Süplingen/Uthmöden l Seit Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) eine Absage der Karnevalveranstaltungen im kommenden Jahr ins Spiel gebracht hat, zittern Jecken in ganz Deutschland. Was ist ein Jahr ohne Karneval? Auch in den Vereinen in Süplingen und Uthmöden macht man sich Gedanken, wie die kommende Session aussehen soll.

„Eine Absage würde uns schmerzlich treffen“, sagt Uwe Urban, Präsident des Süplinger Narrenbundes. Trotz allem beginne derzeit die Planung für die nächste Session. „Wir tun erst einmal so, als würde der Karneval stattfinden. Selbst wenn wir umsonst proben, proben wir wenigstens“, sagt er. So trainieren die zahlreichen verschiedenen Gruppen – seien es Tänzer, Musiker oder Entertainer – unter sich, bis schließlich das Programm zusammengestellt wird.

Ob die Machtübernahme im Rathaus mit dem dazugehörigen Umzug in diesem Jahr am 11. November stattfinden kann, steht ebenfalls in den Sternen. „Wir wissen nicht, wie die Corona-Bestimmungen bis dahin sind“, sagt der Präsident der Süplinger. Klar ist, dass eine Absage der Veranstaltungen den Verein auch „finanziell ins Schleudern“ bringen könnte. Das Haus der Vereine im Süplinger Ortskern wird von der Vereinskasse der Karnevalisten unterhalten.

Der Bund Deutscher Karnevalisten rief die deutschen Jecken indes auf, mit Kreativität und Ideenreichtum Feierformen zu entwickeln, die die Gesundheitsvorgaben beachten. Doch das ist im kleinen Rahmen nicht so einfach. So finden im Süplinger Saal 140 Leute Platz, mit Abstand wären es nur 70. „Der Aufwand ist dafür zu hoch“, sagt Uwe Urban. Im vergangenen Jahr haben die Süplinger Jecken sechs Prunksitzungen abgehalten. Hinzu kam ein Seniorenkarneval und zwei für die Jüngsten.

Alternativen gesucht

So haben die Süplinger nach Alternativen gesucht. Eine alte Idee wurde zum Leben erweckt: „Wir haben überlegt, die Stadt ins Boot zu holen und den Karneval in der Ohrelandhalle stattfinden zu lassen.“ Doch auch das sei mit einem hohen Aufwand verbunden. So müsste beispielsweise Fußbodenbelag ausgelegt werden, um das Parkett zu schonen. Und: Ohne Saal ist alles anders. „Meines Erachtens funktioniert der Karneval in Süplingen nur auf dem Saal. Die urige Stimmung ist wichtig für uns. Wir brauchen die Nähe zum Karneval“, betont Uwe Urban.

Weniger Spielraum haben die Uthmödener vom Uthra-Verein, der den jährlichen Karnevalsumzug in der Ortschaft organisiert. „Seit 14 Jahren ist der Umzug hier Tradition“, sagt Vereinsvorsitzender Fabian Girmann. Die Uthmödener haben keine Prunksitzungen, keinen Saal. Den Umzug kann man jedoch nicht von den Straßen des Ortes verlegen.

Der Vorsitzende ist wenig optimistisch: „Wir haben mehrmals beraten, was wir machen. Es gibt noch keine endgültige Absage, aber ich denke, es wird wohl ausfallen.“ Der Vereinsvorsitzende befürchtet vor allem, dass es nach einem Jahr Pause schwer wird, die Menschen wieder für den Karneval zu animieren.

Obwohl der Aschermittwoch das Ende der Karnevalszeit beschließt, ist es für die Uthmödener eine Tradition, ihren Umzug durchs Dorf am Wochenende danach zu feiern. In diesem Jahr fiel das Datum auf den 29. Februar. Einige Wagen im Tross beschäftigten sich bereits mit der Corona-Krise. Scherzhaft wurden Mund-Nasen-Masken verteilt. Bis dato wusste niemand, dass nur vier Wochen später der Lockdown in Deutschland verhängt werden würde. Und niemand hätte zu diesem Zeitpunkt gedacht, dass die Session 2020/21 auf der Kippe stehen könnte.