Piplockenburg/Mannhausen l Aus allen Himmelsrichtungen kommen sie bei Einbruch der Dunkelheit angeflogen: Saatgänse, Blessgänse und Graugänse. Die Schwärme, die in diesen Tagen in der Flachwasserzone in Piplockenburg Rast machen, bestehen aus vielen tausend Vögeln. Das Geschnatter ist dementsprechend laut.

In pfeilförmigen Flug-Formationen landen immer wieder neue Trupps. Im Drömling finden Flugensemble zusammen, um auf ihrem Weg vom Brutquartier ins Überwinterungsgebiet Kraft zu tanken. Die Flachwasserzone dient als Schlafplatz. „Seit etwa eineinhalb Wochen sind auch Saat- und Blessgänse dabei“, erklärt Nicole Eckhardt von der Naturwacht des Reservates.

Der beste Zeitpunkt, um das Spektakel – den Abflug vom Schlafplatz – zu beobachten, sei allerdings die Morgendämmerung. „Dann sind etwa 3000 bis 3500 Gänse zu sehen. Die Mehrheit sind Saatgänse“, weiß die Naturwächterin und bringt das Beobachtungsfernrohr in Position.

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Zur Vogelschar gehören auch 500 bis 600 Graugänse, die aber das ganze Jahr über im sogenannten Land der tausend Gräben zu beobachten sind.

„Warum machen die Vögel so ein Spektakel?“, möchte der siebenjährige Til aus Haldensleben wissen. Die Antwort darauf hat die Naturwächterin. „In Familien kommen die Gänse aus ihren Brutgebieten hierher. Sie verlieren sich in dem Durcheinander. Durch Stimmäußerungen können die alten Vögel ihre Jungen erkennen. Die Familien trennen sich erst im nächsten Frühjahr, wenn sie wieder in ihrer Brutheimat ankommen“, erklärt sie.

Mit etwas Glück gibt es auch Zwerggänse, Kurzschnabelgänse und Ringelgänse zu bewundern. Auch Schwäne und Kormorane gesellen sich dazu. Nicole Eckhardt versichert, dass in den nächsten Tagen noch viele Rastvögel dazu kommen. Sie erzählt, dass sie schon am Morgen in der Flachwasserzone Gänse beobachtet habe. „Da kam ein Seeadler. Alle anderen Vögel flogen auf. Die Gänse sind dann auch vorsichtig und bleiben in den großen Trupps“, weiß die Naturexpertin. Als eine Art „Gesundheitspolizei“ hat es der Seeadler auf geschwächte und kranke Tiere abgesehen. „Wenn es noch kälter ist, hat man hier auch manchmal schon bis zu vier Seeadler beobachtet“, berichtet sie.

Zu den Teilnehmern der Exkursion gehört auch eine Gruppe von Krankenschwestern. „Eigentlich wollte ich nur einen Tisch bei Germers in Pip- lockenburg bestellen. Da hieß es, dass alle Plätze für die Teilnehmer der Gänseexkursion reserviert sind. Und so kam es, dass wir heute mit wandern und anschließend essen gehen“, erzählt Andrea Gensecke. Die Krankenschwestern verbringen regelmäßig auch Stunden ihrer Freizeit miteinander, um den Zusammenhalt zu stärken und auch Geburtstage gemeinsam zu feiern.

Beeindruckt vom Naturschauspiel ist auch Heike Schwarzmeyer. „Warum landen die Kraniche nicht hier?“, möchte die Stendalerin wissen. Den Kranichen sei es jetzt in der Flachwasserzone viel zu laut. Sie haben sich andere Wasserflächen zum Schlafen gesucht.

Nun ist es fast dunkel, riesige Gänseschwärme lassen den Himmel schwarz werden, das Gekreische wird immer lauter. Das Spektakel geht nach den Erfahrungen der Naturfreunde bis weit nach Mitternacht. Einige der Wanderer stärken sich nach der Tour mit einem Braten von Hausgänsen im Gasthaus der Familie Germer. Das Beobachtungsholzhäuschen an der Flachwasserzone steht immer für Naturfreunde offen.

Die nächste Rastvogelexkursion ist für Freitag, 23. Oktober, um 16.30 Uhr geplant. Ein morgendlicher Gänseabflug mit fachkundiger Führung findet am Sonntag, 25. Oktober, um 7 Uhr statt. Anschließend gibt es ein Frühstück, um gemeinsam das Erlebte einwirken zu lassen. Treffpunkt ist jeweils an der Kanalbrücke in Piplockenburg.

Wer eine fachkundliche Führung möchte, kann Kontakt mit Mitarbeitern der Reservatsverwaltung unter Telefon 039002/850 11 aufnehmen.