Althaldensleben l Bei dem Treffen zugegen waren Vertreter regionaler Unternehmen und Einrichtungen, Landrat Martin Stichnoth, Haldenslebens stellvertretende Bürgermeisterin Sabine Wendler sowie Vertreter der Gesellschaft Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt (Nasa) und zweier Autohäuser. „Unser Ziel ist es, gemeinsam mit unseren Partnern die Elektromobilität in der Stadt Haldensleben und im Landkreis Börde voranzubringen“, erklärte Detlef Koch als Geschäftsführer der Stadtwerke. Durch die Veranstaltung im Innovationszentrum sollten alle Beteiligten an einen Tisch gebracht werden: Die Eigentümer von Fahrzeugflotten, Vertreter der Autoindustrie, Entscheider in Sachen Fördermittel und Vertreter der öffentlichen Verwaltungen. Mitarbeiter von Haldenslebens Digitalisierungszentrum nahmen an dem Workshops ebenfalls teil.

„Elektromobilität passt zu unserem Kerngeschäft. Wir sind der Netzbetreiber und verfügen über das nötige Know-how“, erklärte Antje Streck von der Marketingabteilung der Stadtwerke. Das Thema ist für das kommunale Unternehmen auch keineswegs neu. In der Stadt existieren bereits 18 Ladepunkte, darunter eine Schnellladesäule. Wie Detlef Koch informierte, soll 2019 eine weitere Schnelladesäule gegenüber dem Rathaus dazukommen. Derzeit hat Haldensleben die beste Infrastruktur in Sachsen-Anhalt. Wie Landrat Martin Stichnoth betonte, ist auch die Hohe Börde im Hinblick auf Ladesäulen gut aufgestellt. Aber bei den Fahrzeugen ist Luft nach oben.

405 E-Fahrzeuge im Landkreis

Im Zusammenhang mit dem Workshop haben die Stadtwerke das Reiner-Lemoine-Institut (RLI) aus Berlin beauftragt. Das hat es sich auf die Fahne geschrieben, die Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Energien wissenschaftlich zu begleiten. Wie ein Vertreter des RLI mitteilte, sind im Landkreis Börde derzeit 405 reine E- und Hybrid-Fahrzeuge zugelassen. In Bezug auf Sachsen-Anhalt ist das gut. Laut Sascha Hanf von der Nasa sind derzeit 860 reine Elektro-Autos im Bundesland unterwegs. Hinzu kommen 876 Fahrzeuge mit Hybrid-Antrieb. Im Vergleich zu 2018 ergibt das einen Zuwachs von 59 Prozent. Der Wermutstropfen: Im Vergleich mit den anderen Bundesländern belegt Sachsen-Anhalt Platz 14.

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Das soll sich ändern. „Wenn wir die Tageszeitungen aufschlagen, vergeht fast kein Tag, an dem es keine neuen Meldungen auf den ersten Seiten zum Thema Elektromobilität gibt. Ich meine, wir sprechen hier von einem Megatrend“, betonte Detlef Koch. „Die Experten gehen davon aus, dass bis 2030 7,5 bis 10 Millionen elektrisch angetriebene Fahrzeuge in Deutschland zugelassen werden. Die Automobilindustrie investiert in den nächsten Jahren Milliarden Euro, um die Entwicklung der E-Fahrzeuge voranzutreiben.“ Die Stadtwerke stünden bereit, um „das Projekt Mobilitätswende in Haldensleben zu einer Erfolgs­story werden zu lassen“. Derzeit hat das Unternehmen bereits ein E- und zwei Hybrid-Autos in seiner Flotte. Ab 2020 solle der Bestand konsequent weiter umgestellt werden. Dass das keineswegs selbstverständlich ist, zeigte eine Umfrage des RLI. Demnach gaben vier der teilnehmenden Betriebe an, Elektrofahrzeuge zu besitzen.

Doch auch Landrat Martin Stichnoth verwies auf die Bedeutung von E-Mobilität. Der Landkreis Börde gehöre zu den wirtschaftlich stärksten Regionen in Sachsen-Anhalt. Die Zahl der Arbeitslosen sei, verglichen mit anderen Kreisen, gering. „Dass es unserer Region so gut geht, ist der Tatsache geschuldet, dass man sich um die Wirtschaft kümmert und auch um weiche Standortfaktoren.“ In diesem Zusammenhang brauche es aber auch Offenheit für innovative Ideen. Nur so könne der Landkreis „fit für die Zukunft“ gemacht werden. Nicht zuletzt wolle man junge Menschen und Familien in der Region halten. Dafür seien Digitalisierung und Elektromobilität wichtige Themen.

Stadtwerke wollen umstellen

Für die Kreisverwaltung könnten E-Fahrzeuge durchaus sinnvoll sein, beispielsweise für Fahrten zwischen den einzelnen Standorten. Insgesamt, so Martin Stichnoth, sei wahrscheinlich eine Mischung aus Elektro-Mobilität und konventionellen Antrieben vielversprechend. „Man sollte das Thema offen und motiviert angehen. Ich finde es gut, dass die Stadtwerke vorangehen“, so der Landrat. Er sprach sich dafür aus, dass es nicht bei einem einmaligen Workshop bleibe.

Die Vertreter der beiden Autohäuser stellten vor, welche Fahrzeuge es aktuell gibt und welche bald auf den Markt kommen sollten. Dabei gingen sie auf Leistungsfähigkeit, Reichweiten und unterschiedliche Ladetechnologien ein.

Sascha Hanf von der Nasa sprach unter anderem von Fördermöglichkeiten. Allerdings entscheidet seine Gesellschaft nur beim Bau von Ladesäulen, wer Fördermittel des Landes bekommt. Öffentliche Verwaltungen, Behörden und Unternehmen hätten jedoch die Möglichkeit, sich für eine Woche ein E-Auto zu leihen. So lasse sich feststellen, ob es zu den Betriebsabläufen passe.

Den Abschluss der Veranstaltung bildete eine Gesprächsrunde. Dabei wurde nach Einschätzung von Detlef Koch durchaus kontrovers diskutiert. Allgemein scheinen die Stadtwerke den Wunsch des Landrates zu beherzigen: Der Workshop soll keine Einzelveranstaltung bleiben. „Wir werden die Diskussion als Grundlage für weitere Gespräche mit der Stadt- beziehungsweise Kreisverwaltung sowie einzelnen Betrieben nutzen“, erklärte Antje Streck. Darüber hinaus werde das RLI ein Strategiepapier entwickeln.

Auch dem Thema Carsharing werde sich das Unternehmen widmen. Wie Detlef Koch informierte, haben sich die Stadtwerke für ein entsprechendes Pilotprojekt beworben. „Im August entscheidet sich, ob wir Teil der Modellregion werden“, so der Geschäftsführer.