Velsdorf l Inzwischen ist Velsdorf als Mekka der Bikerszene bekannt. Hunderte Motorrad-Liebhaber hat das Bikertreffen 2019 am Wochenende angezogen. Die Männer am Einlass verteilen vitaminreiche Drinks zur Begrüßung, führen eine Strichliste und erklären: „Die Teilnehmerzahl von 603 aus dem vergangenen Jahr werden wir heute nicht ganz erreichen, aber die 552 angereisten Biker sind eine beachtliche Zahl. Und unsere Leute kommen noch dazu. Dann sind es etwa 560.“

Auffällig ist, dass sich zwischen den Männern mehrere Frauen gemischt haben. Auch Kristin Böhmert nimmt ihren Sturzhelm ab, schaut in den Spiegel ihrer Kawasaki und lockert ihre Frisur auf. Durch ihren Freund kam sie vor drei Jahren zu diesem eher männerlastigen Hobby und möchte die Leidenschaft für PS-starke Zweiräder nicht mehr missen. „Es ist ein Feeling von grenzenloser Freiheit“, erklärt die Bikerin. Dieses Gefühl liebt auch Ingo Hönemann. Der Dannefelder steigt auf sein glänzendes Trikes, das er seit acht Jahren sein Eigen nennt.

Ausfahrt durch die Region

Ihre Fahne hissen die 14 Bikerfreunde „Born am Berge“. „Unser Born liegt bei Hötensleben“, stellt Präsident Andreas Japs, genannt Japo, klar. Die Gruppe ist zum vierten Mal in Velsdorf. „Wir haben eine gute Verbindung zu den Velsdorfern. Sie besuchen uns auch ständig. Hier in Velsdorf passt das ganze Ambiente und auch die Leute. Wir kommen gern her“, erklärt der Präsident. „Wir sind eine Familie“, betonen die Borner Biker, zu denen auch einige Mädels gehören.

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Dann heißt Mario Staats, der Chef der zwölfköpfigen Gruppe der Freebiker, die Frauen und Männer auf ihren heißen Öfen willkommen. Er verkündet: „Wir haben richtig geiles Motorradwetter.“ Staats erklärt, warum sie eine viertel Stunde später als geplant losfahren. „In Rätzlingen am Bahnübergang wurde die Kolonne immer wieder zerrissen, weil die Schranken runter gehen. Wir wollen gemeinsam fahren und natürlich gemeinsam wieder ankommen“, betont der Kopf der Freebiker und wünscht allen viel Spaß. Dann schallt ein unbeschreibliches Dröhnen durch die Luft, ein tiefes Brummen, das den Boden vibrieren lässt.

Auf ihren – meist vor Chrom blitzenden – Maschinen verlassen sie in Schrittgeschwindigkeit das Sportplatzgelände, um dann gemeinsam rasant zur großen Tour zu starten. Wo die Kolonne auftaucht, sorgen sie für Aufsehen und staunende Gesichter. Die Biker sind nicht zu übersehen. Und erst recht nicht zu überhören. In vielen Orten haben sich die Schaulustigen auf ihren Klappstühlen und Bänken postiert, um den Bikern mit Bier und Sekt zu zuprosten und so das Spektakel mit zu erleben. Nach der Tour lobt Staats die rücksichtsvolle Fahrweise. „Es gab nur einen kleinen Ausrutscher in der scharfen Kurve nach Mannhausen. Der Biker wurde durchgecheckt, aber alles ist gut ausgegangen“, zieht Freebiker Ronald Markgraf, genannt Brösel, Bilanz.

Wettbewerbe auf der Spielwiese

Und auch nach der Ausfahrt begutachten die Gäste die Maschinen. Zu sehen gibt es Motorräder, angefangen vom Chopper über Gespanne, Speedway und Trike bis zum Cruiser. Auch viele Nichtbiker sind gekommen, um mit den Königen der Landstraße ins Gespräch zu kommen. Höhepunkt des Geschehens ist der Auftritt einer Schalmeienkapelle, die überraschender Weise AC/DC aus ihren Instrumenten lockt.

Und obwohl so manche Typen in ihren Lederjacken, mit tätowierten Armen und finsterem Blick auf Außenstehende furchteinflößend wirken mögen, so herrscht eine ganz entspannte und lockere Atmosphäre. „Die Kerle beißen nicht, sie wollen nur spielen“, erklärt Kristin Böhmert mit einem Augenzwinkern. Beliebt sind nämlich die Wettbewerbe auf der Spielwiese, wie das Huckeduckrennen, das am Ende der Flechtinger Motorradclub dank Frauenverstärkung gewinnt.

„Der Kuchen – es waren über 20 verschiedene Sorten – ist alle. Es hat sich herum gesprochen, dass unsere Frauen besonders gut backen können“, sagt Markgraf. Komplett leer gegessen ist auch der 120 Liter große Suppenkessel. 750 Bratwürste und etwa 200 Buletten sind in den Bäuchen der Biker und deren Gäste verschwunden. Bis weit nach Mitternacht rocken die Biker und ihre Freunde zur Mucke von Kenny & Frank aus Barleben und zur Musik der Bernburger Band Länett.