Bebertal l Umgeben von Wald, wird im Tagebau Dönstedt-Eiche seit 100 Jahren Hartgestein abgebaut. Dort, zwischen Süplingen (Stadt Haldensleben) und Bebertal (Gemeinde Hohe Börde), hat die betreibende Firma Norddeutsche Naturstein GmbH (NNG) mit Sitz in Flechtingen eine Erweiterung des Steinbruches beantragt.

Nötig ist diese laut des Unternehmens, um die Rohstoffgewinnung für weitere 35 Jahre zu sichern. Bei dem Tagebau handelt es sich um eines der nördlichsten Hartgesteinvorkommen. Jährlich werden an dem Standort 1,5 Millionen Tonnen Rohstoffe abgebaut, die beim Straßen- und Eisenbahnbau eingesetzt werden. Am Produktionsstandort sind 58 Mitarbeiter beschäftigt.

Die Erweiterung umfasst den Abbau von Hartgestein auf einer Fläche von knapp 25 Hektar am bestehenden Tagebau. Damit vergrößert sich der Standort auf 100 Hektar. Geplant sind laut des Unternehmens eine Vertiefung des Tagebaus um weitere drei Abbausohlen. Dafür müssen etwa 20 Hektar Wald weichen. Dieser wird jedoch laut NNG mit 46 Hektar – und damit mehr als doppelt so viel – wieder aufgeforstet. Die Ersatzpflanzungen sollen in verschiedenen Ortschaften in Haldensleben, der Hohen Börde, Flechtingen, Oebisfelde-Weferlingen und Gröningen geschehen.

Mit der Rodung des Waldes wird auch die dort lebende Tierwelt ausgelöscht. In den Plänen ist unter anderem von Tierarten wie Greifen und Großvögeln, Waldfledermäusen und Zauneidechsen die Rede, deren Lebensraum damit zerstört wird. Doch das Unternehmen teilt auch mit, dass unterschiedliche Biotope mit verschiedenen Lebensraumfunktionen geschaffen werden. Auch außerhalb des Tagebaus sollen laut NNG Biotope aufgewertet und ein Lebensraum für verschiedene Vogel- und Fledermausarten geschaffen werden.

Direkt betroffen von der Erweiterung ist die Siedlung Hüsig (Hohe Börde). Wo heute noch ein Mischwald ist, werden in ein paar Jahren die Bagger anrücken und nur hundert Meter vor den Häusern zum Stehen kommen. Denn bis dahin soll die Erweiterung des Tagebaus Dönstedt-Eiche künftig reichen.

Naturschutz ist beteiligt

Was nun begonnen hat, ist ein sogenanntes bergrechtliches Planfeststellungsverfahren. Dabei werden alle in ihrem Aufgabenbereich berührten Behörden, die Träger öffentlicher Belange sowie die in Sachsen-Anhalt anerkannten Naturschutzvereinigungen beteiligt. So hat sich beispielsweise auch der Landkreis Börde mit der Thematik beschäftigt. Das bestätigt Matthias Wilcke als Leiter des Natur- und Umweltamtes. „Erweiterungen solcher Steinbrüche gehören zum Tagesgeschäft“, sagt er. Es gebe „keine gravierend neuen Sachverhalte“, die der Unteren Naturschutzbehörde oder der Unteren Wasserbehörde aufgefallen wären.

Doch die Erweiterung von Abbaugebieten zulasten der Natur ruft auch immer Kritiker hervor. Als beispielsweise der Düngemittelhersteller Kali & Salz Zielitz seine Halde im vergangenen Jahr vorzeitig erweitern wollte, ging das nur über einen Deal mit dem Umweltverband BUND. Nun regt sich auch für die Erweiterung im Steinbruch Dönstedt-Eiche Kritik.

So hat beispielsweise Bodo Zeymer, Grünen-Stadtrat in Haldensleben, schriftlich Einspruch erhoben. Ihm geht es vor allem um den Natur- und Tierschutz. „An dieser Stelle soll ein kerngesunder Mischwald gefällt werden und an anderer Stelle aufgeforstet werden“, sagt er. Zeitgleich seien seltene Tierarten betroffen. „Es geht mir nicht um die Verhinderung ganzer Vorhaben, sondern um die sorgsame Prüfung der Schutzgüter, Menschen, Tiere, Pflanzen, Wasser, Boden und Klima.“

Auch ein Haldensleber Anwohner, Klaus-Dieter Albrecht, ist skeptisch. Er kritisiert die 56 Hektar große Wasserfläche, die nach Abbau des Natursteins entstehen soll. „Die Verdunstung des Niederschlags wird damit beschleunigt“, sagt er. Er sieht erhebliche Probleme des Grundwassers und das Trinkwassers auf die Region zukommen, wenn die Pläne in die Tat umgesetzt werden. „Wenn diese Fläche offen bleibt, ist das ein negativer Beitrag zum Klimawandel“, sagt er.

Noch bis zum Freitag, 6. November, können die Planungen auf der Internetseite des Landesamtes für Geologie und Bergwesen eingesehen werden. Bis dahin können Personen auch ihre Einwendungen beim Landesamt oder eine der betroffenen Gemeinden schriftlich Einwendungen gegen das Vorhaben erheben. Im Anschluss an die Frist wird es einen Erörterungstermin geben, wo die betroffenen Personen vorsprechen können.