Haldensleben l Günstigere Tickets für Veranstaltungen in der Kulturfabrik, reduzierter Eintritt im Rolli-Bad, kostenfreie beglaubigte Kopien vom Amt, dazu Rabatte im lokalen Schuhgeschäft oder ein Preisnachlass bei der Pizza-Bestellung. So könnten Vergünstigungen für engagierte Bürger der Stadt aussehen, wenn der Ehrenamtspass tatsächlich kommt.

Vorgeschlagen hat ihn die Bürgerbewegung HDL. Birgit Kolbe, die Vorsitzende der Stadtratsfraktion, begründet den Vorstoß so: „Die Bereitschaft für ehrenamtliches Engagement nimmt ab, gerade bei jüngeren Leuten“. Gleichzeitig sei das Engagement aber weiterhin wichtig. „Ohne Ehrenamtliche würde es hier traurig aussehen“, sagt Kolbe. Der Ehrenamtspass solle ein „Zeichen der Wertschätzung“ für diese Menschen sein. Einerseits. Es gehe aber auch darum, dass Ehrenamtliche durch den Pass „materiell profitieren“, betont Kolbe.

Orientiert hat sich die Bürgerbewegung mit ihrem Vorstoß an der Ehrenamtskarte der niedersächsischen Stadt Dinklage. Dort vergibt die Stadt die Vergünstigungskarten für zwei Jahre an Dinklager, die mindestens seit einem Jahr ehrenamtlich oder freiwillig in Organisationen, Vereinen oder Initiativen tätig sind und dafür nicht mehr als 50 Euro pro Monat als Aufwandsentschädigung erhalten. Die dortige Liste der Vergünstigungen für Karteninhaber ist lang: sie umfasst 46 Punkte. Aufgeführt sind Preisnachlässe bei diversen Geschäften: Zehn Prozent Rabatt im Weinladen, 15 Prozent im Schuhgeschäft. Nur die Hälfte zahlen Karteninhaber beim Besuch des dortigen Frei- und Hallenbads.

Sozialausschuss stimmt zu

Die Haldensleber Stadtratsfraktionen stehen dem Vorschlag aufgeschlossen gegenüber. Im Kultur- und Sozialausschuss war der Ehrenamtspass in der vergangenen Woche bereits Thema. Kritisch sahen die Ausschussmitglieder allerdings die Finanzierung des Projektes. Auch die stellvertretende Bürgermeisterin Sabine Wendler verwies auf die prekäre finanzielle Situation der Stadt durch die Corona-Pandemie, die voraussichtlich in den kommenden Jahren nicht besser werde.

Hingegen betonte Birgit Kolbe, der Pass könne zu einem beträchtlichen Teil von Händlern und Sponsoren finanziert werden. „Es geht auch nicht darum, dass Projekt zwingend 2021 zu starten. Aber wir sollten jetzt mit dem Thema anfangen“, sagte Kolbe.

Für den Tag des Ehrenamtes will die Verwaltung laut Wendler ohnehin eine Satzung erarbeiten, in der die Kriterien für eine solche Ehrung aufgenommen werden könnten. Der Vorschlag im Ausschuss war nun, den Ehrenamtspass in diese Satzung einzuarbeiten. Der Ausschuss beauftragte die Verwaltung schlussendlich, die Satzung für den Tag des Ehrenamtes mitsamt des Ehrenamtspasses zu erstellen. Die Mitglieder entschieden sich einstimmig dafür.

Auch für Jugendliche

Wer den Pass dann am Ende beantragen kann, hängt maßgeblich davon ab, welche Bedingungen die Verwaltung aufstellt. Die Bürgerbewegung schlägt vor, ihn anders als in Dinklage auch an engagierte Jugendliche unter 18 Jahren zu vergeben. Außerdem könnte der Pass nach Vorstellungen der Fraktion unabhängig vom Wohnort vergeben werden, allerdings muss sich die Person in Haldensleben engagieren. Und das regelmäßig und seit mindestens einem Jahr.

Die Stadt soll nach Überlegung der Fraktion die Kosten für die Herstellung des Passes sowie Werbekosten für die Bekanntmachung des Angebots übernehmen.