Weferlingen l „Hey, steig auf!“ ruft Klaus Banse, der Hauptorganisator des Bikertreffens, mir zu. Banse legt eine Vollbremsung hin, damit ich auf den Sattel seines Kabinenrollers steigen kann. Jetzt heißt es für mich: „Festhalten!“ Tollkühn dreht Banse mit seinem ungewöhnlichen „Spaßmobil“ eine Runde auf dem Burghof und macht in einer scharfen Kurve auf drei Rädern eine beeindruckende Staubwolke. Vor der Kulisse der einstigen Burg stehen schon mehr als 150 Biker, die auf das Startzeichen warten.

„Nach fünf Jahren Pause haben wir wieder ein Bikertreffen aufgezogen. Einen Namen für unsere Gruppe von Motorradfans haben wir noch nicht, wir sind noch in der Findungsphase“, beschreibt Olaf Hoffmann aus Weferlingen vor dem Start der Ausfahrt und begrüßt unter anderem auch die Freunde aus Flechtingen, Beendorf, Calvörde, Oebisfelde und Velsdorf. „Das ist heute ein Versuch, der uns sichtlich gelungen ist“, sagt Banse. Der Neu-Weferlinger ist begeistert, dass so viele Biker der Einladung gefolgt sind.

Gemeinsame Ausfahrt

Immer wieder kommen Motorradfreunde dazu, die sich mit einem coolen Handschlag begrüßen oder einfach mal den Auspuff ihrer glänzenden Karossen bis auf ohrenbetäubende Klänge ertönen lassen. Obwohl die Biker oft von weit her kommen, scheinen sie sich alle zu kennen oder einfach zur großen Bikerfamilien zu gehören.

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Etwa 200 Freaks und Liebhaber dieser Szene meist aus der Region, aber auch aus dem Harz oder aus Niedersachsen und Thüringen sind inzwischen angereist. Verschiedenste Modelle können bestaunt werden – von der Oldwiek, übers Moped, Motocross-Maschine und Trike bis hin zu Yamaha, Suzuki & Co. lassen die Fahrzeuge die Bikerherzen höher schlagen.

„Da ist so gut wie nichts original dran“, sagt Timo Jäger und schaut mit leuchtenden Augen zu seiner Harley rüber. So wie der Braunschweiger schrauben viele Biker ihre Schätzchen selbst zurecht. Seine Frau Susi nimmt den Schutzhelm ab und erklärt: „Wir wollen heute einfach nur Spaß haben und vom Alltag abschalten.“ Auch viele Nichtbiker sind gekommen, um mit den „Königen der Landstraßen“ ins Gespräch zu kommen.

80 Kilometer lange Route

Aus den Lautsprecherboxen dröhnt „Hells Bells“ von AC/DC. Mit dem Schlag der „Höllenglocken“ der australischen Hard-Rock-Band setzt sich der Konvoi in Bewegung. Die Luft vibriert und riecht nach Benzin. Die Tour führt von Weferlingen nach Uhrsleben und dann in Richtung Haldensleben. Zurück geht es über Satuelle und Calvörde. Nach etwa 80 Kilometer kehren alle auf den Burghof zurück.

"Wer noch Power hat, kann auf den Grauen Harm steigen und von dort den tollen Ausblick genießen“, wirbt Banse und winkt mit dem Schlüssel zum Aussichtsturm. Auf der Bühne spielt sich die Band „Emmer-Rock“ warm. Und auch die Gruppe W.U.F.F. aus Weferlingen und Seggerde gibt mit ihrer Musik richtig Gas und bringt die Menge zum Rocken. Für manchen Biker ist der Weg ins Nachtlager nicht weit weg, denn auf der Wiese – gleich neben der Burg – haben einige Gäste in den Zelten ihre Schlafsäcke ausgerollt.