Haldensleben l Paddington steht im Mittelpunkt. Der kuschelige Bär ist der Hingucker der Unterrichtsstunde. Die Schüler der ersten Klasse haben ihm Kleidungsstücke mitgebracht. Eine Jacke. A jacket. Zuerst wird das deutsche Wort gesagt, dann sagt Sprachassistentin Robyn Chambers es auf englisch. Ein Gürtel. A belt. Und dann alle im Chor. Der Unterricht läuft für die Alstein-Schüler seit September 2019 teils zweisprachig ab. Dabei lernen sie spielend die wichtigste Fremdsprache der Welt – und zwar dank Sprachassistentin in perfekter Aussprache.

Fremndsprachenassistenz befruchtet

Was Robyn Chambers in der Haldensleber Alstein-Schule macht, nennt sich Fremdsprachenassistenz. Als Muttersprachlerin geht sie ins Ausland, um dort jungen Schülern Englisch beizubringen, als auch in der ihr fremden Sprache Deutsch dazuzulernen. „Wir befruchten uns gegenseitig. Sie lernt deutsch, wir englisch“, sagt Lehrerin Andrea Zapfe, die den deutschen Part für die Unterrichtsstunde mit dem Bär Paddington übernimmt.

Per Austausch in die Grundschule

Das Konzept ist fernab von Frontalunterricht und erleichtert den Kindern den Zugang zur Sprache. Dabei hat die Lehrkraft immer die Zügel in der Hand, Robyn Chambers ist sprachliche Assistentin. Bei mehr als zwölf Unterrichtsstunden ist sie pro Woche die Übersetzerin. Dabei ist die Fremdsprachenassistentin nicht nur den Englisch- und Deutschstunden dabei, auch Mathematik gibt es an der Alstein-Schule dank ihr jetzt zweisprachig.

Austauschdienst machts möglich

Möglich macht der Pädagogische Austauschdienst, der Studierende zur Fremdsprachenassistenz in andere Länder vermittelt. Robyn Chambers studiert in der schottischen Hauptstadt Edinburgh Philosophie und Germanistik – Lehrerin wollte sie nicht werden, nur mal in die pädagogische Richtung schnuppern.

Lehrer sein macht Spaß

Durch das Austauschprogramm wurde sie sozusagen über Nacht plötzlich Lehrerin in Haldensleben. „Es war am Anfang sehr komisch. Ich fühlte mich so groß vor der Klasse“, sagt die 20-Jährige Irin und lacht. Inzwischen fühle sie sich wohl unter den Schülern. „Das Lehrer sein macht mir Spaß“, sagt sie.

Begeisterte Schüler

Und nicht nur sie ist begeistert – die Kinder sind es noch mehr. „Robyn Chambers ist eine Bereicherung für unsere Schule. Die Kinder himmeln sie geradezu an“, sagt Schulleiter Michael Blaschke. Bereits vor zwei Jahren habe die Schule erste Erfahrungen mit einem Fremdsprachenassistenten gemacht und sich deshalb erneut für das Programm angemeldet. „Es steckt auch ein europäischer Gedanke hinter dem Programm“, so der Schulleiter. „Wir leben den Kindern vor, dass es normal ist, dass Menschen aus anderen Ländern zu uns kommen. So entsteht kein Nährboden für Fremdenhass.“

Nachhaltiger Unterricht für Englisch

Doch wie läuft so ein Unterrichten im Team ab, ohne dass man sich die ganze Zeit ins Wort fällt? Michael Blaschke: „Die Chemie muss einfach stimmen. Der Lehrer bringt die Erfahrung im Unterrichten mit und leitet den Fremdspachenassistenten mit an.“ Der Unterricht laufe dann nicht immer perfekt ab, aber die Lehrer der Schule seien offen für das Konzept.

Ein Bär in der Schulklasse

Nachdem der Bär Paddington von den Schülern mit allerhand Kleidung bestückt wurde, liest Robyn Chambers die Geschichte des Bären auf Englisch vor. Lehrerin Andrea Zapfe erarbeitet sich mit den Kindern anschließend die Übersetzung. So wird der Satz „Please look after this bear“ zuerst auf deutsch übersetzt: „Bitte schaut nach dem Bären“. Gemeint ist in diesem Fall: Bitte kümmert euch um den Bären. Auch das bekommen die Kinder vermittelt, bevor sie den Satz von der Muttersprachlerin erneut laut nachsprechen, damit er hoffentlich im Köpfchen hängen bleibt.

„Die Vermittlung des Stoffes dauert zwar so länger, aber der Unterricht ist nachhaltiger“, ist sich Schulleiter Blaschke sicher. Und auch Robyn Chambers ist von dem Konzept überzeugt: „Die Kinder saugen meine Worte auf wie Schwämme. Das ist wirklich bemerkenswert.“ Bis Ende Mai 2020 läuft der Unterricht für die Alstein-Schüler noch zweisprachig ab – sicher ein Grund, sich auch im neuen Jahr wieder auf die Schule zu freuen.