Neuenhofe l Jeder Interessierte habe die Möglichkeit, im Internet, in Büchern, Filmdokumentationen oder in Ausstellungen detailliert etwas über die Grenzübergangsstelle Marienborn zu erfahren. „Aber der Kontrollposten 38, gleich an der Autobahn, ist heute fast vergessen.“ Der Neuenhofer Heimatforscher habe hier einst seinen Polizeidienst versehen und erinnert sich an den Kontrollposten.

Wer heute auf der Autobahn 2 in Richtung des ehemaligen Grenzüberganges Marienborn fahre, würde links und rechts hinter der letzten Brücke nur Wiesen und Wälder sehen. „Doch vor der Wende war hinter dieser Brücke auf der rechten Seite ein längeres Gebäude, auf dem Grünstreifen in der Mitte beider Fahrbahnen stand ein großer Wachturm und davor, den Fahrspuren zugeordnet, zwei Postenhäuschen.“

An der Brücke zwischen Morsleben und Marienborn seien große Schilder angebracht worden. Sie hätten die jeweilige Fahrspur für die Benutzer der Autobahn in Richtung Westen angezeigt. „Links hieß es ‚Transit aus Richtung Westberlin‘, rechts sei die Spur für den ‚grenzüberschreitenden Verkehr und die letzte Abfahrt ins Grenzgebiet‘ angezeigt worden.“ Manch Autofahrer habe sicherlich auch nicht die vielen weiß-roten Verkehrskegel vergessen, die hinter dieser Brücke standen. „Mehrere Ampeln standen an den Postenhäuschen und am Betonwachturm. Und zusätzlich auf der linken und rechten Fahrbahn eine Schrankenanlage“, erinnert sich Hartmut Jahn. Auf der rechten Fahrbahn, der sogenannten Nordbahn, sei die Schranke generell geschlossen geblieben, so das nur die linke Transitspur geöffnet war. Nach Abstimmung zwischen Wachturm und Posten hätten die kontrollierten Fahrzeuge im grenzüberschreitenden Verkehr nach der Öffnung der Schranke die rechte Spur befahren können, bis sie sich ein paar hundert Meter weiter zur Vorkontrolle des Grenzübergangs neu einordnen mussten.

Im Gebäude des Kontrollpostens 38, ein barackenähnlicher Flachbau, habe sich Schulungsraum, Küche, Büroraum, Sanitäranlage, Gewahrsam und ein Raum für die „Transitüberwachung“ befunden. Auffällig sei auch der hohe Sendemast aus Metall gewesen, der direkt hinter dem Haus stand.

„Dieser Kontrollposten wurde von Polizisten im Schichtbetrieb rund um die Uhr besetzt. Mindestens fünf Polizisten wurden in Tag- und Nachtschicht mit jeweils 12 Stunden Dienstzeit eingesetzt, damit sie sich zu den Pausen auch ablösen konnten.“

Ein verantwortlicher Polizist, mindestens vom Dienstgrad Meister oder Obermeister, später Offizier Unterleutnant oder Leutnant, habe ständig während der Schicht auf dem Turm und die anderen Posten an den Fahrbahnen gesessen.

Der Schichtleiter stand direkt in Verbindung mit dem Kommandanten oder Zugführer der Grenzeinheit, bei Dienstbeginn erfolgte immer ein telefonischer Kontakt.

Täglich nach Schichtende fuhr ein Auto vom Volkspolizei-Kreisamt Haldensleben die eingesetzten Kräfte zu ihren Wohnorten zurück und holte zum Schichtwechsel die neuen Kräfte ab.“

Damals hätten die Bürger von Morsleben, Marienborn oder die Mitarbeiter der Grenzübergangsstelle zusätzlich an zwei Kontrollposten mit Häuschen vor dem Ort Morsleben und am Wald neben dem Kontrollposten 38 vorbei gemusst.

Wer dort von den Polizeiposten kontrolliert und keine gültigen Papiere dabei hatte, sei ganz schnell als möglicher „Grenzverletzer“ betrachtet worden. „Wenn die Person nicht aus dem damaligen Kreis Haldensleben kam, wurde sie zur weiteren Vernehmung durch die Kriminalpolizei nach Haldensleben gebracht.“

Für die Bewohner von Morsleben und den anderen Grenzdörfern sei es auch nicht immer glimpflich ausgegangen, wenn sie mal ihren gültigen Passierschein vergessen hatten. „Dann kam es darauf an, wer der jeweilige Polizist auf dem Posten war“, erinnert sich Jahn. Der eine habe schnell passieren lassen, ein anderer habe ein sogenanntes Ordnungsstrafverfahren daraus gemacht.

Für „Wanderer“ die sich nicht in diesem Bereich auskannten, habe es sehr gefährlich werden können, wenn sie querfeldein liefen, denn schnell hätten sie in die vorhandenen Hunde-Trassen geraten können.

In Höhe des Kontrollpostens Morsleben und dem Kontrollposten 38 habe es insgesamt drei Trassen mit unterschiedlicher Länge gegeben. Die Hunde seien jeweils an einem Lauf- seil angebunden und liefen bis auf kurze Distanz zum jeweils nächsten Hund. Auf Grund des geringen Kontaktes zu Menschen seien die meisten Tiere sehr aggressiv gewesen und hätten einen Unbekannten sofort angefallen.

„Nur der jeweilige Hundeführer, der sich um diese armen Hunde kümmerte und sie mit Wasser und Futter versorgte, kam an die Tiere unbeschadet heran.“

Auf Grund der monotonen Lebensweise dieser Tiere hätten sie auch ab und zu gesundheitliche Probleme bekommen. Hunde mit der „Trassenmacke“ seinen dann ausgesondert worden.

Eine reale Chance, den „Eisernen Vorhang“ zu überqueren, habe nicht bestanden. Abgesehen von den Polizisten an den Kontrollposten, seien in der „Sperrzone“ ja noch die Grenzaufklärer, der Abschnittsbevollmächtigte mit seinen freiwilligen Helfern in den Grenzdörfern unterwegs gewesen.

Die Aufgaben der Polizisten am Kontrollposten 38 an der Autobahn seien damals vielseitig gewesen. Wie Hartmut Jahn berichtet, hätten sie Kontrollaufgaben entsprechend der Grenzordnung, der Straßenverkehrsordnung, im Streifendienst an der Seite der Autobahn bis zum nächsten Parkplatz und vieles mehr zu erfüllen gehabt. Nach seinen Erinnerungen sei es stets darauf angekommen, dass es im Abschnitt des Kontrollpostens 38 nicht zu „Vorkommnissen“ kam. Ende der achtziger Jahre sei in der Senke zum Grenzübergang Marienborn ein „rollender Rammbock“ auf der Nordbahn aufgestellt worden, um noch vor dem eigentlichen Grenzübergang einen gewaltsamen Durchbruch mit einem Fahrzeug zu verhindern.

„Innerhalb des Grenzüberganges befand sich kurz vor der offiziellen Grenze zu Westdeutschland ebenfalls ein solcher Rammbock. Im Grenzmuseum Marienborn kann ein solches Fahrzeug besichtigt werden.“