Haldensleben l Seit zwei Monaten bieten die meisten Gaststätten der Stadt nur noch Essen zum Mitnehmen an, einige sind ganz dicht. Deshalb war die Freude bei vielen groß, als die Landesregierung in dieser Woche mögliche Öffnungen ab Montag ankündigte. Mittlerweile freut sich kaum noch jemand.

Die meisten sehen sich nicht imstande, so kurzfristig die dafür nötigen Unterlagen einzureichen. Lediglich sechs eingegangene Anträge aus Haldensleben verzeichnete der Landkreis gestern Nachmittag nach Ablauf der Antragsfrist. Im gesamten Landkreis wollen laut Verwaltung 34 Gaststätten vorzeitig öffnen. Wer am Ende öffnen darf, wird am Wochenende entschieden.

Einigen Wirten droht offenbar eine Ablehnung. „Es liegen dem Landkreis Börde auch einige Anträge vor, die sich zum Beispiel nicht an das Gebot der Führung von Kontaktlisten halten wollen“, berichtet Landkreis-Sprecher Uwe Baumgart. Weil diese aber gesetzlich gefordert seien, könne der Landkreis jene Anträge nicht bewilligen. Eine kurzfristige Nachbesserung sei aber möglich, betont Baumgart.

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Nils Todtenhaupt hat eine vorzeitige Öffnung beantragt. Er betreibt das Schlossrestaurant in Hundisburg. „Wir wollen am Donnerstag starten“, sagt er. Dafür habe er einen Antrag samt Raumplan und Hygienekonzept eingereicht. Geplant sei zum Herrentag Essen vom Grill zu servieren, sagt er. Das große Geschäft erwartet der Gastronom allerdings nicht.

Himmelfahrt als Versuch

Als „Versuch“ betrachte er die Öffnung vorerst. Wenn der Betrieb nun wieder anlaufe, aber die Kunden wegblieben, werde er wieder schließen, betont Todtenhaupt. „Momentan sind die Kosten kalkulierbar“, berichtet er. Seine sechs Mitarbeiter seien in Kurzarbeit, das Restaurant verursache keine Energiekosten. Die Miete hat ihm der Betreiberverein des Schlosses erlassen.

„Wenn nun alles wieder anläuft, weiß ich nicht, was am Monatsende herauskommt“, betont der Unternehmer. Er rechne mit deutlich weniger Gästen. Schließlich seien alle Feiern und Hochzeiten abgesagt. Hinzu kämen die Abstandsregeln. Von den regulär etwa 80 Plätzen im Restaurant könne er nur rund die Hälfte anbieten. Als „extrem“ bezeichnet er die einzuhaltenden Hygienevorschriften. Ständig müsse desinfiziert werden, dafür allein benötige er schon fast einen Mitarbeiter. „Das hat mehr mit Klinik als mit Restaurant zu tun“, sagt der Gastronom.

Auf die strengeren Hygienevorschriften und Abstandsregeln bereitet man sich auch im griechischen Restaurant „Platon“ an der Hafenstraße vor. Inhaber Dionysios Gkoris hat Papiertischdecken bestellt, die entsorgt werden können, wenn die Gäste den Tisch verlassen. An diesem Wochenende will er die Abstände zwischen den Tischen nachmessen. Dennoch, eine Öffnung am Montag sei ihm „zu kompliziert und zu kurzfristig“, betont der 49-Jährige. Er hätte sich mehr Klarheit für den Wiederbeginn des Gaststättenbetriebs gewünscht.

Gkoris hat regulär mehr als 100 Gästeplätze in seinem Restaurant. Um die Abstandsregeln einhalten zu können, will er die Platzzahl auf 60 reduzieren. Auch deshalb rechnet er mit deutlich weniger Einnahmen in den kommenden Wochen. Zuletzt habe er durch Essenslieferungen etwa ein Viertel seines vorherigen Umsatzes erwirtschaftet, berichtet er. Statt acht habe er so nur zwei Leute beschäftigen können, die anderen seien in Kurzarbeit.

Vorbereitungen sind getroffen

Thomas Baumann hat in seiner Gaststätte nur eine Mitarbeiterin. Und das ist seine Frau Marion. Mit ihr zusammen will er ab Freitag wieder Kunden in der „Schlemmerecke“ an der Hagenstraße bewirten. Dafür wollen sie einiges verändern in ihrer kleinen Gaststätte. „Die Speisekarten werden wir laminieren“, sagt Marion Baumann. Die Listen zur Registrierung der Kunden für eine mögliche Rückverfolgung bei einem auftretenden Coronafall habe er schon ausgedruckt, berichtet ihr Mann.

Seit 30 Jahren ist Thomas Baumann selbständiger Wirt in Haldensleben. Die letzten beiden Monate seien für ihn die schwiergsten in den drei Jahrzehnten gewesen, sagt er. „Mit Hängen und Würgen“ habe er diese Zeit überstanden, berichtet der 58-Jährige. Durch seinen Lieferservice habe er etwa ein Drittel seiner gewohnten Einnahmen gehabt. Für die kommenden Wochen rechnet er mit etwa 70 Prozent des Vorkrisen-Umsatzes.

Angela Natale hat wenig Verständnis dafür, dass sie die Öffnung ihrer Gaststätte „La Taverna“ beantragen soll. Die Schließung der vergangenen Wochen sei für ihren Betrieb „existenzbedrohend“ gewesen, betont sie. Mit dem Verkauf aus dem Fenster ihrer Wirtschaft an der Hagenstraße habe sie nur einen Bruchteil des sonstigen Umsatzes gehabt, berichtet Natale. Dass es überhaupt die Möglichkeit gibt, vor Freitag zu öffnen, habe sie nicht von einer staatlichen Behörde erfahren, sondern von Stammgästen.

 

Wo Gaststätten im Landkreis vorzeitig öffnen wollen und wo nicht, ist online auf einer Karte der Volksstimme ersichtlich:  www.volksstimme.de/restaurants