplanmäßigen Ausgabe in Höhe von 91.000 Euro zugestimmt. Bis April des nächsten Jahres müssen die Container aufgestellt sein, da dann der Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz durch Einrichtungen auf dem Gebiet der Stadt Haldensleben nicht mehr zu erfüllen sein wird.

Für Stadträtin Anja Reinke (FUWG/Die Fraktion) stellt das allerdings nur eine Notlösung dar. Sie hat ganz andere Vorstellungen von der künftigen Kinderbetreuung in Haldensleben. „Wir haben als Stadt 25 Millionen Euro auf dem Konto. Da sollten wir doch mal über den Neubau einer Kindereinrichtung nachdenken anstatt über eine Erweiterung mit Containern“, wirft sie in die Runde.

Sie stellt sich eine Betreuung der Kinder von 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr vor. „Der Bedarf dafür ist vorhanden“, ist sie mit Blick auf die zahlreichen Schichtarbeiter in Haldensleben überzeugt. Es sei „nicht schön“, dass nun die Kindertagesstätte in einem Dorf, in dem der Bedarf gar nicht bestehe, mit Containern erweitert wird, meint sie.

Container als schnelle Lösung

Die Mitglieder des Wirtschafts- und Finanzausschusses hätten sich ausgiebig mit dem Thema beschäftigt, erklärt Ausschussvorsitzender Mario Schumacher (CDU) und bezeichnet Anja Reinkes Vorstoß als reine Polemik. „Wir brauchen diese Plätze kurzfristig“, unterstreicht er.

Theoretisch seien die Kapazitäten in Haldensleben ausreichend. „Aber die ,Ausweich-Kita‘ der Wohnungsbaugesellschaft auf dem Süplinger Berg wird derzeit genutzt, um die Kinder, deren Einrichtung derzeit saniert wird, zu betreuen. Es ist aber absehbar, wann diese Kita wieder zur Verfügung steht“, so Schumacher weiter.

Stadrätin will Neubau

Die „Wobau-Kita“ ist für Anja Reinke allerdings keine Alternative für einen möglichen Neubau. „Sie hat keinen Spielplatz. Die Kinder müssen erst weite Wege zurücklegen, um zu einem Spielplatz zu kommen“, erklärt sie und beschreibt den Zustand der Einrichtung auf dem Süplinger Berg als „nicht optimal“. Außerdem sei die Kapazitätserweiterung der „Sonnenblume“ eine Baumaßnahme, ist sie überzeugt. „Doch im Bauausschuss des Stadtrats ist darüber gar nicht beraten worden“, moniert sie als Bauausschussvorsitzende.

Haldenslebens amtierende Bürgermeisterin Sabine Wendler, als Kämmerin in der Stadtverwaltung auch für die Finanzen zuständig, kommt nicht umhin, Reinkes Aussage zu korrigieren. Haldensleben habe keine 25 Millionen Euro auf der hohe Kante, versichert sie. Ein Kita-Neubau könne nur aus dem Finanzhaushalt, also mit liquiden Mitteln bezahlt werden. Und davon werde Haldensleben nach aktuellen Stand zum Jahresende 11,7 Millionen Euro haben.

Eine Kita-Kapazitätserweiterung mit Hilfe von Containern sei auch in anderen Städten üblich, spricht sich Klaus Czernitzki (Die Linke) für diese Variante aus. Schließlich gehe es um eine kurzfristige Lösung, die zudem bereits ab April angeboten werden müsse, betont er. „Ein Neubau aber steht länger als drei oder vier Jahre und er kostet daher auch mehr Geld – sowohl beim Bau als auch bei der Unterhaltung.“

Weitere Kosten im Haushalt 2018

Dass dringend 30 bis 40 neue Kita-Plätze benötigt werden, steht auch für Bodo Zeymer (Grüne/Die Fraktion) außer Frage. „Aber trotzdem können wir doch über einen Neubau nachdenken“, regt er an. „Wir sind ja nun wirklich keine arme Kommune!“

Mit der Bewilligung der außerplanmäßigen Ausgabe hat der Stadtrat den Weg freigemacht, die Kapazitätserweitwerung vorzubereiten. Die 91.000 Euro werden für Gründung, Erschließung Wasser/Abwasser und Elektro/Telekom, für die Umzäunung, Zuwegung und Befestigung, für Tischlerarbeiten, den Auf- und Abbau der Container sowie für Genehmigungen und Nebenkosten benötigt.

Die zur Erfüllung der Pflichtaufgabe „Absicherung der Kita-Betreuung“ notwendigen Kosten sowohl für die monatliche Miete der Container als auch für die erforderliche Ausstattung sind im Haushaltsplanentwurf 2018 enthalten.