Haldensleben l „Laudate“ – das ist ein Musikkreis, der eigentlich aus Laien besteht, allerdings in den 15 Jahren seines Bestehens ein hohes Niveau an musikalischer Vielfalt und Perfektion erreicht hat. Zu verdanken haben das die rund 20 Mitglieder auch ihrer Leiterin Christiane Puppe. Am Sonntag hat die 79-Jährige allerdings zum letzten Mal ein Konzert des Ensembles dirigiert. In der Schinkel-Simultankirche ließ der Musikkreis pünktlich zum Dreikönigstag die Weihnachtszeit mit Liedern aus verschiedenen Jahrhunderten ausklingen.

„Es ist Zeit aufzuhören“, sagt Christiane Puppe. Das würde ihr mittlerweile der eigene Körper sagen. Eine Nachfolgerin ist schon gefunden: die 23-jährige Ellen Blatz.

Chorleitung seit 1962

Christiane Puppes Chorleiter-Erfahrung beginnt nicht erst mit der Gründung von „Laudate“, sondern bereits 1962. Da wird sie Musiklehrerin an der 3. Polytechnischen Oberschule, der späteren Ernst-Thälmann-Oberschule, in Haldensleben. Mit Dienstbeginn wird sie prompt auch zur neuen Chorleiterin gemacht. „Ich hatte damals keinerlei Erfahrungen als Chorleiterin und habe deshalb auch ziemlich ängstlich angefangen“, erinnert sie sich. „Je besser der Chor wurde, desto mehr Selbstbewusstsein bekam ich aber“.

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In der DDR-Zeit kommt die Bewegung der Singegruppen auf – kleinerer Sängergruppen, die gemeinsam mit einem oder mehreren Instrumentalisten musizierten. Dabei werden oft auch politisch motivierte Lieder gesungen und untypische Ausdrucksformen wie Beat, Schlager und Folksongs probiert. Christiane Puppe hat damals einen Schüler, der sie zur Gründung einer Singegruppe motiviert. Armin Hartwig ist heute Leiter der Kreismusikschule Haldensleben-Wolmirstedt und sei schon zu Schulzeiten ein begnadeter Musiker gewesen. „Er konnte zwar nicht gut singen“, plaudert Christiane Puppe lachend aus dem Nähkästchen, „aber er hat wirklich ein absolutes Gehör“. Armin Hartwig wird Gitarrist der neuen Gruppe, die in den 70ern gegründet wird.

Singegruppe am Gymnasium ist erfolgreich

Sie fährt oft zu Werkstätten, die häufig von herausragenden Liedermachen wie Gerhard Gundermann geleitet werden.

Die Form der Singegruppe nimmt die Lehrerin mit, als sie 1990 an das Friedrich-Ludwig-Jahn-Gymnasium wechselt. Dort gründet sie noch im selben Jahr die „Musicis“, die sie neben dem Schulchor leitet. Die Gruppe erreicht eine so große Perfektion, dass sie 1995 einen Landeswettbewerb gewinnt und sich deshalb bei einer Bundesveranstaltung in Dresden präsentieren darf.

Christiane Puppe erzählt, dass sie in der Zeit bis zur Rente 1998 oft mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen gehabt habe. Die Arbeit fällt ihr dann nicht immer leicht. Ihre Musiker, auch die im Schulchor des Gymnasiums, hat sie aber so weit angelernt, dass diese auch mal ohne sie als Dirigentin auftreten können. Bereut hat die heute 79-Jährige trotz schwerer Zeiten die Arbeit mit den verschiedenen Chören und Musikgruppen nie. „Mir ging es oft schlecht“, sagt sie. „Aber die Musik hat mir immer über solche Phasen hinweggeholfen.“ Als die Rente beginnt, kümmert sich Christiane Puppe noch fünf Jahre um die „Musicis“. Danach sei es „furchtbar gewesen, nichts mehr zu tun.“

Nach der Rente kommt Laudate gelegen

Da kommt der Anruf eines ehemaligen Schülers gerade recht. Gerhard Bartels erzählt ihr 2003 von einer Kirchengruppe, die sich unter dem Dach der evangelischen St. Marien-Gemeinde zum Singen zusammenfindet. Sechs Leute sind es anfangs, denen Christiane Puppe ein paar Grundlagen der stimmlichen Bildung zeigen soll. „Aber dann bin ich da irgendwie kleben geblieben“, sagt sie und lacht. Der Musikkreis wächst und nennt sich „Laudate“. Er hat feste Auftritte im Jahr, so beispielsweise das Frühlingskonzert und das Adventskonzert, bei dem im Dezember 2018 die Marienkirche komplett besetzt ist. Außerdem gibt es ein jährliches Spendenkonzert für eine Schule in Afrika. Christiane Puppe nimmt für ihre Sängerinnen und Sänger aber nie jeden Auftritt an. Der Spaß und die eingeschworene Gemeinschaft stehen bei Laudate im Vordergrund.

Christiane Puppes Nachfolgerin Ellen Blatz ist seit sieben Jahren - mit zwei Jahren Unterbrechung wegen des Studiums - Mitglied. Sie entdeckt schon in der Kindheit die Liebe zur Musik. In der 7. Klasse wechselt Ellen Blatz an das Landesmusikgymnasium nach Wernigerode und lernt dort bis zur 9. Klasse. Das bedeutet unter anderem zweimal in der Woche Chorproben, Chorreisen, Stimmbildung und mehr. Zwar entscheidet Ellen Blatz nach zwei Jahren, dass sie beruflich nicht in die musikalische Richtung gehen will und verlässt das Musikgymnasium wieder. Die Liebe zur Musik nimmt sie jedoch mit und will, wie ihre Mutter Kathrin Blatz, gerne bei „Laudate“ mitmachen.

Musikliebhaberin seit Kindheitstagen

Sie muss warten, bis sie 16 Jahre alt ist. Dann singt Ellen Blatz im Musikkreis mit, begleitet Musikstücke auch auf dem Klavier. Als Christiane Puppe eine Stellvertreterin sucht, hat sie Ellen Blatz schon im Auge, die gerne aushilft. „Es ging dann aber doch schneller als gedacht, dass ich die Leitung komplett abgeben musste“, sagt Christiane Puppe. Ellen Blatz muss sich schnell in alles einarbeiten. Zwar hat sie die Grundlagen der Chorleitung am Musikgymnasium gelernt, absolviert aber noch einmal Auffrischungskurse im Kloster Michaelstein im Harz. Bald möchte sie zudem eine Chorleiterausbildung der Kulturstiftung Sachsen-Anhalt in Anspruch nehmen.

Froh ist Ellen Blatz darüber, dass Christiane Puppe zwar die Leitung an sie abgegeben hat, aber als Mitglied des Chor-Teams noch mit Rat und Tat hinter ihr steht. So bleibe die Erfahrung der langjährigen Chorleiterin noch weiter erhalten.