Rottmersleben l In den vergangenen Jahren stand die Kreisstraße K1150 zwischen Rottmersleben und Bebertal, die sogenannte Birnenallee, immer wieder in den Schlagzeilen. Vor allem der teilweise über 100 Jahre alte Baumbestand bereitete Sorgen. Die Verkehrssicherungspflicht stand dem Bestrebungen, möglichst viele Bäume zu erhalten, gegenüber. Die Straßensperrung war Ende 2014 der entscheidende Schritt. Bis auf wenige Ausnahmen dreht sich hier kein Rad mehr, Autofahrer mussten den Umweg über Nordgermersleben nutzen.

Das soll sich nun bald wieder ändern, wie Karin Neuendorf, Leiterin des Eigenbetriebs Straßenbau und -unterhaltung des Landkreises Börde, bei einem Vor-Termin informierte. Demnach soll die Straße nach einigen noch notwendigen Baumpflegearbeiten im März dieses Jahres wieder geöffnet werden. Allerdings werden die Kraftfahrer, die diese Straße nutzen, weiterhin mit Einschränkungen leben müssen. Aufgrunddessen, weil die Bäume zu dicht am Straßenkörper stehen, muss die Geschwindigkeit auf 50 Kilometer pro Stunde begrenzt werden. Mit Ausnahme des landwirtschaftlichen Verkehrs wird die Straße für Lkw gesperrt bleiben.

Die Sperrung wurde damals vorgenommen, nachdem Mitarbeiter des Eigenbetriebes im Rahmen der Verkehrssicherungspflicht die Bäume kontrolliert hatten. Etwa 50 Bäume bekamen damals eine Fällmarkierung, die notwendige Fällgenehmigung der unteren und oberen Naturschutzbehörde blieb aber vorerst aus.

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Dafür aber hatten die Markierungen mächtig für Unruhe in Rottmersleben gesorgt, schließlich hatte der historische Baumbestand, vor allem an Birnenbäumen, nach Einschätzung des Naturschutzbundes Deutschland (NABU) einen für ganz Deutschland einzigartigen Charakter. Letztlich wurde bei einem Vor-Ort-Termin mit Vertretern der Ortschaft Rottmersleben, der Straßenverkehrsbehörde, des Straßenbau-Eigenbetriebs und der Naturschutzbehörde des Landkreises festgestellt, dass nicht alle der ursprünglich markierten Bäume akut gefährdet sind. Allerdings mussten die Bäume, die akut gefährdet waren, durch einen Gutachter bestimmt werden, um eine genaue Einschätzung geben zu können.

Schon im Januar 2015 drängte die Gemeinde Hohe Börde – nicht zuletzt im Sinne eines örtlichen Agrarbetriebes und der Nutzer des großen Holunderradweges, der hier entlangführt – auf eine zügige Entscheidung der übergeordneten Behörden. An der Straßensperrung änderte sich erst einmal nichts.

Gemeinde lehnt die Übernahme der Straße ab

Eine Diskussion zur Übernahme wurde dann etwa eineinhalb Jahre später im Gemeinderat und in dessen Ausschüssen geführt. Nach Aussage des Eigenbetriebs Straßenbau und -unterhaltung des Landkreises hatte die etwa fünf Kilometer lange Teilstrecke ihre Bedeutung als Kreisstraße verloren. Der Beschluss endete letztlich mit einer Ablehnung seitens der Gemeinderäte, denn die wussten auch um den schlechten baulichen Zustand. „So wie die Straße aussieht, war sie wohl letztmalig zu Napoleons Zeiten für den überörtlichen Verkehr bedeutsam“, formulierte der Ratsherr und damaligen Bebertaler Ortsbürgermeister Jens Ruhnke damals ironisch. Maßgeblich für das „Nein“ zur Übernahme seitens der Gemeinde war der Kostenfaktor für Pflege und Erhaltung. „Für die Sanierung/Bewirtschaftung der zusätzlichen Flächen stehen keine Kapazitäten zur Verfügung. Auch der Bauhof kann mit dem vorhandenen Personal keine weiteren Aufgaben übernehmen“, hieß es damals von der Kämmerei.

Karin Neuendorf konnte kürzlich beim Vor-Ort-Termin aber unterstreichen, dass der Eigenbetrieb in den vergangenen fünf Jahren nicht untätig war. Für gefällte Bäume wurden mit Nachpflanzungen Lücken zwischen den alten Bäumen geschlossen. „Etwa 220 Birnbäume, sechs verschiedene Sorten, haben wir neu gepflanzt“, erklärte sie. Weitere 32 Bäume sollen noch im kommenden Frühjahr gepflanzt werden. Im März des vergangenen Jahres hatte Landrat Martin Stichnoth an der Birnenallee selbst zum Spaten gegriffen, um eine „Gute Luise“ in die Erde zu bringen. Kurz zuvor noch hatten zwei Bebertaler ihre Empörung über den Pflegeschnitt an den alten Bäumen, den Mitarbeiter des Eigenbetriebes vorgenommen hatten, geäußert.

Bei denen, die mit gutem Beispiel beim Erhalt der Birnenallee vorangehen, reiht sich auch der Rottmersleber Gartenbauingenieur Axel Jordan gemeinsam mit seiner Familie gern ein. Zum Weihnachtsfest suchte er eine nachhaltige Geschenkidee. „In den Sinn kam mir, natürlich berufsbedingt, das Pflanzen von Bäumen, in diesem Fall Birnbäumen zur Erweiterung der längsten Birnenallee Deutschlands, in Verbindung mit der Übernahme einer Baumpatenschaft zum nachhaltigen Erhalt der Gehölze“, so Axel Jordan. Die Beschenkten waren seine Frau Susanne Keweloh, seine Mutter Melitta Jordan und seine Enkelin Ina Marie Klee. Ihre Bäume stehen nun – jeweils mit einem Schild gekennzeichnet – an der Birnenallee. Axel Jordan hat die Hoffnung, dass sich für diese Aktion, Nachahmer finden, die aus verschiedenen Anlässen einen Birnbaum pflanzen möchten. An der Birnenallee ist noch Platz dafür.

Wer einen hier einen Birnbaum pflanzen möchte kann sich gern an ihn oder an den Rottmersleber Ortsbürgermeister Hans- Eike Weitz wenden, der über den Erhalt der „längsten Birnenallee Deutschlands“ besonders beglückt ist.