Hörsingen l Wenn Kathrin Jerchel abends von der Arbeit nach Hause kommt, bleibt sie am liebsten gleich draußen in ihrem Garten. Zu tun gibt es immer etwas auf dem Gelände rund um ihr Haus in Hörsingen, und das ist gut so. Für Kathrin Jerchel bedeutet das ein Ausgleich zum Berufsalltag. Lieber bleibe die Hausarbeit liegen, da packen sowieso alle Familienmitglieder mit an.

Das Grundstück bewohnt die Familie seit 19 Jahren, allerdings erst seit rund sieben Jahren mit dem Gartenreich, das es jetzt ist. Viel Unkraut habe sie nicht, zeigt die Hobbygärtnerin auf ihre Beete, die mit Bodendeckern, Blumen und Stauden dicht übersät sind.

„Am Anfang meiner gärtnerischen Phase gleich nach dem Bau des Hauses standen zahllose Baumarkt- und Gärtnereikäufe, Käufe, die einfach nicht zusammenpassen wollten“, erzählt Kathrin Jerchel. Hier ein paar schöne Tulpen, da ein paar Rhododendron. Nichts harmonierte so richtig.

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Vor rund neun Jahren fiel Kathrin Jechel ein Zeitungsartikel über die Königliche Gartenakadamie in Berlin Dahlem in die Hände. Darin wurde über die Gründerinnen Gabriella Pape und Dr. Isabelle van Groeningen berichtet. „Ich buchte einen Gartenkurs, lernte die Königliche Gartenakademie kennen und infizierte mich mit dem Gartenvirus“, blickt die Hörsingerin zurück.

Jahrzehnte vor ihr erging es Oma Anni Druve und später Mutter Doris Jerchel genauso. Jede auf ihre eigene Art erhielt die Diagnose: Infektion Gartenleidenschaft.

Gartenkurse für die Inspiration

Sieben weitere Gartenkurse und wunderbar lehrreiche Gartenreisen später fühlte sich Kathrin Jerchel für ihr eigenes Reich gewappnet.

In einem Drei-Tages-Seminar der Gartenakademie planten Gabriella Pape und ihr Team von Gartendesignern in einem kleinen Kreis von Gartenbesitzern aus verschiedenen Ländern auch den Garten der Hörsingerin, gaben dem Vorhandenen Struktur, bauten Blickachsen ein, schafften Kathrin Jerchels Gartenräume.

Vater Reinhard Jerchel, eigentlich Musiklehrer, aber auch gelernter Baufacharbeiter, packte als erstes mit an und mauerte in dem hügeligen Gelände des Grundstückes die schönsten Bruchsteinmauern.

Schließlich fehlten nur noch die Ideen für die Bepflanzungen der einzelnen Beete. Also besuchte Kathrin Jerchel wieder Gartenkurse und plante eigene Beete, so zum Beispiel eines ihrer Lieblingsbeete, das Wellenbeet, in Wellen gepflanzte Stauden und Struktur-elemente.

Ziel der Gartengestaltung ist es, dass sich die Bepflanzungen in allen Beeten nicht wiederholen, sondern jedes Beet ein Thema aufweist wie zum Beispiel ein Frühlingsbeet, Herbstbeet, auch Ganzjahresbeet, Rosengarten, Schattengarten. „Aber: Jedes Beet ist zu jeder Jahreszeit attraktiv - das ist die Kunst, die Isabelle van Groeningen perfekt beherrscht“, sagt Kathrin Jerchel.

Ein Rasenstück nach dem nächsten musste neuen Beeten weichen. Jedes Jahr entstanden ein bis zwei Beete neu, die sich perfekt in die Landschaft einbetteten. „Ich stecke für das neue Beet Rasen ab und grabe den Rasen unter, dann arbeite ich Kompost und besten verrotteten Pferdemist von Familie Müller aus Hörsingen ein“, zählt Kathrin Jerchel auf. Ihr Lieblings- und zugleich bester Staudengärtner, den sie kennt, ist Jan Weinreich aus Wolmirstedt. Er lieferte nach den Pflanzplänen alle Stauden in 1A-Qualität. Bei halbwegs guter Pflege und ohne Schädlingsbefall, eine „Hundertschaft von Vögeln“ hält alles rein - wächst ein Beet innerhalb von zwei Jahren zu, so dass keine nackte Erde mehr zu sehen ist und sich der Pflegeaufwand in Grenzen hält. Die Gärtnerin weiß: „Ein Rasen bedarf ein Vielfaches an Pflege gegenüber einem gut strukturierten Staudenbeet.“

Rosenfreunde eine große Bereicherung

„Eine große Bereicherung meines Gärtnerlebens brachte die Bekanntschaft und Mitgliedschaft bei den Rosenfreunde Haldensleben“, sagt Kathrin Jerchel. Dort vereinen sich versierte Rosenkenner, geben ihr Gartenwissen preis, veranstalten interessante und lehrreiche Abende und reisen miteinander in schöne Gärten, weshalb sie den Rosenfreunden sehr dankbar ist.

Nach fünf Jahren war das eigene Grundstück gestaltet, doch damit nicht genug, denn das Nachbargrundstück stand zum Verkauf. „Vor meinen Augen sah ich einen wunderbaren Schattengarten. Meine Familie sah das ganz anders: ein zugewachsenes kleines Waldgartenstück und sehr viel Arbeit“, erinnert sich Kathrin Jerchel.

Doch sie setzte sich durch. Unter dem Zuwuchs entdeckte die Familie auf diesem Schattengrundstück verborgene Schätzchen: einen Gartenteich, einen terrassierten Sitzplatz, alte Wegstufen. Mit viel Tatendrang und Schweiß wurde daraus ein herrlicher Schattengarten. „Jetzt, zwei Jahre später erinnern wir uns zwar noch an die Strapazen, aber freuen uns riesig über schattige Plätze in heißen Sommermonaten“, schwärmt sie für die ganze Familie. „Ich liebe meinen Garten, und ich glaube die Pflanzen spüren, dass man es hier gut mit ihnen meint. Nie gehe ich in den Garten, um zu arbeiten - nein - ich gärtnere einfach mit großer Leidenschaft“, fasst Kathrin Jerchel ihre Leidenschaft ausdrucksvoll zusammen.

Glücklich macht sie, dass die ganze Familie sich einbringt. Handwerkliche und schwere Arbeit übernehmen die Männer. Ihre Tochter sei für das Kreative zuständig und ihr Bereich sei das Bepflanzen und Pflegen der Beete. Unterstützung findet sie jederzeit bei ihrer ebenfalls gartenbegeisterten Mutter.

Klar gibt es auch beim Gärtnern Misserfolge. Sie gehören zum Leben wie zum Gartenleben, hat Kathrin Jerchel gelernt, doch ihre Hoffnung auf neues großartiges Blühen und Grünen beginnt mit jedem neuen Gartenjahr.

Dass sie in diesem Jahr gleich zweimal zum Tag der offenen Gartentür eingeladen hat, verdankt sie einem Besuch am Niederrhein. Dort gaben ihr die Herren Lucenz und Bender, bekannt aus dem Fernsehen, einige Gartentipps. „Schon damals hatte ich eine leise Vorahnung, dass mir das Öffnen des Gartens für Interessierte und Gartenliebhaber gefallen könnte“, sagt Kathrin Jerchel und wurde in diesem Jahr nicht enttäuscht.