Aktionsgruppe

Droht das Aus für die Gruppe „Rund um den Drömling“?

Von Anett Roisch
Das Naherholungsgebiet Grieps am Rand des Drömlings in Calvörde soll touristisch mit Unterstützung der Lokalen Aktionsgruppe ?Rund um den Drömling? weiter entwickelt werden.
Das Naherholungsgebiet Grieps am Rand des Drömlings in Calvörde soll touristisch mit Unterstützung der Lokalen Aktionsgruppe ?Rund um den Drömling? weiter entwickelt werden. Foto: Anett Roisch

Calvörde/Weferlingen

„Es ist eine ganz komplizierte Geschichte. Vor etwa einem Jahr ist von der Landesregierung eine Diskussion entfacht worden, die zwei Punkte zum Inhalt hat“, sagte Gerhard Reinecke aus Wegenstedt, Vorsitzender der Lokalen Aktionsgruppe „Rund um den Drömling“.

Zum einen ginge es - nach seinen Ausführungen – um die Organisation. Die LAG seien „lockere Gebilde, die keinen Rechtsstatus haben und deshalb auch keine eigenen Rechtshandlungen vollziehen dürfen. In Zukunft soll es so sein, dass sich die Organisationsstrukturen verändern.

Maßgabe dabei sei, dass es Rechtspersonen werden. „Das heißt also, es müssten eingetragene Vereine oder Genossenschaften sein. Es sollen also juristische Persönlichkeiten auf den Weg gebracht werden“, erklärte der Vorsitzende.

Gebietskulisse ist der Knackpunkt

Der Knackpunkt dabei ist die Diskussion um die sogenannte Gebietskulisse. Zielstellung dabei sei, die gegenwärtige Zahl der Lokalen Aktionsgruppen – derzeit gibt es 23 dieser Gruppen in Sachsen-Anhalt – auf die Anzahl der Landkreise zu reduzieren.

Aus diesem Grund haben sich verschiedene Strömungen entwickelt. Es gäbe zum Beispiel eine Initiative vom Landrat des Altmarkkreises Salzwedel, Michael Ziche (CDU). Er mache sich dafür stark, nur noch eine einzige große LAG-Gruppe in der Altmark zu bilden. Dazu sollte dann auch die Stadt Gardelegen mit all ihren Gebieten gehören. „Die Stadt Gardelegen war so lange bei uns in der LAG ,Rund um den Drömling. Das Ausscheiden hätte aber die Konsequenz, dass unsere LAG einfach nicht mehr existieren kann. Wenn sich der Gardelegener Teil verabschiedet, dann reichen die Einwohnerzahlen eventuell nicht aus“, schilderte Reinecke.

Die LAG „Rund um den Drömling“ wurde 2006 gegründet, um mit einer lokalen Entwicklungsstrategie Projekte in und für die Region Drömling unter Ausschöpfen von staatlichen und EU-Fördermitteln voranzubringen.

Derzeit besteht die Gemeinschaft aus Vertretern der Stadt Klötze, der Gemeinde Calvörde, der Einheitsgemeinde Stadt Oebisfelde-Weferlingen und Teile der Hansestadt Gardelegen. Dazu gehören Vertreter der Biosphärenreservatsverwaltung Drömling Sachsen-Anhalt, des Zweckverbandes Naturschutz Drömling, von Vereinen und Kirchengemeinden sowie Privatpersonen.

Viele LEADER-Projekte konnten im Drömling umgesetzt werden. Dazu zählen der Anbau des Saals und die Modernisierung der Außenterrasse der Drömlingsklause in Piplockenburg und Sanierungsarbeiten am Schloss in Dorst. Geplant ist unter anderem, das Naherholungsgebiet Grieps in Calvörde weiter touristisch zu erschließen.

Mit der neuen Förderperiode von Mitte 2021 bis 2027 sollen neue Zeiten anbrechen.

Vor zwei Wochen habe Reinecke an einer Stadtratssitzung in Klötze teilgenommen und dafür geworben, dass Klötze in der LAG bleibt. „Es steht unheimlich viel auf dem Prüfstand. Parallel gibt es mehrere Hilferufe“, sagte der LAG-Vorsitzende.

Hans-Werner Kraul bittet Umweltministerin um Hilfe

Einen Brief als Hilferuf schrieb Hans-Werner Kraul (CDU), Bürgermeister der Einheitsgemeinde Oebisfelde-Weferlingen, an Claudia Dalbert (Bündnis 90/Die Grünen), der Ministerin für Umwelt, Landwirtschaft und Energie des Landes Sachsen-Anhalt. Darüber informierte Kraul bei der jüngsten Sitzung des Stadtrates. Im Schreiben bat Kraul um die Unterstützung beim Kampf für den Erhalt der LAG. Im Brief heißt es: „Sie wissen besser als jeder andere Mensch um die segensreiche Wirkung unserer LAG für Mensch und Umwelt. Umso bedauerlicher ist es, dass durch Initiativen aus dem Altmarkkreis Salzwedel dieses Gebilde zerschlagen werden soll.“ Dies werde – aus Krauls Sicht – die Wirkung des Biosphärenreservates einengen. Der Bürgermeister bat die Ministerin, gemeinsam nach einer Lösung für den Erhalt der Aktionsgruppe zu suchen. Kraul hofft, nicht nur als Bürgermeister der Einheitsgemeinde, sondern auch als Mitglied des Beirates der Biosphärenreservatsverwaltung Drömling, dass für die LAG noch nicht alles verloren sei.

Viel Hoffnung auf Hilfe von der Ministerin hat Reinecke nicht. „Wir müssen uns selbst helfen“, appellierte der Wegenstedter. Das Optimale wäre – seiner Meinung nach – der Erhalt der LAG „Rund um den Drömling“ in den gegenwärtigen Strukturen. „Der Drömling ist das länderübergreifende UNESCO-Biosphärenreservat. Die dafür prädestinierte LAG darf nicht aufhören zu existieren, denn der Drömling ist ein Rohdiamant, der die LAG zum Leuchten bringen kann“, betonte der Vorsitzende. Eine Trennung des Gebietes mag sich Reinecke gar nicht erst vorstellen. Klares Ziel sei, für den Erhalt der Strukturen zu kämpfen.