Haldensleben l Ein Blick zurück zum April 2019: Mit Trillerpfeifen, roten Kreuzen, Plakaten und Seifenblasen protestierten Grundschüler, Lehrer, Erzieher und Schulsozialarbeiter vor dem Landratsamt in Haldensleben für den Erhalt der Schulsozialarbeiterstellen, die zum 31. Juli 2019 ausliefen.

Die Fördermittel aus dem Bundesprogramm „Bildung und Teilhabe“, mit denen ihre Stellen bisher finanziert wurden, waren ausgeschöpft. Durch die Unterstützung des Kreistages war es jedoch möglich die Schulsozialarbeit noch bis zum 31. Juli nächsten Jahres weiterzuführen.

Und wie geht es ab nächstem Jahr weiter? Diese Frage tauchte in der jüngsten Sitzung des Kreistages auf und beschäftigt auch Madeleine Mähnert, die Bereichsleiterin vom Paritätischen Sozialwerk Kinder- und Jugendhilfe. „Wir wissen nicht, wie es weitergeht“, erklärt Mähnert und wirkt dabei sehr besorgt. Durch das EU-Programm „Schulerfolg sichern“ werden die weiteren Schulsozialarbeiter finanziert. Dieses Programm schließe jedoch die Fortführung kommunal finanzierter Schulsozialarbeitsstellen aus. „Warum da ein Unterschied gemacht wird, verstehe ich nicht“, sagt Mähnert.

In den Schulen im Landkreis seien die Sozialarbeiter mittlerweile ein fester und wichtiger Bestandteil. „Es wäre fatal, wenn den Schülern die sozialpädagogischen Fachkräfte als verlässliche Ansprechpartner in Schule vor Ort fehlen würden. Wer würde sich dann um die Problemlagen der Kinder und Jugendlichen kümmern?“, so Mähnert. Zudem würde die über Jahre aufgebaute Netzwerkstruktur und gute Zusammenarbeit, mit der regionalen Netzwerkstelle Börde und weiteren lokalen Akteuren der Kinder- und Jugendarbeit verpuffen.

Es sei möglich, dass im nächsten Jahr wieder ähnliche Aktionen wie 2019 vor dem Landratsamt zu sehen seien. „Wenn es nicht anders geht, müssen wir die Öffentlichkeit auf die Gefährdung der acht Projekte im Landkreis aufmerksam machen“, so Madeleine Mähnert weiter.

Unsichere Zukunft

Aber auch für die anderen Schulsozialarbeiter, die durch die EU-Förderung finanziert werden, sieht es nicht besser aus. Bei ihnen ist die Zukunft nur bis zum 31. Juli 2022 abgesichert. Ann-Katrin Wiesner ist seit siebeneinhalb Jahren an der Grundschule Otto Boye in Haldensleben tätig. „Ich liebe die Arbeit. Mir war am Anfang gar nicht bewusst wie vielfältig diese Aufgabe ist“, erzählt die 34-Jährige. An jeder Schule seien die Bedürfnisse der Schüler ein bisschen anders. Trotz eines einheitlichen Aufgabenbereiches können die Schulsozialarbeiter auch individuelle Stärken einbringen. Da sie an einem Sportgymnasium war, macht Ann-Katrin Wiesner viel im Bereich der Bewegungslehre mit den Kindern.

Wichtig sei ihre Arbeit, da sie mit den verschieden Akteuren gemeinsam nach Lösungen sucht, damit die Kinder gerne zur Schule gehen. Auf der einen Seite ist sie für die Schüler eine Vertrauensperson und auf der anderen Seite unterstützt und entlastet sie die Lehrer und Eltern. „Es ist eine absolute Beziehungsarbeit. Mein Glück ist, dass ich schon so lange hier arbeite und ich mittlerweile von vielen Eltern weiterempfohlen werde.“

Für Wiesner ist die Unsicherheit ihrer Arbeitsstelle sehr belastend. „Damals als ich mich für diesen Beruf entschieden habe, war mir zwar klar, dass die Stellen auf zwei Jahre befristet sind. Aber ich möchte endlich ankommen. Dazu kommt, dass ich selbst einen vierjährigen Sohn, ein Haus und finanzielle Verpflichtungen habe.“

Ihre Verständnislosigkeit für die Situation ist groß: Sie müsse regelmäßig für die Beantragung neuer Projekt-ESF-Mittel ein Konzept erarbeiten, und begründen warum ihre Arbeit als Sozialarbeiterin benötigt wird. „Warum muss ich das noch immer erklären?“ Sie bekomme viel Unterstützung von ihrem Träger, aber es wäre doch etwas mehr Anerkennung und Unterstützung seitens der Politik wünschenswert.