Was ist Brafo überhaupt?

- Der Projektname Brafo steht für „Berufsauswahl richtig angehen frühzeitig orientieren“.

- Das Programm soll die Grundlage für den Berufseinstieg des Berufsnachwuchses in Sachsen-Anhalt bilden.

- Diese Berufsorientierung findet bereits seit 2007 an Sekundar- und Gesamtschulen statt, seit 2012 können auch Förderschulen dieses Angebot nutzen.

- Ziel ist es, die Schüler schon vor einer Berufsberatung ihre individuellen Fähigkeiten und Interessen erkennen zu lassen und diese mit Berufsfeldern abzugleichen.

- Schüler der 7. Klassen erhalten die Möglichkeit, ihre Interessen, Stärken und Neigungen zu analysieren und ihr Interesse in vier Berufsfeldern auszuprobieren (Modul I).

- Im Anschluss bietet Modul II ein zusätzliches einwöchiges Praktikum außerhalb der Schulzeit an, bei dem Ausbilder und Sozialpädagogen integriert sind.

- Jeder Landkreis hat einen Bildungsträger, im Landkreis Börde sind das sind das die Euro-Schulen Haldensleben und die Wirtschaftsakademie Rahn & Partner in Gröningen.

- Jeder Bildungsträger muss 12 Berufsfelder anbieten können, aus den sich die Schüler vier Interessengebiete heraussuchen können.

- Brafo wird gefördert aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds, des Landes Sachsen-Anhalt und der Bundesagentur für Arbeit.

Weferlingen l Vom landwirtschaftlichen Ausbildungsprogramm „Brafo“ hatten die heimischen Landwirte aus der Einheitsgemeinde Oebisfelde-Weferlingen noch nichts gehört. Bis zum gestrigen Freitag. Wirtschaftsförderer Peter Schorlemmer hatte sich für das erste Landwirte-Frühstück dieses Jahres zwei Gäste aus dem Amt für Landwirtschaft, Flurneuordnung und Forsten (ALFF) Dessau-Roßlau eingeladen. Genau genommen ist Friedegrund Müller seit dem 1. Februar allerdings schon im Ruhestand. Bis dahin hatte sie als erste Frau überhaupt das ALFF geleitet.

Im Rahmen eines Seminars hatte Peter Schorlemmer sie im vergangenen Jahr kennengelernt und nun nach Weferlingen eingeladen. Gemeinsam mit Ausbildungsberaterin Kristin Siegordner war Friedegund Müller gern der Einladung gefolgt, um von den Erfahrungen ihres ehemaligen Amtes mit dem Programm Brafo zu berichten.

Berufsorientierung für Siebtklässler

„Mit den Förderprogrammen ist das so eine Sache. Viele sind gar nicht bekannt“, sagte Friedegund Müller. Und dafür erntete sie zehnfaches zustimmendes Kopfnicken. Sie selber hatte auch eher zufällig davon erfahren.

Dabei geht es um eine einwöchige Berufsorientierung in den 7. Klassen von Gesamt- und Sekundarschulen, aber auch Förderschulen. Über Bildungsträger würden zwölf Berufsfelder angeboten, unter denen die Schüler vier zum Hineinschnuppern auswählen können. „Was man nicht kennt, kann man nicht wählen“, wussten die beiden Damen zu berichten. Sie machten sich stark dafür, dass landwirtschaftliche Betriebe eintägige, praxisnahe Einstiegsführungen in ihren Unternehmen anboten.

Viele Landwirtschaftsbetriebe stünden vor großen Nachwuchssorgen, fänden keine Auszubildenden, und wenn, dann würden rund 30 Prozent ihren Abschluss nicht schaffen. Das hatte bereits eine Studie aus dem Jahr 2002 ergeben. Im Ergebnis sah Friedegund Müller Handlungsbedarf.

Schüler kamen später zum Praktikum

2011 begannen in ihrem Amtsbereich betriebsübergreifende Lehrunterweisungen. Diese überörtliche Ausbildung sprach sich schnell herum, daraus konnte ein Pilotprojekt über die Berufsschule Wittenberg entwickelt werden.

2015, so berichtete Kristin Siegordner, hätten über das Brafo-Programm erstmals im Landkreis Wittenberg sechs landwirtschaftliche Betriebe teilgenommen. Von 570 über die Berufsorientierung angesprochenen Schülern entschieden sich 210 für die Landwirtschaft als einen möglichen Berufszweig ihrer späteren Laufbahn.„Das hieß, wir hatten an 29 Tagen Berufsorientierung bei den Landwirten vor Ort und richtig Stress“, resümierte Friedegund Müller. Doch der Aufwand hätte sich gelohnt.

Etliche Schüler kamen in der 8. Klasse zum Berufspraktikum wieder in die landwirtschaftlichen Betriebe. Sie stünden nun in den Betrieben auf einer Liste, wenn es darum geht, sich nach dem Schulabschluss für einen Auszubildenden zu entscheiden.

Interesse geweckt

Kristin Siegordner hatte für die Landwirte am Tisch im Sitzungsraum des Weferlinger Rathauses allerlei Materialien zu einem praxisnahen Tag mitgebracht. Schließlich könne man von den Erfahrungen der anderen nur profitieren und spare sich selbst viel Arbeit bei der doch aufwändigen Vorbereitung für solche direkten Berufsorientierungen.

Sabine Frost von der Agentur für Arbeit aus Haldensleben berichtete, dass es aus ihrer Erfahrung heraus solche speziellen Angebote in der Landwirtschaft im Landkreis Börde über das Programm noch nicht geben würde. Sie zeigte sich jedoch angetan davon und betonte die Regionalität der Angebote in solchen Fällen. Diesen Vorteil gelte es zu transportieren.

Wolfgang Köhler, Geschäftsführer des Bauernverbandes in der Börde, zeigte reges Interesse an den Ausführungen der ALFF-Mitarbeiterinnen aus Anhalt. Er hatte im Verlaufe der Brafo-Vorstellung zahlreiche Fragen notiert.

Jörg Stottmeister, Landwirt aus Bösdorf, hatte bei der Vorstellungsrunde zu Beginn bereits darauf hingewiesen, wie schwer es sei, Nachwuchs für landwirtschaftliche Berufe zu finden. Carl Köhler, Landwirt aus Siestedt, bemüht sich selbst aktiv um eine regelmäßige Lehrlingsausbildung und bildet derzeit auch selbst aus. Für solche Betriebe dürfte das Brafo-Programm zur Nachwuchsgewinnung in jedem Fall attraktiv sein, ist Peter Schorlemmer überzeugt.