Rätzlingen l „Auf der letzten Stadtratssitzung wurde festgelegt, dass die Ortschaftsräte der betroffenen Drömlingsorte ihre Meinung zum Biosphärenreservat sagen sollen“, erklärte Wilhelm Behrens (WG Sport), Ortsbürgermeister von Rätzlingen, bei der jüngsten Zusammenkunft des Ortschaftsrates.

Naturparkleiter Fred Braumann war anwesend, um Frage und Antwort zu stehen. „Es müssen laut UNESCO alle beteiligten Kommunen zustimmen, wenn nur eine Nein sagt, wird es das Biosphärenreservat nicht geben. Bei einem Ja wird ein Staatsvertrag mit Niedersachsen ausgehandelt, damit die Finanzierung geregelt wird und festgelegt wird, welche Projekte umgesetzt werden“, erklärte Braumann. Nach den Ausführungen des Parkleiters muss an der Schutzgebietskulisse nichts verändert werden. „Wir haben 35 000 bis 40 000 Hektar Fläche. 30 000 Hektar brauchen wir nur“, erklärte er und zeigte auf der Karte die verschiedenen Schutzzonen.

Staatsvertrag mit Niedersachsen geplant

Behrens wollte wissen, wie die Finanzierung vonstatten geht. Braumann erläuterte, dass Naturschutz grundsätzlich Ländersache sei. „Es kommen keine Kosten auf die Gemeinden zu. Im Gegenteil – wir hoffen, dass durch die Wertschöpfung nach und nach Gewinn reinkommt. Niedersachsen stellt nicht in Frage, dass der Verwaltungssitz in Oebisfelde sein wird. Sie wollen auch kein eigenes Landespersonal einbringen, würden aber für Tourismus und Landwirtschaft entsprechend zahlen. Das wäre die Gelegenheit, Geld von Niedersachsen zu kriegen, um diese Bereiche zu stärken“, erläuterte Braumann.

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Der Naturschutz bliebe so oder so. „Die Verordnung, das Landschaftsschutzgebiet und das europäische Gebiet nach Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie sind da, ob es das Biosphärenreservat gibt oder nicht. Wenn man so einen hohen Schutzstatus – wie wir jetzt – hat, dann kann man den nicht zurückdrehen. Aber wenn es schwieriger mit der Verteilung der EU-Mittel wird, hätten wir mit dem Status Biosphärenreservat größere Chancen, dass die Landwirte auch noch ihre Ausgleichszahlungen bekommen“, betonte der Naturparkleiter.

Ortschaftsrat Jörg Lauenroth-Mago (Bündnis90/Die Grünen) sieht Möglichkeiten für den Tourismus und vor allem für Gastronomie und Übernachtungen. „Das passiert nicht von allein. Wir kriegen nicht gleich ein Hotel für 100 Leute, aber im Kleinen, wie es jetzt in Piplockenburg läuft, kann es funktionieren. Einen Antrag haben wir jetzt von einem Gastwirt aus Breiteiche“, sagte Braumann. Dazu wäre ein Tourismusmanager nötig, der sich intensiv um solche Förderungen kümmert.

Storchpopulation ist angestiegen

„Was hat sich im Naturschutz in den letzten 26 Jahren für Rätzlingen verbessert?“, wollte Günter Krusche aus Rätzlingen wissen. Braumann zählte seltene Tierarten wie Drosselrohrsänger, Schilfrohrsänger und Seeadler auf, die 1990 ausgestorben waren und sich nun wieder angesiedelt haben. Arten wie Moorfrosch, Laubfrosch und Grasfrosch, hätten sich so stark vermehrt, dass die Weißstorchpopulation von 30 Paare 1990 auf jetzt 48 Paare gestiegen ist. „Aber wir haben auch Problemarten, wie den großen Brachvogel. Im Rätzlinger Drömling haben wir noch den besten Bestand von zwei bis vier Paaren“, beschrieb Braumann. „Die Vögel wollen wir nicht zählen“, entgegnete Krusche. Er kritisierte die vom Naturschutz verordneten Maßnahmen.

Hermann Böttcher aus Rätzlingen wollte wissen, ob es im Rahmen des Biosphärenreservates möglich wäre, den Radweg von Etingen nach Oebisfelde auszubauen. Braumann gestand, dass er sich mit dem neuen Punktesystem, um in die Priorität für den Radwegebau zu kommen, noch nicht beschäftigt hat. Als Beispiel nannte der Parkleiter einen Radweg bei Buchhorst, der mit Naturschutzgeldern gebaut wird, um die Informationsstelle in Buchhorst aufzuwerten. „Wenn wir Biosphärenreservat sind, können wir uns in Managerfunktion intensiv auch für solche Projekte engagieren“, erklärte er und zeigte auf der Karte, wo der große Drömlingsradweg lang gehen soll.

Zahlungen für Landwirte im Drömling schmelzen

Ortschaftsrat Edwin Wietig (UGW) kritisierte: „Man nimmt die Landwirte nicht genügend mit. Es ist nicht geklärt, wo die Bauern Grünlandausgleich oder Fördergelder herkriegen. Erst müssen Fördermittel für die Landwirte her! Das Pferd wurde falsch herum aufgezäumt.“ Braumann argumentierte dagegen: „Wir haben auch schon in der Vergangenheit viel mit den Bauernverbänden diskutiert. Sie haben sich aktiv mit ins Eckpunktepapier eingebracht. Dadurch sind ja die Forderungen erst gekommen. Es fließen derzeit 2,5 Millionen Euro an Ausgleichszahlungen an die Landwirte in den Drömling. Es schmilzt jedoch ab.“

Gemeinderatsmitglied Lars Velten (UWG Feuerwehr) fragte: „Warum wollen Sie jetzt erst anfangen, die Grünlandnutzung flexibler zu gestalten?“ Die festen Termine sind in der Naturschutzgebietsverordnung von 2005 geregelt. „Da sind wir in gewisser Weise durch die FFH-Vorgaben dran gebunden. Um das zu verändern, brauchen wir einen triftigen Grund. Mit dem Reservat hätten wir den Ansatz, das Zusammenspiel Mensch und Biosphäre zu fördern“, so der Parkleiter.

Mit drei Ja- und drei Nein-Stimmen sowie einer Enthaltung lehnte der Rat die Pläne für das Biosphärenreservat ab. Behrens betonte, dass letztendlich der Stadtrat entscheiden wird.