Haldensleben l Anketten, hochziehen, beiseitelegen. Anketten, hochziehen, beiseitelegen. Im Halbminuten-Takt zieht ein Bagger auf der ehemaligen Mülldeponie an der B71 bei Haldensleben die meterlangen Stahlträger aus dem Erdboden, als wären es Streichhölzer. Hunderte Träger sind es, die herausgezogen werden müssen. Sie sollten eigentlich Solarmodule tragen.

Doch daraus ist nichts geworden. Erst versagte das Landesverwaltungsamt als Aufsichtsbehörde über die „Deponie in der Stilllegungsphase“ die Genehmigung für die Errichtung von Solaranlagen und ordnete im Juli 2012 einen Baustopp an. Unter anderem auch, weil es bei den bereits begonnenen Arbeiten zu „enormen Beschädigungen an der Deponie“ gekommen sei, wie es eine Sprecherin des Landesverwaltungsamtes damals formulierte.

Klage wurde abgewiesen

Der Landkreis klagte gegen die Verfügung des Landesverwaltungsamtes und wurde selbst wiederum vom Investor auf Schadensersatz verklagt. Doch mit der Insolvenz des Investors Ende 2016 waren alle gerichtsanhängigen Rechtsstreitigkeiten hinfällig, zuvor hatte der Landkreis einen Teilerfolg vor Gericht erzielen können – das Gericht hatte die Schadensersatzforderungen der Walter Konzept aus dem baden-württembergischen Ellwangen-Killingen abgewiesen. Damit war auch das Thema Solarstrom auf der Deponie erledigt.

Seit Mitte Juli nun laufen die Arbeiten zur Rekultivierung der ehemaligen Hausmülldeponie. Etwa sechs Hektar umfasst das Gelände, das von der Strabag Umwelttechnik mit Sitz in Bremen hergerichtet wird. Dazu gehört zunächst das Entfernen der Stahlträger und das Verfüllen der Löcher. Anschließend soll die Oberfläche endgültig abgedichtet werden.

Kleinannahmestelle wird nicht behindert

„Die Kommunalservice Landkreis Börde AöR als öffentlich rechtlicher Entsorger ist gemäß des Gesetzes zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und Sicherung der umweltverträglichen Bewirtschaftung von Abfällen zum Abschluss und zur Rekultivierung der Deponie Haldensleben verpflichtet“, erklärt dazu Danny Schonscheck, Leiter des Fachdienstes Wirtschaft in der Kreisverwaltung.

Stahlträger werden verkauft

Die dafür erforderlichen bau- und baubegleitenden Maßnahmen seien mit demLandesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt, abgestimmt worden, so Schonscheck weiter. „Die geplanten Rekultivierungsleistungen umfassen die abschließenden Maßnahmen zur endgültigen Stilllegung und sicheren Verwahrung des Abfallkörpers. Die geplanten Baumaßnahmen beinhalten auch den Rückbau der Photovoltaikanlage und Stahlaufständerungen“. Die Stahlträger sollen laut Schonscheck später zu Geld gemacht werden.

Bis Mitte des Jahres 2020 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Zu den Kosten dafür äußert sich Schonscheck nicht. Nur soviel: „Die Aufwendungen für diese Maßnahme wurden bereits in den Vorjahren über die Abfallgebühren zweckgebunden auf der Grundlage der kommunalrechtlichen Vorschriften angesammelt.“

Um den Anlieferungsverkehr auf der benachbarten Kleinannahmestelle nicht zu beeinträchtigen, wurde für die Durchführung der Baumaßnahmen eine gesonderte Baustelleneinfahrt eingerichtet. Darüber hinaus wurden auf der Bundesstraße 71 in diesem Bereich aus Sicherheitsgründen die Geschwindigkeit auf 70 km/h begrenzt und das Hinweisschild „Vorsicht Baustelle“ aufgestellt.