Haldensleben l Keine Rutschen, kein Planschbecken, kein Nichtschwimmerbecken, keine Sauna, keine Sitzgelegenheiten. In das einzige nutzbare Wasserbecken dürfen Besucher nicht hineinspringen, nur Schwimmen ist erlaubt. Und das nach klaren Regeln: Auf einer Bahn hin, auf einer zweiten Bahn zurück. Natürlich mit Abstand zu den anderen Schwimmern.

Nein, mit Badespaß habe das nicht viel zu tun, räumt Antje Streck ein, Sprecherin der Stadtwerke, dem Betreiber des Rolli-Bades. Mit der Öffnung würde einigen Menschen die Möglichkeit zum Schwimmen gegeben, für einige habe rückenschonender Sport im Wasser auch eine gesundheitliche Relevanz, betont sie. Zuletzt habe sie einige Anrufe von Stammgästen erhalten, die darauf warteten, dass das Bad wieder öffne, berichtet sie.

Zehn Wochen Stillstand

Wann das passiert, ist allerdings weiter unklar. Derzeit prüfen die Stadtwerke, ob das Bad mit den vorgeschriebenen Abstands- und Hygieneregeln überhaupt geöffnet werden soll. Eine Entscheidung ist laut Streck spätestens zu Beginn der kommenden Woche zu erwarten.

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Sollte sich der Betreiber für die Öffnung des Bades aussprechen, würde es laut Streck auch noch mindestens zwei Wochen dauern, bis die ersten Badbesucher losschwimmen könnten. Das Becken müsste zuerst einmal mit Wasser befüllt werden, die technischen Anlagen bräuchten nach mehr als zehn Wochen Stillstand eine Überprüfung. Und dann sei da noch das Gesundheitsamt, das vor Betriebsbeginn Wasserproben nehmen wolle, berichtet Streck. Sollte es dann losgehen, wird das für den Schwimmbadbesucher ungefähr so ablaufen: Vor seinem Besuch muss er sich ein Onlineticket kaufen. Möglich ist der Besuch für eineinhalb Stunden, er kann sich einen von vier Zeiträumen am Tag aussuchen – wenn noch alle Schwimmzeiten frei sind. Maximal 16 Besucher dürfen das Bad während eines Zeitfensters von eineinhalb Stunden betreten.

Die Sammelumkleiden sind gesperrt, nur jedes vierte Schließfach kann der Besucher nutzen. Seinen Mundschutz darf er erst am Eingang zu den Duschen ablegen, geduscht wird maximal zu zweit im Duschraum. Nachdem die Badgäste ihr Schwimmen hinter sich gebracht haben, desinfizieren die Mitarbeiter das Bad dann für die nächsten maximal 16 Schwimmer.

Betriebskosten wären nicht gedeckt

Die neun Beschäftigten des Bades – aktuell noch in Kurzarbeit – würden sich so täglich um höchstens 64 Gäste kümmern, verdeutlicht Bärbel Lehmann, die Leiterin des Rolli-Bades. Eine Tageskarte kostet im Rolli-Bad 5,50 Euro. Lehmann betont, die Betriebskosten würden mit den zu erwartenden Einnahmen bei weitem nicht gedeckt.

Im vergangenen Jahr haben im Schnitt täglich mehr als 200 Menschen das Bad besucht. Kostendeckend sind die Eintrittsgelder allerdings auch bei diesen Besucherzahlen nicht. Wie Streck berichtet, hätten die Kosten des Bades die Einnahmen zuletzt jährlich zwischen 400.000 und 650.000 Euro überstiegen. Dass kommunalen Bäder keinen Ertrag erwirtschaften, ist allerdings nicht ungewöhnlich.