Haldensleben l Die Haldensleber Salons sind auf ihre Kundschaft vorbereitet. Doch wie groß ist der Andrang? Was sich im November mit einem „Lockdown light“ ankündigte und zum Jahreswechsel hin mit strengen Kontaktbeschränkungen und Ladenschließungen in einem zweiten Lockdown mündete, ließ das neue Jahr hoffnungslos erscheinen. Auch die Friseurläden mussten am 16. Dezember erneut schließen. Nach fast elf Wochen Schließung wird es nun Zeit, den Scheitel wieder den Fachleuten zu überlassen. Wer das in Anspruch nehmen will, sollte jedoch schnell sein, denn die Termine sind knapp.

"Stimmung ist jetzt erstmal gut"

Die Friseure haben in den vergangenen Wochen auf diesen Moment hingefiebert. Friseurmeisterin Sandra Lünecke und ihr Mann Kai bespielsweise sind froh, dass sie die Türen ihres Haarsalons „SL-Friseur“ in der Hagenstraße wieder für ihre Kunden öffnen dürfen. „Die Terminbücher platzen und die Stimmung ist jetzt erstmal gut“, so Kai Lünecke. Seitdem bekannt wurde, dass ab dem 1. März ein Friseurbesuch wieder möglich ist, laufen die Telefone in ihrem Haarstudio in Haldensleben heiß.

Terminbücher sind bis Ende März voll

Die Termine sind bereits bis weit in den März hinein ausgebucht und sämtliche Vorkehrungen zur Umsetzung der Hygienemaßnahmen getroffen. Allzu viel hat sich nicht geändert. Kai Lünecke von „SL-Friseur“ betont: „Wir machen im Prinzip genauso weiter. Unsere Hygienekonzepte haben beim ersten Mal gut funktioniert. Dieses Mal müssen wir vermehrt darauf achten, dass die Kunden einen medizinischen Mundschutz tragen.“

Staatliche Hilfen lassen auf sich warten

Die langen Schließzeiten versetzten die Branche wie viele andere in Existenznöte. Und es bleibt ein Kampf. Denn auch wenn Friseure ihrem Handwerk wieder nachgehen dürfen, sind die finanziellen Verluste enorm. Die von der Politik versprochenen staatlichen Hilfen lassen auf sich warten, zumal Überbrückungsgelder erst seit dem 10. Februar beantragt werden können. Die Öffnung ist für viele Friseure ein Hoffnungsschimmer.

Trotzdem wird die Umsetzung alles andere als einfach. Die Einhaltung der Hygienemaßnahmen erfordert von den Saloninhabern weiterhin nicht nur einen zeitlichen Mehraufwand, sondern auch Investitionen für Schutzausrüstung wie Einmalhandschuhe, Masken und Desinfektionsmittel. Der hohe Nachfragendruck, Überstunden, Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln sind die neue Normalität im heutigen Friseurgeschäft.

Viel Mehrarbeit stehr wegen Corona an

Vor allem die Terminvergabe muss genau abgestimmt werden, denn gerade nach einer so langen Pause wird die fachmännische Haarpflege und der perfekte Schnitt bei einigen Kunden deutlich mehr Zeit in Anspruch nehmen. Maik Wilde vom „Salson Roßmüller“ in der Hagenstraße macht deutlich: „Durch die Sicherheitsbestimmungen wird sich terminlich alles nach hinten verschieben. Wenn wir sonst für einen Herrenschnitt 10 bis 15 Minuten gebraucht haben, sind es jetzt wohl 20 bis 30 Minuten.“ Nach jedem Kunden müssen außerdem die Stühle, Waschbecken und Frisierplätze gründlich gesäubert und desinfiziert werden.

Neben dem Tragen einer medizinischen Mund-Nase-Bedeckung sollen Trennwände und auseinandergezogene Kundenplätze einer Corona-Infektion vorbeugen und den Abstand zueinander sicherstellen. Für jeden Kunden werden zehn Quadratmeter im Salon freigehalten. Kai Lünecke hierzu: „Durch die Zehn-Quadratmeter-Regel dürfen wir nur noch neun Kunden gleichzeitig im Laden bedienen und auch die Hygienemaßnahmen nehmen sehr viel Zeit in Anspruch.“

Ohne Daten gibt es keinen Haarschnitt

Rasieren, Bartpflege und Wimpernfärben sind weiterhin untersagt. Um Viren abzutöten, ist das Haarewaschen vor dem Schneiden obligatorisch. Um eventuelle Infektionsketten nachverfolgen zu können, werden außerdem, wie bereits in der Zeit nach dem ersten Lockdown, die Kontaktdaten eines jeden Kunden festgehalten. Hier gilt: Ohne Daten kein Haarschnitt.

Doch es gibt auch eine positive Nachricht für die Kunden: Während viele Salons die Preise nach dem ersten Lockdown deutlich anheben mussten, verzichten viele nun auf eine erneute Preiserhöhung. „Wir werden an den Preisen nicht rütteln“, so Maik Wilde vom „Salon Roßmüller“. Auch Kai Lünecke von „SL-Friseur“ bestätigt: „Wir bleiben bei den Preisen, die wir jetzt haben. Es muss ja für den Kunden auch noch bezahlbar bleiben.“

Für Kunden heißt es teils: Abwarten

Das Ehepaar Lünecke blickt hoffnungsvoll in die Zukunft: „Wir sind froh, dass wir unsere Kunden endlich wieder empfangen und unserer Arbeit nachgehen dürfen.“ Für die Kunden, die im März keinen Termin ergattern konnten, heißt es nun: Abwarten.

Mit Öffnung der Friseurläden ist der erste zaghafte Schritt in Richtung Normalität getan. Laut der Nachrichtenagentur dpa betonte Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU), dass er sich in den Verhandlungen von Bund und Ländern für eine Öffnung eine Woche früher starkgemacht habe. Das habe die Bundesregierung aber abgelehnt. Anbieter weiterer sogenannter körpernaher Dienstleistungen, wie Nagelstudios und Tattoostudios, müssen weiterhin geschlossen bleiben.